Wer Wert auf nachhaltige Geldanlagen legt, ist mit Fonds gut beraten. Denn Fonds sind streng reguliert und die Aufsichtsbehörden entwickeln die Anforderungen ständig weiter. So arbeitet die BaFin an einer neuen Richtlinie: der Stand der Dinge.

In Gesprächen mit Anlegern, die ihr Geld nachhaltig anlegen wollen, kommen häufig auch Zweifel zur Sprache: Ist ein Investment wirklich nachhaltig oder „grün“ – oder gibt es nur vor, in diesem Sinne verantwortlich zu investieren? Da gerade in Bezug auf den Klimawandel nachhaltige Geldanlage in jüngster Vergangenheit auch von Privatanlegern verstärkt nachgefragt wird, geraten die Anbieter von Finanzanlagen auch von Investmentfonds unter Druck, solche Produktlösungen vermehrt anzubieten. Im ein oder anderen Fall werden dadurch Zweifel laut, ob möglicherweise Greenwashing vorliegt, um die Nachfrage vordergründig zu befriedigen. Doch Investmentfonds gehören zu den am strengsten regulierten und beaufsichtigten Anlageformen – zum Schutz von Anlegern.

Kategorie „ESG“ wird bei Fonds streng reguliert

Investmentfonds und ihr Vertrieb sind durchgängig reguliert. Auch in Bezug auf die Nachhaltigkeit folgt die Regulierung einem Fahrplan. Im Zuge dessen wird ein „nachhaltiges“, „ESG-konformes“ oder „grünes“ Fondsinvestment immer weiter von verschiedenen Seiten regulatorisch konkretisiert – mit Blick auf die künftigen Anforderungen an die Beratung und die Anforderungen an die Produkte und somit an die Investmentgesellschaften.

Nachhaltigkeit in der Beratung

Im Sommer wurde durch die Delegierte Verordnung (DelVO) der EU-Kommission der Nachhaltigkeitsbegriff in der Beratung etwas genauer definiert. Denn sie regelt als Ergänzung zu MiFID II die verpflichtende Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlegern. Sie wurde im August 2021 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und sollte im August 2022 in Kraft treten (inzwischen steht der Termin in der Diskussion und könnte sich auf den Jahreswechsel 2022 / 2023 verschieben). Anleger sollen demnach ihre Nachhaltigkeitspräferenzen in Bezug auf mindestens eine von drei Größen festlegen können:

1. Berücksichtigung nachteiliger Wirkungen (PAI): Anleger können und sollen definieren, inwieweit Unternehmen bei der nachhaltigen Anlage berücksichtigt werden sollen, die daran arbeiten, die nachteiligen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit (Principle Adverse Impacts) auf Nachhaltigkeitsziele zu berücksichtigen. 

2. Positiver Beitrag zu ökologischen oder sozialen Zielen: Nach Artikel 2, Nr. 17 der Offenlegungs-Verordnung sollen vor allem Investitionen als nachhaltig gelten, die dazu beitragen, Umwelt- oder soziale Ziele zu erreichen und dabei Governance-Verstöße vermeiden. Anleger sollen von einem Anlageprodukt auch einen gewissen Anteil solcher Investitionswirkungen erwarten können, wenn es als nachhaltig deklariert ist.

3. Positiver Beitrag zur Taxonomie: Hier soll der Kunde einen Mindestanteil an wirtschaftlichen Aktivitäten auf Fonds- bzw. Portfolioebene festlegen, der Taxonomie-konform ist. Die große Herausforderung für die Beratung ist dabei, die Erwartungen der Kunden zu moderieren:

  • Aktuell werden von der Taxonomie-Verordnung noch gar nicht viele Geschäftstätigkeiten von Unternehmen erfasst: Nämlich nur solche, die (1) sich auf die Begrenzung des Klimawandels und (2) der Anpassung an dessen Folgen beziehen. Die vier weiteren Themenfelder zu „E“ sind von der Taxonomie noch nicht abschließend behandelt, geschweige denn „S“ und „G“: (3) Nachhaltige Nutzung und Schutz von Wasser- und Meeresressourcen, (4) Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Abfallvermeidung und Recycling, (5) Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung, (6) Schutz gesunder Ökosysteme und Biodiversität.
  • Zudem sind Unternehmen erst ab 2022 verpflichtet darüber zu berichten. Das heißt erst ab 2023 sind umfassende Daten für EU-Unternehmen verfügbar. Somit lässt sich die Taxonomie-Konformität bis zu diesem Zeitpunkt nur schwierig messen.

