Das Drama um die Gamestop-Aktie hat manchen Anleger verunsichert. Sechs Gründe, warum Fondsanleger mit Gamestop-Spekulanten wenig gemein haben.

Die Story schaffte es in alle Medien. Mit ihren Reizworten war ihr auch höchste Aufmerksamkeit gewiss: böse Hedgefonds, die Macht des Kapitals, klein gegen groß, arm (oder zumindest nicht vermögend) gegen reich. Kein Wunder, dass der Fall Gamestop hohe Wellen schlug – und eigentlich jeden Anleger als Nachricht oder Kommentar erreichte. 

Die Geschichte der Gamestop-Aktie in aller Kürze: Hobby-Trader hatten über soziale Medien einen Flashmob mobilisiert und den Kurs der Aktie des US-Videospielehändlers dramatisch in die Höhe getrieben (von unter 20 US-Dollar Anfang des Jahres auf in der Spitze fast 483 US-Dollar!).1 Damit schossen sie – zunächst erfolgreich – gegen Hedgefonds, die mit Leerverkäufen auf den Kursverfall gesetzt hatten. Dass zudem einige Neo-Broker wie Robinhood und hierzulande Trade Republic den Handel mit Gamestop-Aktien vorübergehend aussetzten, sorgte ebenfalls zu Recht für Aufregung. 

Doch jenseits des mitunter hohen Unterhaltungswertes hat die Causa Gamestop unter vielen Anlegern vor allem zu einem geführt: enormer Verunsicherung. Wer schon vorher davon überzeugt war, dass der Aktienmarkt nicht mehr viel mit Realwirtschaft zu tun hat und dort nur Zocker am Werk sind, fühlte sich bestätigt. Und wer zum Beispiel mithilfe von Aktienfonds selbst in Aktien investiert ist, konnte sich schon fragen: Muss ich mir Sorgen machen, dass ich auch von solchen Vorkommnissen betroffen sein könnte? Befinden sich in meinem Fonds womöglich auch Zockerpapiere? Und könnte mein Fonds auch irgendwann Aktien nicht mehr verkaufen können (oder ich meine Fondsanteile), weil der Handel ausgesetzt ist? Auch in der Politik finden sich solche Stimmen: Der Aktienmarkt sei ein Kasino geworden, Manipulateure trieben, um Gewinne zu machen, den Markt nach oben oder unten, äußerte etwa US-Senatorin Elizabeth Warren von der demokratischen Partei.2

Aktien zur Vermögensbildung – nicht zum Spekulieren

Doch die Geschichte ist nicht ganz so eindeutig und plakative Vereinfachungen helfen nicht, sich ein sachgerechtes Bild zu verschaffen. So gab es auch einen Hedgefonds unter den Gewinnern (Senvest Management)3, und Leerverkäufe können durchaus ein wichtiges Korrektiv für den Markt sein. Das hat sich auch im Fall Wirecard gezeigt. Hier waren es Hedgefonds, die schon früh gegen Wirecard investierten. Das konnte man durchaus als Indikator dafür sehen, dass sie Missstände erkannt hatten und daher einen Kurssturz erwartet hatten.

Viel wichtiger aber: (Fonds-)Anlegen in Aktien ist kein Zocken und hat im Grundsatz nichts mit Spekulation zu tun. Aktien sind Anteilsscheine an real existierenden Unternehmen, an deren Gewinnen Anteilseigner teilhaben. Die Bewertung einzelner Aktientitel ist zwar manchmal über-, manchmal untertrieben, langfristig spiegelt sie aber den Fundamentalwert des Unternehmens wider. Selbst an der Gamestop-Aktie wird sich auf lange Sicht der (vermutlich eher sinkende) Wert ablesen lassen. Die größten Übertreibungen aus dem Januar sind bereits heute wieder zurückgenommen. 

Aktien bieten bei breiter Streuung wie in Investmentfonds bei einem langfristigen Anlagehorizont attraktive Renditen. Daher kommen Anleger um Aktien bei der Geldanlage eigentlich kaum herum – als Investment und nicht als Spekulationsobjekt. Grund genug, die Unterschiede zwischen Gamestop-Zockern und langfristig orientierten Anlegern genau zu betrachten und nachzuweisen, dass der Fall Gamestop und die lauten Kassandrarufe in dieser Sache eigentlich keine „mahnenden Lehren“ für Fondsanleger bereithält.

