Eine Zukunft mit Net-Zero-Emissionen eröffnet Anlegern attraktive Chancen. Zu den Profiteuren jährlicher Investments in Billionenhöhe dürften grüner Wasserstoff, Industriemetalle, grüner Stahl und eine emissionsbezogene Gebäudesanierung gehören.

Im Überblick

  • Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur müssen jährlich 4 bis 5 Billionen US-Dollar investiert werden, um bis 2050 Net-Zero zu erreichen.
  • Der erste Schritt für viele der größten CO2-Emittenten ist die Elektrifizierung. In manchen Branchen ist dies aber nicht möglich. Sie müssten auf grünen Wasserstoff oder CO2-Abscheidung und  Speicherung (CCS) ausweichen.
  • Der Wechsel zu erneuerbaren Energien kann teuer sein. Viele Länder stellen für die Dekarbonisierung aber sehr viel Geld bereit.

Die Begeisterung für Elektrofahrzeuge hat auch Investoren erfasst, die in der Dekarbonisierung der Weltwirtschaft und Net-Zero eine Anlagechance sehen. Gerade erst ist die Marktkapitalisierung von Tesla auf über 1 Billion US-Dollar gestiegen, was wir sonst nur von Firmen wie Apple und Amazon kannten. Rivian, ein Hersteller von Elektro-LKW, hat gerade erst seinen riesigen Börsengang abgeschlossen. Aber Elektrofahrzeuge sind nicht alles.

Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur müssen jährlich 4 bis 5 Billionen US-Dollar investiert werden, um bis 2050 Net-Zero zu erreichen. Die Energiewende dürfte Auswirkungen auf viele Branchen haben, von Industriemetallen bis Baugewerbe.

Aufgrund eigener Studien und Gespräche mit Unternehmens- und Regierungsvertretern weltweit sehen unsere Analysten Chancen auch in vielen anderen Sektoren, die von Net-Zero profitieren könnten. Vier Themen scheinen ihnen besonders vielversprechend.

1. Keine Dekarbonisierung ohne grünen Wasserstoff

Um die weltweiten Emissionen gemäß den Pariser Klimazielen von 2015 zu senken, wird man vermutlich grünen Wasserstoff brauchen. Man gewinnt diesen CO2-armen Energieträger, indem man mit erneuerbaren Energien Wassermoleküle spaltet.

Net-Zero erfordert massive Veränderungen der Energienachfrage

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Quelle: Internationale Energieagentur (IEA). Joule ist eine Energieeinheit; 1 Exajoule (EJ) = 1 Trillion Joule. Rundungsbedingt addieren sich die Zahlen möglicherweise nicht zu 100%.

Branchen wie Stahl und Chemie, die fossile Energien nutzen, aber ihre Produktion nicht elektrifizieren können, werden an grünem Wasserstoff wohl nicht vorbeikommen. Auch wird überlegt, mit grünem Wasserstoff Schiffe und Flugzeuge zu betreiben. Vielleicht sind dann keine so großen Batterien für saubere Energie – etwa aus Wind- und Solarkraft – mehr nötig.

Noch ist es nicht wirtschaftlich, grünen Wasserstoff in größerem Umfang zu nutzen. Gemessen am Energiegehalt kann er nach wie vor 50% bis 100% teurer sein als Flüssigerdgas. Aber das ändert sich schnell. Neue Vorschriften in Europa und hohe Subventionen schaffen Nachfrage. Wenn die Preise für erneuerbare Energien weiter fallen und die CO2-Preise weiter steigen, können die Chancen nur größer werden.

Wasserstoff: Energieträger für eine grüne Zukunft

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Quelle: BP. Projektionen für den Anteil von Wasserstoff am Endenergieverbrauch der Sektoren Industrie und Verkehr. Der Endenergieverbrauch misst den Energieverbrauch von Endnutzern wie Haushalten, Industrie und Landwirtschaft.

Einige Unternehmen, die sich schon mit dem Thema befassen, sollte man sich genauer ansehen. Man muss aber wählerisch sein. Da die Herstellung von grünem Wasserstoff hohe Investitionen erfordert und die variablen Kosten niedrig sind, besteht bei den Pionieren das Risiko teurer, unrentabler Aktiva.

