Für Milliardäre, die selbst Einfluss auf die Marktmeinung haben, kann sich die Spekulation auf Bitcoins lohnen. Für langfristig orientierte Anleger sind Bitcoins eher nicht geeignet. Vier Argumente, mit denen Berater riskanten Begehrlichkeiten ihrer Kunden entgegentreten können.

Die Welt im Bitcoin-Fieber: Am 21. Februar wurde ein neues Allzeithoch von über 58.000 US-Dollar erreicht, mehr als verfünffacht hat sich der Kurs der Kryptowährung seit dem vergangenen Herbst.1 Beigetragen zum Höhenflug hat auch Elon Musk, Tesla-Chef und bekennender Bitcoin-Fan: Satte 1,5 Mrd. US-Dollar hat er im Januar in die Kryptowährung investiert – so zumindest die Nachrichten.

Nur Hype – nicht unbedeutende Stimmen sprechen von der „größten Blase aller Zeiten“2– oder ein in die Zukunft weisender Trend? Immerhin sind schon diverse des Zockens eigentlich unverdächtige Unternehmen auf den Zug aufgesprungen. Etwa hat der Zahlungsanbieter Paypal angekündigt, seinen US-Kunden Kauf, Verkauf und Aufbewahrung von Bitcoins und anderen Kryptowährungen über die Paypal-Plattform zu ermöglichen – ohne allerdings selbst in Bitcoins zu investieren.3 Eine Dienstleistung also, kein Investment in diesem Fall. Ähnliches verlautbarte der Kreditkartenbieter Mastercard.4 Auch einige institutionelle Investoren interessieren sich für Bitcoins – oder prüfen ein Engagement. Allerdings ist vielen unter Ihnen qua restriktiver Anlagerichtlinien ein spekulatives Investment dieser Art letztendlich gar nicht möglich.

Hoffnung auf schnelle Gewinne und Inflationssorgen als Treiber

Dennoch wecken solche Nachrichten Begehrlichkeiten bei so manchem Privatanleger. Viele hoffen auf den schnellen Euro. Andere suchen aber einfach nach Diversifikation in der Geldanlage in einer Welt der Niedrig- oder Negativzinsen und immer weiter steigenden Geldmengen und Staatsverschuldungen. Sie sehen den Bitcoin mit seinem für alle Zeiten begrenzten Angebot von maximal 21 Millionen Coins als attraktive Alternative. Das ist auch für große institutionelle Investoren mitunter eine Überlegung: Für sie ist der Bitcoin (ähnlich wie Gold) ein rares Gut, das eine andere Anlageklasse ohne (positive) Korrelationen mit traditionellen Anlageklassen ins Portfolio einbringen kann – allerdings zum Preis einer schwindelerregenden Volatilität.

Die Unabhängigkeit der Geldschöpfung von Notenbanken und Geschäftsbanken, also die (theoretisch) für jedermann mögliche Coin-Produktion durch das sogenannte Mining, finden viele charmant. Nicht zuletzt hat der Bitcoin – anders als viele andere Kryptowährungen – schon viele Jahre überlebt. Die ersten Bitcoins wurden nämlich bereits 2009 geschürft.

Doch Anleger, die nicht Elon Musk heißen, Öffentlichkeitsprofi und Meinungsführer sind und darauf vertrauen können, dass die Meldung ihres Investments die Kurse befeuert, sollten vorsichtig sein. „Heinz Müller aus W. hat 1.000 Euro in Bitcoins investiert“ wird keine Nachricht sein, bei der man sich auf eine positive Kursreaktion verlassen kann. Als Geldanlage für jedermann sind Bitcoins mehr als fragwürdig. Vier Gründe, warum Anleger nicht blind Geld in Bitcoins stecken sollten:

(1) Bitcoins werden zwar als (Krypto-)Währung bezeichnet, um eine echte Währung handelt es sich aber nicht.
Als Zahlungsmittel sind Bitcoins ineffizient: Anders als gesetzliche Zahlungsmittel wie der Euro, die akzeptiert werden müssen, werden Bitcoins zwar manchmal akzeptiert, meist aber nicht. Daran ändert auch Elon Musks visionäres Versprechen, man könne in Zukunft einen Tesla auch in Bitcoins bezahlen, zunächst einmal nichts. Zudem sind die Transaktionskosten oft hoch. Außerdem ist der Bitcoin hochvolatil – in beide Richtungen. Zuletzt ging es zwar meist nach oben, in der Vergangenheit war das aber schon anders: Nach dem Hoch 2017 – gar nicht so lange her – bei über 19.000 US-Dollar brach der Preis um über 80 Prozent (!) ein.5 Auch die täglichen Schwankungen sind enorm. Ein Zahlungsmittel, dessen Kurs an einem Tag um 5 Prozent steigt und am nächsten wieder um 7 Prozent fällt, wird sich kaum durchsetzen können. Als Wertaufbewahrungsmittel – auch eine Anforderung, die man an vollwertige Währungen stellt – taugt der Bitcoin ebenfalls wegen seiner hohen Volatilität nicht.

