Der globale Anleihemarkt ist größer als sein Aktienpendant. Und doch nutzen Anleger seine Macht, den Klimawandel zu beeinflussen, noch zu wenig. Zeit zu handeln: Wie aktive Strategien das enorme Potenzial aktivieren – und Kreditrisiken vermindern.

Hand aufs Herz: An was denken Sie und Ihre Kunden, wenn sie die Möglichkeiten betrachten, mit investiertem Kapital Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen? Gerade, wenn es darum geht, dem Klimawandel entgegenzuwirken und den Weg für eine Transformation der Wirtschaft zur Netto-null-Emission von CO₂ zu ebnen? In erster Linie kommen vielen Anlegern Aktien in den Sinn. Denn hier gibt es die schon viel diskutierten Möglichkeiten, Aktienunternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen: etwa durch gezieltes Engagement im Dialog mit den Unternehmensführungen oder durch ein entsprechendes Abstimmungsverhalten bei Aktionärsversammlungen.

Doch Anleihen können den bei Weitem mächtigeren Hebel der Einflussnahme auf Klimawandel und Klimawandelfolgen darstellen, da sie das für die Transformation benötigte zusätzliche Kapital den Unternehmen zuführen. Allerdings ist die Vermeidung von Ausfall- und Bonitätsrisiken, wie sie aus der Vernachlässigung von klimabezogenen Gefahren auf Unternehmensseite entstehen können, aus Anlegersicht essenziell. 

Weltweit prominentes Beispiel ist die Pacific Gas and Electric Company (PG&E). Es war im Januar 2019 der erste Insolvenzfall, der darauf beruhte, dass die Unternehmensleitung Klimarisiken zu wenig beachtet hatte. Dem Elektrizitätsunternehmen wurde vorgeworfen, die Stromnetze unzureichend gewartet und damit in den Jahren 2015 bis 2018 Waldbrände ausgelöst zu haben, die für immense Personen- und Vermögensschäden verantwortlich gemacht werden. Die Schadenersatzforderungen beliefen sich auf 30 Mrd. US-Dollar. Gerade in Zeiten, in denen Anleiherenditen nicht eben üppig sprudeln, sollten Anleger Risiken wie diese dringend vermeiden.

Globale Anleihemärkte: Schlafender Riese voller Anknüpfungspunkte

Die Möglichkeiten beim Anlegen in Anleihen positiv auf die Klimawende hinzuwirken, werden allgemein unterschätzt. Dabei macht allein der Blick auf die Größe des globalen Anleihemarktes im Vergleich zu den Aktienmärkten deutlich: Anleihen haben den größeren finanziellen Hebel. Nach Schätzungen der SIFMA (Securities Industry and Financial Markets Association) waren die globalen Anleihemärkte Ende 2020 rund 123,5 Billionen US-Dollar wert, verglichen mit dem Wert von 105,8 Billionen US-Dollar am Aktienmarkt. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Anleihen werden um ein Vielfaches häufiger begeben als Aktien an den Markt gebracht werden. Das bedeutet, dass Anleiheinvestoren in viel häufigerem direkten Kontakt zu den Unternehmen oder staatlichen Emittenten stehen, als das am Aktienmarkt der Fall ist. Dort ist der Anteil des Sekundärhandels bei Weitem größer. Da Anleihen oft mit Vertragsklauseln ausgestattet sind, die auch gerade auf das Erreichen von klimabezogenen Zielen durch den Emittenten abheben, ergeben sich enorm viele Anknüpfungspunkte.

Anleiheemissionen stellen Aktienemissionen in den Schatten (in Billionen US-Dollar)
 

-

Quelle: SIFMA, Juli 2022

Anleihen: In der Breite auf die Klimawende hinwirken

Anleger, denen die Klimawirkung ihres Portfolios auf die Breite der globalen CO₂-Emittenten wirklich wichtig ist, sollten sich auch damit beschäftigen, wie sie ihren Einfluss erweitern können. Der Aktienmarkt bietet unter diesem Gesichtspunkt nur einen verengten Zugang zum globalen Wirtschaftsgeschehen und der dahinterstehenden Unternehmenslandschaft. Denn klarerweise können Anleger mit Aktien nur auf börsennotierte Unternehmen Einfluss nehmen.

Die Rentenmärkte umfassen dagegen auch öffentliche Unternehmen und solche in privater Unternehmerhand. Dies ist gerade in Bezug auf den Klimawandel von großer Bedeutung, da nicht börsennotierte Unternehmen für deutlich mehr CO₂-Emissionen verantwortlich sind als börsennotierte Unternehmen.

Börsennotierte Unternehmen sind für weniger als ein Viertel der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich

-

Quelle: The Climate Accountability Institute, Dezember 2020.

Aktive Strategien: Größeres Potenzial für Klima und Anleger 

Die Rentenmärkte bieten Anlegern grundsätzlich die Möglichkeit, in Wertpapiere zu investieren, die zur Finanzierung bestimmter Projekte (z. B. grüne Anleihen, soziale Anleihen und Nachhaltigkeitsanleihen) bestimmt sind, oder sich über nachhaltigkeitsgebundene Anleihen an den Interessen der Kunden ausrichten. Doch man sollte sich vor Augen halten: Die jährliche Emission von Anleihen im Kontext fossiler Brennstoffe übertrifft trotz des schnellen Wachstums der Green Bonds immer noch die Emissionen von Green Bonds. Und obwohl Fortschritte bei der Transparenz auf dem Markt für grüne Anleihen zu verzeichnen sind, liefern die meisten an den Fremdkapitalmärkten gehandelten Anleihen immer noch wenig Informationen über ihre Umweltauswirkungen. Nur 10 % der globalen Anleiheemissionen im Jahr 2021 stellten eine spezifische Kennzeichnung ihrer ESG-Eigenschaften zur Verfügung.

