In einem Umfeld zunehmender Normalisierung globaler Geldpolitik könnten Schwellenländeranleihen in ausgewählten Lokalwährungen solider Länder ihre Stärken ausspielen: Zu diesen gehören vergleichsweise attraktive Renditeaufschläge und Bewertungen.

Eine Wachstumsstory

Das Wachstumsgefälle zwischen den Schwellenländern und den Industrieländern ist ein wichtiger Faktor für die Wertentwicklung von Anlagen in den Schwellenländern. Diese Wachstumslücke verkleinerte sich im Jahr 2021 infolge der Pandemie erheblich. Die Hauptgründe hierfür sind die Nicht-Verfügbarkeit von Impfstoffen, die Zurückhaltung der Politik bei der Forcierung der Impfungen in einigen Ländern und die Verwendung von weniger wirksamen Impfstoffen. Viele Schwellenländer haben in den letzten Monaten aufgeholt, wenngleich die vollständige Erholung erst in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres in Gang kommen wird. Dies wird nach Ansicht des IWF in den folgenden Jahren zu einer über dem Trend liegenden Wachstumslücke führen.

Die Inflationsstory

Während der Pandemie haben die Zentralbanken der Schwellenländer die Zinsen in einem noch nie dagewesenen Tempo gesenkt, was durch die niedrige Inflation unterstützt wurde. Einige Zentralbanken haben flexibel auf steigende Inflationserwartungen reagiert, indem sie die Zinssätze rasch anhoben, einige sogar präventiv. Diese Länder verfügten über relativ stabile oder sogar stärkere Währungen. Andere entschieden sich für ein langsameres Tempo bei der geldpolitischen Normalisierung, was negative reale Leitzinssätze nach sich zog (d. h. der Leitzins ist niedriger als die Gesamtinflationsrate), was wiederum zu schwächeren Währungen führte. Wir gehen davon aus, dass sich die Normalisierung der Geldpolitik bis weit ins nächste Jahr hineinfortsetzen wird. In Verbindung mit niedrigeren Inflationserwartungen aufgrund von Basiseffekten, die ab der zweiten Jahreshälfte 2022 zum Tragen kommen, dürfte dies die realen Leitzinssätze wieder in den positiven Bereich bringen und als Stabilisator für die Währungen wirken.

Ein kurzer Zyklus

Unserer Ansicht nach befindet sich die US-Notenbank (Fed) im Risikomanagement-Modus: Sie ist nicht bereit, das Risiko einzugehen, ähnlich starke Zinsturbulenzen (Taper Tantrum) zu provozieren, wie es im Jahr 2013 der Fall war. Die Drosselung hat im November begonnen und wird bis Juni 2022 laufen. Es folgen zwei Zinsanhebungen im nächsten Jahr und die drei bis vier Anhebungen im Jahr 2023, was zu einem Fed-Zinssatz zwischen 1,25 % und 1,50 % führen dürfte. Dies ist ein positives Signal für lokale Schwellenländeranleihen, da die Bewertungen derzeit attraktiv sind und die Positionierung internationaler Investoren niedrig.

China im Abschwung

Eine durch Regulierung und Fremdkapitalabbau verursachte Krise im Immobiliensektor in Verbindung mit einer Gesundheitskrise (Null-Covid-Politik) und einer Energiekrise (schlechtes Wetter und Klimawandel) haben Chinas Wachstum geschwächt. Der Marktkonsens geht davon aus, dass die chinesische Wirtschaft im Jahr 2022 nur um etwa 5 % wachsen wird. Für die Schwellenländer hat China in den vergangenen zwei Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Der Beitrag Chinas zum BIP der Schwellenländer ist von 2 % im Jahr 2000 auf heute 13 % angestiegen. Die starke weltweite Nachfrage sorgt jedoch dafür, dass die chinesischen Exporte und Importe aus anderen Schwellenländern trotz der Versorgungsengpässe sehr gut laufen. Angesichts des hohen Exportanteils ist eine Währungsanpassung zur Ankurbelung des Wachstums, die andere asiatische Währungen beeinträchtigen könnte, höchst unwahrscheinlich.

Attraktive Bewertung und niedrige Positionierung

Die Bewertungen von Schwellenländeranleihen sind verlockend und liegen in einigen Fällen deutlich unter dem Niveau von 2013 vor dem Taper Tantrum. Selbst wenn man das politische Risiko im Vorfeld wichtiger Wahlen im kommenden Jahr berücksichtigt, sind ausgewählte lateinamerikanische Märkte attraktiv. Nächstes Jahr wird die Aufnahme Indiens in die großen Indizes einen Aufschwung bewirken. Die anhaltende Normalisierung der Geldpolitik wird sich positiv auf lokale Währungen auswirken. Die globale Positionierung der Anleger ist alles andere als überbordend und liegt weit unter dem Niveau des Tapering 2013. Schließlich bieten Staatsanleihen der Schwellenländer in lokaler Währung im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie Unternehmensanleihen in US-Dollar oder Euro sowie Hochzinsanleihen einen sehr attraktiven Renditeaufschlag, sogar wenn man die Duration berücksichtigt.

Nachhaltiges Verschuldungsniveau

Die durchschnittliche Verschuldung der Schwellenländer wird nach Angaben des IWF bis mindestens 2025 deutlich unter 70 % bleiben. Viele Schwellenländer verfügen über einen soliden makroökonomischen Rahmen, der sowohl das Primärdefizit als auch den öffentlichen Bruttoschuldenstand in Prozent des BIP begrenzt. Die Fähigkeit zur Zahlung von Zinsen und Kapital ist von Land zu Land unterschiedlich. Eine gute Länderauswahl ist entscheidend!

Anlageprodukte:

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