Aktives und passives Investieren – ist heute kein ideologisch besetztes Gegensatzpaar mehr. Und zwischen rein aktiven und rein passiven Strategien liegt ein ganzes Kontinuum an Investitionsmöglichkeiten. Berater können diese gezielt nutzen. Lesedauer 3 – 4 Min.

Vor 20 Jahren schwappte die ETF-Welle aus den USA nach Europa über, damals wurden die ersten ETFs an einer deutschen Börse notiert. Seitdem ist der ETF-Markt rasant gewachsen. Anbieter von ETFs verwiesen regelmäßig auf Transparenz, günstige Kosten und die Tatsache, dass viele vorgeblich aktiv gemanagte und kostenintensivere Publikumsfonds oft nicht besser abschneiden als der zugrunde gelegte Index. Anhänger aktiven Investierens hielten mit Chancen marktüberdurchschnittlicher Renditen dagegen. Die Corona-Krise machte eine weitere Facette sichtbar: ETFs machten den Corona-Crash voll mit. Gleichzeitig gelang es manchen aktiven Fonds gegenzusteuern und außerdem an der darauffolgenden Rallye zu partizipieren. 

Doch längst ist klar: Beim aktiven und passiven Anlegen geht es nicht um ein Entweder-Oder. Beide Anlagevarianten haben ihre Meriten. Und es gibt mehr als die zwei Möglichkeiten. Der Raum zwischen „passiv“ und „aktiv“ ist nicht leer und hat sich durch Produktinnovationen der letzten Jahre immer mehr gefüllt. Es handelt sich um ein gesamtes Aktiv-Passiv-Spektrum – und das können Berater für ihre Anleger nutzen. Entscheidend für jede Form der Anlage ist nämlich das Ergebnis. Daher lautet die Frage: Wo sollten sich Anleger auf diesem Spektrum positionieren, um die besten Chancen zu
haben, ihre Ziele zu erreichen?

Von quantitativen Strategien und Smart Beta

Auf dem Spektrum zwischen aktiv und passiv finden sich zum Beispiel quantitative Strategien (Quant Active). Sie zielen darauf ab, Alpha zu generieren. Dazu greift das Fondsmanagement in Teilen des Prozesses zur Einzeltitelauswahl auf Modelle und quantitative Analysen zurück. Weil wesentliche Teile des Investmentprozesses automatisiert skalierbar sind, können Investmentfonds mit solchen Strategien im Vergleich zu klassischen aktiv gemanagten Fonds oft kostengünstiger angeboten werden. 

Ebenfalls zwischen den beiden Polen liegen die bereits seit einigen Jahren auf dem Markt befindenden Smart Beta-Produkte. Typischerweise als ETFs mit etwas höheren Gebühren angeboten, streben auch sie eine marktüberdurchschnittliche Rendite an. Das soll erreicht werden, weil Smart Beta-Indizes enthaltene Titel nicht einfach nach deren Marktkapitalisierung gewichten: Sie versuchen Faktoren wie Value, Size oder Momentum zu erfassen, also regelbasiert verstärkt in unterbewertete, kleinere oder solche Unternehmenstitel zu investieren, die gerade einen positiven Kurstrend aufweisen. 

Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich derzeit aktive ETFs („Active ETFs“). Sie haben ebenfalls zum Ziel, den Marktindex zu übertreffen. Zu diesem Zweck können die ETF-Manager jederzeit auf Marktereignisse reagieren und ihr Fondsportfolio anpassen – ähnlich wie Manager aktiv gemanagter Publikumsfonds. Weltweit flossen in der ersten Jahreshälfte fast 27 Milliarden US-Dollar in aktiv verwaltete ETFs nach 16,4 Milliarden Dollar in der ersten Jahreshälfte 2019, berichten die Londoner ETF-Marktforscher von ETFGI.1. Der Vorteil von Smart Beta-Strategien und aktiven ETFs: Beide bieten Potenzial auf mehr als die Marktrendite. Die Kehrseite: Sie enthalten immer noch viel Marktrisiko und schlagen im Vergleich zu klassischen ETFs mit höheren Kosten zu Buche. Dabei ist es nicht sicher, ob die Outperformance gelingt. Diese neueren Entwicklungen unterstreichen erneut, dass die Grenze von aktiv und passiv nicht entlang der Grenze der Instrumente ETF und Publikumsfonds verläuft.

Aktiv-Passiv-Spektrum – ein Kontinuum (Grafik als Download verfügbar)
Abwägung zwischen Chancen auf Benchmarkoutperformance und Kosten

Nur zur Illustration. Darstellung FFB

Ein Blick auf die Portfolioebene hilft

Jede Strategieform im Aktiv-Passiv-Spektrum hat also ihre Vor- und Nachteile.

Und es gibt Phasen bzw. auch Märkte, in denen der eine Ansatz gut funktioniert und der andere nicht – und umgekehrt. An welcher Stelle des breiten Spektrums sich Anleger positionieren sollten, hängt von vielen Faktoren ab: ihren Zielen, ihrer Risikobereitschaft und der Kostensensitivität. 

Dabei sollten Anleger und ihre Berater nicht nur die einzelnen Produkte in den Blick nehmen. Entscheidend für den Erfolg des Anlegers ist die Frage, in welcher Allokation aktive und/ oder passive Produkte im Portfolio zusammenkommen. Unterschiedliche Produkte aus dem Kontinuum können zum Beispiel im Rahmen einer Core-Satellite-Strategie kombiniert werden: mit einem Kerninvestment (Core) und unterschiedlichen Schwerpunktinvestments (Satellites). Wer also zum Beispiel von den Vorteilen aktiven Investierens bei Nebenwerten überzeugt ist, kann eine Exponierung in einem aktiv gemanagten Fonds als Satellit kombinieren mit passiven Strategien in effizienten Märkten wie globalen Large Cap-Aktienmärkten als Core. 

Fazit für die Beratung

Für Anleger ist die Abkehr vom Entweder-Oder hin zu mehr Auswahlmöglichkeiten im Aktiv-Passiv-Spektrum eine große Chance. Besonders für solche, die ihre Renditeziele zu möglichst niedrigen Gebühren erreichen wollen. Die Anlagewelt besteht aus einer Vielzahl an aktiven und passiven Bausteinen, die zu individuell angemessenen, weil bedarfsgerechten Lösungen zusammengesetzt werden können. Beratung kann sich hier auszeichnen und für Anleger angemessen Wege aufzeigen, sofern die eigenen Geschäfts- und Vergütungsmodelle diese Flexibilität zulassen. Wenn passive Bausteine im Portfolio zum Einsatz kommen, ist eine flexible, taktisch anpassbare Allokation in Kundenportfolios wichtiger denn je. Mit dem FFB-Modellportfolio Tool lässt sich dies für eine Vielzahl von Depots auf einfache Weise effizient realisieren.

1 ETF Magazin, 03/2020

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