Nachhaltigkeit von Fondsprodukten

Für die Produktanbieter gibt es auch Vorgaben – regulatorisch verpflichtende (SFDR / Offenlegungsverordnung) und orientierende wie das in die Diskussion eingebrachte „Verbändekonzept“. Während die Vertriebe planen, wie genau sie die Nachhaltigkeitspräferenz im Beratungsprozess abfragen, analysieren und entscheiden Produktanbieter, welche Nachhaltigkeits-Charakteristika und Faktoren ihre Nachhaltigkeitsfonds haben. Denn am Ende müssen die Präferenzen des Kunden zu den Merkmalen des jeweiligen Fonds passen, damit das Produkt dem Kunden als Lösung angeboten werden kann. Die dazu notwendigen Produktinformationen werden in den vorvertraglichen Informationen sowie über entsprechende Datenfelder von Datenprovidern (insbesondere WM Daten) zur Verfügung gestellt.

Neben den europäischen Vorgaben wird es gegebenenfalls zusätzlich eine BaFin Richtlinie für nachhaltige Investmentvermögen geben, die derzeit noch in Abstimmung ist und dann für in Deutschland aufgelegte Investmentfonds gelten würde.

Die BaFin beschreibt in der Konsultation 13/2021 zur „Richtlinie für nachhaltige Investmentvermögen“ ihre Zielsetzungen. Die Richtlinie wurde im zweiten Entwurf im August 2021 zur Konsultation veröffentlicht ( alle Informationen und Stellungnahmen).

Nach der BaFin soll die Richtlinie zwei Arten von Fonds betreffen:

  • Die, die einen Nachhaltigkeitsbezug im Namen haben – zum Beispiel „nachhaltig“, „sustainable“ oder „green“, 
  • solche, die sich als schwerpunktmäßig nachhaltig positionieren (die explizit als nachhaltig vertrieben werden).

An diese Fonds sollen dann erhöhte Anforderungen gestellt werden:

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Ist ein Alleingang Deutschlands sinnvoll?

In den Konsultationen wurde von Verbänden ein immanentes Problem eines nationalen Alleingangs angesprochen. Da die Richtlinie der BaFin an den Produkten ansetzt, kann sie sich nur auf Fondsprodukte im Aufsichtsbereich der BaFin beziehen. Nur in Deutschland aufgelegte Fonds wären von dieser Regelung betroffen. Da Fonds aber EU-weit vertrieben werden können, wenn sie in einem EU-Land aufgelegt und im Vertriebsland angezeigt sind (EU-Pass), käme dies schlicht einer Erschwernis der Auflegung nachhaltiger Fonds am Standort Deutschland gleich. Vertreter von Fondsverbänden und auch einzelner Fondsgesellschaften haben bereits auf die wahrscheinlichsten faktischen Konsequenzen hingewiesen: Weniger Fondsauflagen in Deutschland, mehr in anderen traditionellen Fondsdomizilen wie Luxemburg oder Irland. Dort würden die Regelungen der BaFin nicht greifen. Die von der BaFin erhoffte Verbraucherschutzwirkung könnte damit womöglich auch ausbleiben.

Europäische Aufsichtsbehörden: Konvergenz zu einheitlicher europäischer Definition?

Ende Oktober 2021 veröffentlichten die der BaFin übergeordneten Europäischen Aufsichtsbehörden ESMA (Fonds), EBA (Banken) und EIOPA (Versicherungen) ihren finalen Report zu den technischen Standards der SFDR-Regulierung. Es wird erwartet, dass dieser von der EU-Kommission angenommen und in EU-weit verbindliche Vorgaben überführt wird.

Die darin enthaltenen Anforderungen an die Veröffentlichung vor dem Fondsinvestment und insbesondere bezüglich der laufenden transparenten Berichterstattung wurden erwartungsgemäß präzisiert – insbesondere in Bezug auf die dringlichen Klimaaspekte des ESG-Investierens. Die Diskussion der kommenden Monate wird zeigen, inwieweit dies schon die Leitlinien für eine übergreifende und allgemeingültige Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs sein wird. Oder ob doch noch Notwendigkeiten einer nationalen Feinregulierung bestehen. Es ist somit also nicht auszuschließen, dass auch die BaFin das Thema noch einmal aufnehmen wird.

Fazit

Nachhaltige Geldanlage und nachhaltige Beratung bedeuten Neuland für Anleger. Dabei ist es nur natürlich, dass wir im Prozess der Taxonomie- und allgemeinen Regulierungsentwicklung immer wieder Anpassungen sehen werden, die auch die Definition des Nachhaltigkeitsbegriffs selbst betreffen. Berater als sachverständige Partner ihrer Anlagekunden müssen diese Entwicklung aufmerksam verfolgen (Immer aktuell informiert? Der Beraternewsletter der FFB. Andererseits können Anleger in jedem Fall sicher sein: Mit Fonds, die heute und in Zukunft als nachhaltig bezeichnet werden, nutzen sie ein hoch reguliertes Anlageprodukt, das unter der Aufsicht der Behörden steht.

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