ESG-Ratings beachten die unterschiedlichsten Kriterien zu den Faktoren E (Environment/Umwelt), S (Soziales) und G (Governance). Was das insbesondere für den Governance-Faktor bedeutet, zeigen wir am Beispiel des ESG-Ratings von MSCI. Lesedauer 1 – 2 Min.

Zu den größten hierzulande bekannten ESG-Rating-Agenturen gehören heute MSCI ESG, ISS ESG (in das 2018 das bekanntere Unternehmen Oekom Research aufgegangen ist), Sustainalytics (seit 2020 Mitglied der Morningstar-Familie) und Vigeo Eiris mit dem deutschen Partner Imug Rating. Sie prüfen für ein ESG-Rating eine ganze Reihe von Kriterien, die sich von Anbieter zu Anbieter deutlich unterscheiden können (wie diese Kriterien Anleger vor Risiken warnen können, finden Sie hier).

Bewertet werden sämtliche großen Unternehmen – auch ohne Auftrag. Große Unternehmen erhalten also Ratings von unterschiedlichen Anbietern. Zum Teil können diese auch deutlich voneinander abweichen. Der Versorger E.ON erreicht bei Sustainalytics zum Beispiel eine ESG-Gesamtpunktzahl von 81 und gehört damit zur „Leader Group“, bei ISS ESG wird E.ON hingegen nur mit C+ bewertet auf einer Skala von A+ bis D-.

Beispiel MSCI ESG: Governance unter zwei Gesichtspunkten

MSCI ESG bewertet nach eigenen Aussagen 8.500 Unternehmen und über 680.000 Aktien und Anleihen auf der ganzen Welt. Für das Rating werden 37 Kriterien aus den drei Bereichen Umwelt, Soziales und Governance herangezogen. Im Bereich Governance werden zwei Gesichtspunkte beachtet: Unternehmensführung und Firmenverhalten. Diesen sind jeweils konkretisierte Kriterien wie zum Beispiel „Vergütung“ oder „Geschäftsethik und Betrug“ zugeordnet.

MSCI ESG: Kriterien für ein ESG-Rating von Unternehmen (Grafik als Download verfügbar)

Quelle: MSCI, 2019

Insgesamt machen Governance-Themen 9 der insgesamt 37 Kriterien aus. Allerdings können einzelne Kriterien für die Endnote unterschiedlich gewichtet werden. Das Ergebnis sind Noten von AAA und AA („Leader“) über A, BBB und BB („Average“) bis B und CCC („Laggard)“. Diese stellen aber keine absolute Bewertung dar. Vielmehr erfolgt die Zuweisung einer Rating-Note relativ zu den Standards und der Performance der Unternehmen einer bestimmten Branche.1 Ein Rating von AA bezüglich der ökologischen Kriterien in einer Dienstleistungsbranche bedeutet also anderes als ein AA bei einem Stahlunternehmen, dessen Wettbewerber und Branchendurchschnitt z. B. grundlegend andere CO2-Bilanzen aufweisen.

Quellen:

1 MSCI, 2019

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