2. Um das Potenzial sauberer Technologien zu nutzen, braucht man Industriemetalle

Das wachsende Interesse an Elektromobilität ist nicht nur für die Autoindustrie eine Chance. Um allgemein akzeptiert zu werden, sind aber bessere Stromnetze und mehr Ladestationen nötig. Dabei ist die Nachhaltigkeit der Lieferkette ein wichtiges Thema. Zurzeit braucht man Kobalt, Lithium und Nickel für Batterien und Kupfer für Stromnetze. Um erneuerbare Energien zu nutzen, etwa mit Windkrafträdern, braucht man Seltene Erden.

Die immer weiter steigende Nachfrage nach solchen Basismetallen und die Beschaffungsprobleme könnten zu Angebotsknappheiten oder Preiserhöhungen führen. Die Energiewende könnte dadurch ins Stocken geraten.

Der Lithiummarkt könnte von 3 Milliarden US-Dollar Volumen im Jahr 2020 auf 40 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 wachsen. Kupfer wiederum ist ein wichtiger Bestandteil von Solarzellen und Windkraftanlagen. Wenn die Solar- und Windkraftkapazität bis 2030 um jährlich etwa 15% zunimmt, auf 25% der weltweiten Energieerzeugung, würde die Kupfernachfrage noch in diesem Jahrzehnt um etwa 5% jährlich wachsen. Angesichts der Schwierigkeiten bei der Erschließung neuer Kupferminen dürfte das für größeren Mangel sorgen.

Für Bergbauunternehmen könnte dies eine Chance sein. BHP und Rio Tinto, der zweit- und der drittgrößte Bergbaukonzern der Welt, haben Kupfer öffentlich als zukünftigen Wachstumsmarkt bezeichnet. Außerdem hat Rio Tinto im Juli über 2 Milliarden US-Dollar für ein neues Lithiumabbauprojekt bereitgestellt. Interessant sind auch Firmen wie Hochschild Mining, die auf sauberere Alternativen zu Seltenen Erden setzen. Man muss aber selektiv investieren, da aufgrund neuer Technologien nicht nur die Nachfrage nach Kohle, sondern auch nach manchen Metallen abnimmt. Mit neuen Batterietechnologien könnten Nickel und Kobalt auf Dauer überflüssig werden. Denkbar ist auch ein massives Überangebot an Lithium, wenn mehr recycelt wird.

3. Grüner Stahl dürfte von Subventionen profitieren

Etwa 8% des weltweiten CO2-Ausstoßes entfällt auf die Stahlindustrie. Um das zu ändern, braucht es mehr als nur sauberen Strom. Der „grüne Stahl“ steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber die Nachfrage scheint zu wachsen – dank nachhaltiger Investoren und Unternehmen, die grüner werden wollen. Auch stellen die Regierungen in Westeuropa sehr viel Fördermittel bereit. Zurzeit werden Investitionen in grünen Stahl zu etwa 50% subventioniert. Das reicht fast, um sie wirtschaftlich zu machen, auch ohne CO2-Bepreisung und Grenzausgleichsabgaben einzukalkulieren.

Auf der Nachfrageseite hat der schwedische Automobilbauer Volvo angekündigt, ab 2026 Autos aus grünem Stahl zu bauen. Das soll dem Unternehmen helfen, bis 2040 CO2-neutral zu werden. Daimler wiederum hat sich gerade erst an einem schwedischen Start-up für grünen Stahl beteiligt. Schon 2025 könnte er in den ersten Mercedes-Benz-Fahrzeugen verbaut werden.

Auch CO2-Abscheidung, -Nutzung und -Speicherung (CCUS) wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Mit CCUS kann der CO2-Ausstoß der Stahlwerke gesenkt werden. Außerdem lässt sich damit „blauer“ Wasserstoff aus Erdgas herstellen.

Die Stahlindustrie auf dem Weg zu Net-Zero

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Quelle: Internationale Energieagentur

Weniger klar ist, was die Stahlindustrie außerhalb Europas zur Dekarbonisierung beiträgt. Aber auch hier gibt es gewisse Fortschritte. In China, dem mit Abstand größten Stahlproduzenten der Welt, bemühen sich Staat und Staatsunternehmen sehr schnell um Lösungen, meist mit grünem Wasserstoff.

