Der technische Fortschritt revolutioniert in den kommenden Jahren den Gesundheitsmarkt und die Medizintechnik. Das hohe Innovationstempo macht das Thema auch für Anleger interessant.

Gesundheits-Apps, elektronische Patientenakten, intelligente Diagnostik oder Operationen per Roboter: Interdisziplinäre Forscherteams und Unternehmen treiben den Transformationsprozess im Gesundheitsmarkt mit enormer Schnelligkeit voran. Die Digitalisierung sorgt für eine qualitativ bessere sowie deutlich effizientere Patientenversorgung – mit entsprechenden Chancen für Anleger. 

Nach Angaben der Unternehmensberatungsgesellschaft PwC schnellte die Zahl der medizinischen Behandlungen per Video während der Pandemie explosionsartig in die Höhe. Während 2019 noch von rund 3.000 solcher Sitzungen die Rede ist, gehen die PwC-Experten im Corona-Jahr 2020 bereits von 1,4 Millionen virtuellen Arzt-Patientengesprächen allein in Deutschland aus. 

Telemedizin hat sich längst etabliert: Patienten vertrauen der Technologie – mit steigender Tendenz. Die kontaktarme Zeit während der Pandemie offenbarte den enormen Bedarf an elektronischen und miteinander vernetzten Lösungen im Gesundheitsmarkt1. Eine Entwicklung, die sich über Ländergrenzen hinweg zeigt. Das bestätigt auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).2  

Weltweit arbeiten Forscher an weiteren neuen Lösungen für eine bessere, personalisierte Medizin und Patientenversorgung. Das läuft auch über die gezielte Auswertung von Daten, im Englischen Medical Data Science. Es geht letztlich darum, möglichst viele Informationen zu gewinnen und zu analysieren, um den Verlauf von Krankheiten besser zu verstehen und sie wirkungsvoller zu therapieren. Dabei machen sich Mediziner immer häufiger Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI) zunutze. Etwa bei der bildgestützten Diagnostik: KI kann beispielsweise helfen, Bilder von Brüchen oder Tumoren anhand bekannter Bildersammlungen besser zu interpretieren.

Die Profiteure: Auch branchenfremde Unternehmen mischen mit

Die Unternehmensberatungsgesellschaft Roland Berger geht davon aus, dass von der Entwicklung im Gesundheitsmarkt auch große Technologieunternehmen profitieren. Sie sind dabei, sich durch die Verarbeitung und Auswertung riesiger Datenmengen zu positionieren. Andererseits sichern sich fortschrittliche kleinere Anbieter von Applikationen ein Stück vom Kuchen, zum Beispiel mit Spezialleistungen für Diabetiker. Startups der Pharmaindustrie und Versicherungen mischen im Markt ebenso mit wie globale Technologiegrößen.

Ein paar Beispiele: 

  • Zu den Vorreitern im Bereich Digitale Gesundheit gehört auch die Deutsche Telekom AG. In Kooperation mit dem Neusser Unternehmen Medisana brachte der Konzern 2013 ein vernetztes Pflaster auf den Markt. Ärzte erhalten auf digitalem Wege wichtige Vitaldaten von Patienten.
  • Giganten wie Google, Dell, Amazon oder IBM spielen im Markt der digitalen Gesundheitslösungen ebenfalls mit. Der Markt entwickelt sich hier überaus dynamisch: IBM hat erst im Sommer seine KI-Sparte Watson Health an den Investor Francisco Partners verkauft3. Das daraus entstandene neue Unternehmen Merative4 soll KI-gestützte Analysen von Gesundheitsdaten voranbringen. Der Datenspeicher-Dienst Amazon Web Services hat gerade erst eine spezielle Online-Speicherumgebung5 für die besonderen Anforderungen im Gesundheitssektor geschaffen. 
  • KRY ist ein schwedischer Anbieter von Online-Gesundheitsdiensten, der in Deutschland, Norwegen und Schweden unterwegs ist. Virtuelle Termine mit Ärzten, Krankschreibungen, Rezepte oder Überweisungen gibt es per App.2 
  • Der britische Anbieter von Videokonsultationen AccuRX entwickelte nach Angaben der OECD an nur einem Wochenende eine Software, die fast 7.000 Praxen innerhalb von wenigen Monaten nutzten. 
  • Das britische Unternehmen Kheiron Medical KI ist in der Lage, Mammographien und Krebsscreenings kostengünstig zu analysieren – und zwar so präzise, dass weitere Untersuchungen zumeist nicht mehr nötig sind. 

Bitte beachten Sie, dass es sich hierbei lediglich um Beispiele für den Trend Digitale Gesundheit handelt und keine Anlageempfehlungen darstellen.

Der Ausblick: Zweistellige Investitionssummen wahrscheinlich

Marktbeobachter rechnen damit, dass die Investitionssummen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen in den Jahren bis 2028 weiterhin zweistellig ansteigen.6 Forscher der Unternehmensberatung Roland Berger prognostizieren, dass allein die Covid-Pandemie einen Wachstumsschub von fast 50 Prozent bis zum Jahr 2025 bei digitalen Gesundheitsangeboten ausgelöst hat. Das Marktvolumen beläuft sich dann insgesamt in der EU auf schätzungsweise 232 Milliarden Euro. Für Deutschland liegt die Schätzung bei 57 Milliarden Euro.

Umsatz auf dem Markt für Digitale Gesundheit in Deutschland und weltweit bis 2026

Umsatz durch künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen weltweit in den Jahren 2020 und 2026

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