Kriegsauswirkungen, Pandemiespätfolgen, hartnäckige Lieferkettenprobleme und hohe Inflationsraten…eine Nachricht sticht da positiv heraus: Die Dividendenausschüttungen klettern in dieser Berichtssaison auf Rekordhöhen. Was bedeutet das für Anleger?

Wer heute auf das ökonomische Umfeld blickt, wird nicht gerade mit guten Nachrichten verwöhnt. Die Wirtschaft schlingert in der Spätphase des Konjunkturzyklus vielerorts nahe der Rezession. Dazu kommt die hohe Inflation. Letzte Woche meldete das Statistische Bundesamt, dass es für den Mai eine Inflationsrate von 7,9% erwartet.1 Das von vielen befürchtete Stagflationsszenario rückt näher, bleibt zumindest dauerhaft in der Diskussion.

Festverzinsliche Anlagen können trotz leicht gestiegener Zinsen in den USA nur selten zu real positiven Renditen beitragen – zu sehr zehrt die Inflation an der Kaufkraft von Kapital und Zinserträgen. Aktien bleiben als wesentlicher Bestandteil diversifizierter Portfolios alternativlos – allerdings mit mehr als deutlich ausgeprägter Marktvolatilität. Können die in dieser Berichtssaison gemeldeten Rekord-Dividenden einen Ausweg aus dem Dilemma bieten?

Rekord-Dividenden im DAX – und anderswo

Über 50 Mrd. Euro an Dividendenausschüttungen an Aktionäre für das Geschäftsjahr 2021: Mit diesem Wert stellen die 40 Dax-Unternehmen einen neuen Rekord auf.2 Insgesamt dürften es deutsche Unternehmen sogar auf eine Ausschüttungssumme von mehr als 70 Mrd. Euro bringen.3

Rekord-Dividenden im DAX (Grafik auch als Download verfügbar)

Entwicklung der Dividendenzahlungen der DAX-Unternehmen in den Jahren von 2003 bis 2022 (in Mrd. Euro)

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Quellen: DividendenAdel (BFM Financial Media GmbH); Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz; FOM (isf Institute for strategic finance); Bloomberg; Unternehmensangaben, Statista, April 2022

Die Berichtssaison hat dabei nicht nur in Deutschland in Bezug auf die Dividenden für positive Signale gesorgt. Auch aus den USA, Kanada und anderen europäischen Ländern werden positiven Dividendensignale gemeldet.

Dividenden – der Zins, der der Inflation etwas entgegensetzt?

Studien rechnen in diesen Wochen aus, wie hoch die Dividendenrendite von einzelnen Aktien sein kann. Also der Prozentsatz je Aktie, den Anleger bei einem zugrunde gelegten Kaufkurs als Dividendenausschüttung erhalten. Das klingt zum Beispiel für Aktien mancher deutschen Autobauer zum Teil sehr verlockend. Bis zu 8,5 % Dividendenrendite können da zu Buche schlagen.5

Doch die grob vereinfachte Formel „Dividende ist der neue Zins“ geht nicht auf. Man kann nicht einfach von einer Inflation von etwa 8% ausgehen und sich freuen, real noch 0,5% Dividendenrendite zu erhalten. Denn Dividenden werden bekanntermaßen nicht garantiert. Jedes Unternehmen kann immer wieder frei entscheiden, in kommenden Jahren die Dividende zu kürzen oder ganz auszusetzen. Außerdem dürften bei diesen Extrembeispielen auch Sondereffekte eine große Rolle spielen: Dividendenzurückhaltung aufgrund staatlicher Vorgaben im Vorjahr und günstige Aktienkurse zum Betrachtungszeitraum etwa. Im Durchschnitt kamen DAX-Unternehmen übrigens auf ordentliche 3,5% Dividendenrendite. Generell wird ein positiver Trend in den Folgejahren erwartet.5

Dividendenaktienfonds im Portfolio – die wahre Bedeutung

Aktien mit starken Dividenden sind also kein eins-zu-eins Ersatz für Anleihen und festverzinsliche Anlagen im Portfolio. Allerdings können sie in der Allokation einige von deren Aufgaben übernehmen. Und das ist zurzeit womöglich effektiver. Denn Anleihen leiden unter dem langjährig niedrigen Zinsniveau und den nun aktuell moderat steigenden Leitzinsen in den großen Wirtschaftsräumen zu beiden Seiten des Atlantiks. Kurse von Anleihen, die am Markt sind, geraten somit unter Druck. Die geringen Kupons bieten kaum einen Puffer.

Die höheren Dividenden können dagegen eventuelle Kurschwankungen ausgleichen. Natürlich schwanken auch Aktien, die anders als Anleihen keinen „Ankerpunkt“ einer zugesagten Kapitalrückzahlung haben, mehr in ihren Kursen als Anleihen. Dennoch kann das Paket stimmen – besonders bei günstigen Kaufkursen und damit hohen Dividendenrenditen und tendenziell immer noch intakten Aussichten für die langfristige Entwicklung am Aktienmarkt.

Wichtig ist allerdings, nicht allein auf die Höhe einer einmalig zugesagten Dividende zu schauen. Portfoliomanager, die Dividendenfonds verwalten, analysieren zum Beispiel sehr genau, ob die Dividende tatsächlich aus dem operativen Cash Flow eines Unternehmens mit gesundem und zukunftsträchtigen Geschäftsmodell gezahlt wird. Die langfristige Kontinuität der Dividenden zählt mehr als einmalige Spitzenwerte.

„Dividendenaktien“ stärken Defensivkräfte im Aktienportfolio

Für langfristig orientierte Anleger können Fonds mit Fokus auf starke Dividendentitel in diesen Zeiten ein wirkungsvoller Diversifikator und stabilisierender Faktor innerhalb der Aktienallokation sein. Nicht nur, weil die Dividende selbst einen gewissen Renditepuffer bei Kursschwankungen bietet. Auch die Selektionswirkung bei der Auswahl möglichst konstanter Dividendenzahler ist eine defensive. Denn bevorzugt werden bei diesem Kriterium eher Unternehmen, die zwar oftmals als „langweilig“ betrachtet werden, aber mit soliden Geschäftsmodellen und Bilanzen über die Jahre planmäßig verlässliche Ergebnisse hervorgebracht haben. Es ist diese Art von Qualität, die heute mehr denn je zählen dürfte. In der Rotation oder einem Regimewechsel, im Zuge dessen die Wachstumstitel und Helden der vergangenen Jahre mit steigenden Zinsen und gedämpftem Wachstum in schwierigere Fahrwasser gelangen und traditionelle Qualitätstitel weltweit Auftrieb bekommen dürften, ist „langweilig“ nicht die schlechteste aller Eigenschaften. 

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Fußnoten:

1 Destatis.de, Pressemeldung 30.05.2022
2 Faz.net, 06.05.2022
3 Sueddeutsche.de, 06.05.2022
4 Institutional Money, 25.05.2022
5 Studie der DZ Bank nach manager-magazin.de, 10.05.2022

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