In den USA hat sich gut die Hälfte der Stahlindustrie bis 2050 zu Net-Zero verpflichtet, auch wenn noch nicht alle technischen Fragen geklärt sind. Stahlunternehmen in den meisten anderen Ländern bemühen sich ebenfalls um Lösungen und informieren die Investoren über ihre langfristigen Dekarbonisierungspläne.

4. Weniger Emissionen durch Gebäudemodernisierung

Gebäude nutzen mehr Energie und stoßen mehr CO2 aus als der gesamte Verkehrssektor. Auch hier sind offensichtlich große Investitionen nötig, damit sie grüner werden. Ohne Elektrifizierung und saubere Energie können die Emissionen von Gebäuden nicht gesenkt werden. Am wirtschaftlichsten sind aber effizientere Klimaanlagen. Man schätzt, dass der Austausch von klimaschädlichen Kühlmitteln die gesamten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 90 Milliarden Tonnen CO2 senken kann.

Grünere Klimaanlagen könnten die Emissionen massiv senken

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Quelle: The Economist

Die Emissionen könnten doppelt so stark zurückgehen, wenn auch die Klimaanlagen selbst energieeffizienter werden. Wenn in Europa und anderen Ländern der Austausch älterer Systeme durch energieeffizientere Techniken gefördert wird, könnte dies Unternehmen wie Daikin langfristig nutzen. Der weltgrößte Hersteller von Klimatisierungslösungen, kann die nötige Technik liefern.

Große Chancen bestehen auch bei grünen Heizungen. Hier sind viele Lösungen denkbar. Neben Klimaanlagen verbraucht auch die Heizung in kälteren Regionen mehr fossilen Brennstoff als die Stromerzeugung oder der Verkehr. Von einem Umdenken könnten unter anderem Industrieunternehmen wie NIBE aus Schweden profitieren, das auf hoch innovative energieeffiziente Heizungen spezialisiert ist. Noch beträgt der Anteil von Wärmepumpen in Europa und Nordamerika weniger als 5%. Aber auch hier ist mit einem starken Anstieg zu rechnen, wenn konventionelle Heizsysteme durch energieeffiziente Lösungen ersetzt werden. Manche Länder, etwa Großbritannien, planen sogar, ab 2025 Gasboilern in Neubauten zu verbieten.

Neue Heizungen sind der Schlüssel zur Dekarbonisierung von Gebäuden

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Quelle: Internationale Energieagentur. Zu den direkten erneuerbaren Energien zählen Wasserkraft, Bioenergie, Solarenergie und Geothermie (Erdwärme). Zu den indirekten erneuerbaren Energien zählen Elektrizität und Fernwärme auf Basis erneuerbarer Energien.

Um Net-Zero zu erreichen, dürfen Gebäude generell nicht mehr so viel Energie verbrauchen. Unsere Aktienanalysten halten gezielt Ausschau nach Unternehmen, die dies ermöglichen können. Besonders interessant können Hersteller hochwertiger Isolierungen für Gewerbeimmobilien und Wohngebäude sein. Gerade durch eine bessere Dämmung können Gebäude sehr viel energieeffizienter werden, was sich für ihre Eigentümer auch finanziell lohnt. Deutlich steigen dürfte auch die Nachfrage nach Gebäudemanagementsoftware, die die Energieverschwendung verringern kann.

Unser Fazit für Investoren

Nach dem Weltklimagipfel COP26 hieß es oft, dass die Fortschritte auf dem Weg zu Net-Zero nicht reichen. Aber es tut sich etwas. Und die Richtung stimmt.

Viele der größten CO2-Emittenten müssen in erster Linie auf Elektrifizierung setzen. Wenn das nicht reicht, sind saubere Brennstoffe wie grüner Wasserstoff nötig. Falls auch das das Problem nicht löst, ist CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) das Mittel der Wahl. Manche mögen dieses Modell für zu einfach halten, aber es bildet den Weg zu Net-Zero in verschiedenen Branchen gut ab. Und Investoren kann es auf Chancen hinweisen.

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