(2) Die geringe Bitcoin-Menge macht den Markt anfällig für Spekulationen. 
Trotz Kursexplosion ist der gesamt Wert der sich im Umlauf befindenden Bitcoins immer noch gering. Ende Januar 2021 waren laut blockchain.com rund 18,62 Millionen Bitcoins im Umlauf. Zum damaligen Kurs von rund 34.000 US-Dollar ergab das ein Volumen von 633 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: Die gesamte jemals geförderte Goldmenge wird dem World Gold Council zufolge auf 197.576 Tonnen geschätzt (knapp 7 Milliarden Unzen). Das ergäbe beim Goldpreis von Ende Januar einen Wert von 12.894 Mrd. US-Dollar, also zwanzigmal soviel wie bei Bitcoins. An Euro (Geldmenge M3) waren laut EZB Ende 2020 rund 14.500 Mrd. Euro (17.596 Mrd. US-Dollar) im Umlauf, also das Achtundzwanzigfache. Kritiker sehen die begrenzte Coin-Menge im Übrigen noch aus einem anderen Grund als Problem: Wächst eine Volkswirtschaft, muss die Geldmenge mitwachsen. Würde sich der Bitcoin durchsetzen, führte die begrenzte Bitcoin-Menge langfristig zu Deflation. Und das würde zwangsläufig Regulierungen und (wirtschafts)politische Maßnahmen auf den Plan rufen.

Kleines Volumen, große Schwankungen (Grafik auch als Download verfügbar)

Bitcoin-Volumen im Vergleich zu Gold und Euro

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Quellen: Bitcoin-Menge: blockchain.com 31.01.2021, Bitcoin-Kurs: Refinitiv Datastream 31.01.2021. Goldmenge: World Gold Council, 11.03.2021, Goldpreis: Refinitiv Datatstream 31.01.2021.  Euro Geldmenge: EZB, 31.01.2021, Euro/USD 31.01.2021.

(3) Kryptowährungen sind attraktiv für Kriminelle.
Die Plattformen, auf denen Bitcoins gehandelt werden, sind oft unreguliert und können leicht gehackt werden. Das gilt auch für die digitalen Wallets, in denen Bitcoins aufbewahrt werden. Ohnehin lockt die Anonymität Kriminelle an. Einige Plattformen für den Handel von Kryptowährungen wurden daher bereits geschlossen. Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden sind also schon heute gelegentlich aktiv. Zuletzt hat der US-Staat New York Bitfinex, auf der Tether gehandelt wurde, verboten.6

(4) Je erfolgreicher der Bitcoin wird, desto eher droht das Aus. Die zunehmende Verbreitung des Bitcoins ruft die Zentralbanken auf den Plan, die ihr Geldmonopol sichern wollen. Schon jetzt beobachten sie die Entwicklung genau. Möglich wären eine stärkere Regulierung, das Verbot des Mining oder Zahlungs-, Handels- und Wechselbeschränkungen. Und sowohl Federal Reserve als auch EZB haben bereits Pläne für eine eigene digitale Währung in den Schubladen. So will die EZB in den kommenden fünf Jahren einen digitalen Euro einführen. Anders als beim Bitcoin würden die Notenbanken nach diesen Plänen die Kontrolle über die Währung behalten.

Besser investieren als spekulieren

Keine Frage, mit Bitcoins hat so mancher einen satten Gewinn gemacht. Doch letztlich ist ein Bitcoin-Investment reine Spekulation mit langfristig kaum absehbaren Risiken – insbesondere durch mögliche Eingriffe der Regulierungsbehörden. Als solide planbare Geldanlage taugen Bitcoins daher nicht. Anleger sollten besser langfristig investieren statt zu spekulieren (siehe auch: hier).

Deutlich klarer sind als Kontrast dazu die Aussichten der hinter dem Bitcoin stehenden Blockchain-Technologie. Die hat ein beträchtliches Innovationspotenzial. Die Blockchain dürfte beispielsweise die Finanzbranche revolutionieren – ähnlich, wie es bereits das Internet mit gesamten Industrien gemacht hat. Erste Ansätze in Richtung Tokenisierung von Assets (die vollständig digitale Abbildung und Übertragung von Eigentum an finanziellen Werten (z. B. Aktien, Anleihen) oder realen Werten (z. B. Immobilien, Diamanten) und damit einhergehend eines Eigentumsnachweises) sind jetzt schon zu beobachten und haben ein hohes positives Echo gefunden.

Wer als Anleger an diesen Aussichten teilhaben will, kann beispielsweise bei Technologiefonds fündig werden. Aktiv gemanagt, können diese auf Unternehmen setzen, die von Innovationen und technischen Weiterentwicklungen auf der Anwender- oder Entwicklerseite profitieren dürften. Das lässt sich zumindest für professionelle Analysten und Anlageexperten schon heute recht zuverlässig abschätzen, die Bilanzen und Geschäftsmodelle der Unternehmen lassen sich beurteilen. So wird aus einer revolutionären Technologie eine Anlageidee für ein konkretes und aussichtsreiches Investment – statt einer Spekulation, auf die der Privatanleger besser verzichten sollte. Vor allem wenn er langfristige Vorsorgeziele verfolgt. Denn Elon Musk heißt eben nicht jeder.

Quellen:

1 Refinitiv Datastream, 11.03.2021.
2 Handelsblatt, 02.03.2021.
3 Manager Magazin 12.02.2021.
4 spiegel.de 11.02.2021.
5 Refinitiv Datastream,11.03.2021.
6 Wirtschaftswoche, 23.02.2021.

 

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