Das überlässt Investoren weitgehend die Entscheidung, nach welchen Kriterien sie ihre Anleihen auswählen wollen. Das schematische Vorgehen typischer passiver Strategien kann hierbei entscheidende Nachteile bergen. Etwa wenn Anleger sich für ihre Investitionen numerisch definierte Klimaziele setzen. Wenn beispielsweise die Emissionen des Portfolios jährlich um 5% sinken sollen. Dieses Ziel kann relativ einfach erreicht werden, indem einige Unternehmen oder ganze Branchen mit hohen Emissionen aus dem Anlageuniversum sukzessive ausgeschlossen werden. 

Oder passive Strategien basieren auf Indizes, die Unternehmen ausschließen, deren Einnahmen zum Beispiel zu mehr als 10 % auf der Produktion, Exploration oder dem Vertrieb fossiler Brennstoffe beruhen. Beide Fälle machen schnell deutlich: Dadurch werden schon alle konventionellen Energieunternehmen aus dem Index gestrichen und ein Sektor wird ignoriert, der für die Transformation in ein klimaneutrales Wirtschaften von entscheidender Bedeutung ist, wenn wir also jemals Netto-null-Emissionen erreichen wollen. 

Jeder einfache Ausschluss auf Basis von Status-quo-Emissionswerten macht es sich im Grunde (zu) einfach. Zwar kann man als Anlegender ein „recht gutes Gewissen“ haben, weil das eigene Portfolio wenig CO₂-Emissionen verursacht – bzw. Jahr für Jahr weniger. Doch für den Umbau unseres gesamten Wirtschaftssystems ist der simple Ausschluss ganzer Branchen, die für große Anteile schädlicher Emissionen verantwortlich sind, eigentlich kontraproduktiv. Denn wir müssen gerade diese Industrien mit Kapital ausstatten, das sie gezielt in den Transformationsprozess investieren. Ohne auch kritische Industrien mitzunehmen, wird kaum eines der entscheidenden Klimaziele erreichbar sein.

Worauf Sie für Ihre Kunden achten können

Wenn Ihre Kunden auf die Klimawirkung ihres Portfolios Wert legen, zeigen die angestellten Überlegungen: Um die Macht des riesigen Anleihemarktes für das Klima zu wecken, sind aktive Strategien in der Regel deutlich besser geeignet. Denn mit ihrer Hilfe lässt sich das Potenzial der häufigen Kontakte mit den Unternehmen bei der Begabe von Anleihen tatsächlich effektiver nutzen. Die Wirkung auf die Transformation der Wirtschaft kann um ein Vielfaches größer sein. Und aus Sicht der Anleger können auch nur durch aktive Strategien die Vorteile einer fundamentalen (Bonitäts-)Bewertung vollständig genutzt werden, die Klimarisiken und -chancen in den Blick nimmt. Zudem sind sie im Sinne einer breiteren Diversifikation über Branchen, Regionen und das gesamte Spektrum der Schuldtitel gegenüber schematisch ausschließenden Strategien klar im Vorteil.

Aktiv gemanagte Anleihefonds oder Mischfonds mit aktiv gemanagtem Anleiheanteil könnten also das Mittel der Wahl für klimabewusste Anleger sein. Wie immer kommt es dann darauf an, über welche Ressourcen die Fondsgesellschaften für die Erhebung nachhaltigkeitsbezogener Daten verfügen und wie sie diese im Investmentprozess und ihre Anlagestrategie integrieren.

Strategien für Ihre Kundenportfolios:

3 Jahre Carmignac Portfolio Grandchildren | Carmignac

Investitionen in zukunftsbewusste Innovation durch den Carmignac Portfolio Gr…


Carmignac

Carmignac

Experten-Gastbeitrag

Partizipation bei ESG-Entscheidungsprozessen | Ethius Invest

Handlungsoptionen durch Einreichung umfangreicher beschlussfähiger Vorlagen z…


Ethius Invest

Ethius Invest

Experten-Gastbeitrag

Die vier Aufgaben Ihres Anleihenportfolios | Capital Group

Neben Wertzuwachs haben Anleihen 4 Funktionen im Portfolio: Kapitalerhalt, la…


Capital Group

Capital Group

Experten-Gastbeitrag

Alternativen erschließen – europäische Rechenzentren | PIMCO

Eine zunehmende Nachfrage nach lokalen Rechenzenten in Europa schafft attrakt…


PIMCO

PIMCO

Experten-Gastbeitrag

Wachstumsmarkt Digitale Gesundheit | Fidelity

Der technische Fortschritt revolutioniert in den kommenden Jahren den Gesundh…


Fidelity

Fidelity

Experten-Gastbeitrag

Inflation ≈ 10 %, EZB-Zins ≈ 2 % – wie passt das? | ETHENEA

Bei fast 10% Inflation im Euroraum reichen die Zinsen nicht für real positive…


Ethenea

Ethenea

Experten-Gastbeitrag