Sechs Gründe, warum Fondsanleger Gamestop nicht fürchten müssen

Es gibt sechs Gründe, warum der Fall Gamestop für Aktien- bzw. Fondsanleger letztlich belanglos ist – und die sollten Berater verunsicherten Kunden nicht vorenthalten. 

•  Erster Grund: Mit Fonds lässt sich in Aktien investieren und dabei Kapital gleichzeitig breit streuen. Die Anlageform ist, um Anleger zu schützen, stark reguliert. Die EU hat mit der OGAW-Richtlinie (englisch: UCITS) einen verbindlichen Rechtsrahmen für frei verkäufliche Investmentfonds geschaffen. Etwa dürfen Fonds nicht mehr als 10 Prozent des Fondsvermögens in Wertpapiere eines Herausgebers investieren. In der Praxis enthalten Fonds meist noch viel mehr Einzelwerte. Die Diversifikation ist also gewährleistet, die Auswirkungen der Kursentwicklung eines einzelnen Titels – und wären das Kapriolen à la Gamestop – sind allein dadurch begrenzt. 

•  Zweiter Grund: Fondsgesellschaften sind zur Rücknahme der Anteile verpflichtet. Dafür müssen sie in der Fondsverwaltung ständig Kapital bereithalten. Fondsanleger haben daher flexibel Zugriff auf ihr Geld. Anders als bei der Handelsbegrenzung durch die Neo-Broker im Aufreger-Beispiel. Abweichende, aber definierte Regelungen gelten lediglich bei Immobilienfonds.

•  Dritter Grund: Auch um die Liquidität und Handelbarkeit der Papiere innerhalb des Fonds müssen sich Anleger keine Sorgen machen. Erstens, weil Portfoliomanager in der Regel für sich bereits sinnvolle Grenzen für Mindestliquidität von Aktien (tägliches Handelsvolumen) definieren. Alle Titel entfallen aus dem investierbaren Universum, die diesem Kriterium nicht genügen. Zweitens, weil Kauf und Verkauf von Wertpapieren für Fondsmanager bzw. die zuständigen Makler (Broker/Dealer) wegen der ständigen Zu- und Abflüsse ohnehin tägliches Geschäft sind (siehe Grafik). Deshalb führen die Fondsgesellschaften strenge Due Diligence-Prüfungen bezüglich der eingesetzten Makler und der von ihnen genutzten Handelsplattformen durch, um sicherzustellen, dass Wertpapiere konstant gehandelt werden können. Zu einem Fondsinvestment gehört also immer eine hoch professionelle Infrastruktur. Kein Fondsmanager wird einfach eine Start-Up-Trading-Plattform „ausprobieren“.

Funktionsweise von Investmentfonds: ein professionelles System (Grafik als Download verfügbar)

Orderaufträge der Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) werden in der Regel von beauftragten, regelmäßig genutzten Maklern ausgeführt. Die Wertpapiere werden bei der Depotbank den Fondsanteilen des Anlegers als Sondervermögen gutgeschrieben, das allein dem Anleger zusteht. Alle professionellen Partner dieses Systems werden von der Fondsgesellschaft nach sorgfältiger Prüfung ausgewählt.

Quellen: BVI, FFB. Schematische Darstellung wesentlicher Funktionen

•  Vierter Grund: Die ganz große Masse der UCITS-Fonds geht keine kurzfristigen Wetten ein. Die Fonds verfolgen vielmehr eine langfristige Strategie. Diese ist auch in Veröffentlichungen wie etwa Factsheets zweifelsfrei dokumentiert und nachzulesen. Anleger können sich darauf verlassen. Manager von aktiven Fonds schauen sich zudem genau an, ob eine Anlage werthaltig und im Rahmen ihrer langfristigen Strategie für Anleger einen Mehrwert bringen kann.

•  Fünfter Grund: Dass eine so heftige Kursbeeinflussung überhaupt möglich war, liegt auch an der vergleichsweise geringen Marktkapitalisierung von Gamestop. Wiederholte Versuche von Leerverkäufern, beispielsweise den Tesla-Kurs zum Absturz zu bringen, blieben dagegen letztlich erfolglos. Ebenfalls scheiterte der jüngst kolportierte Versuch, den Silberpreis zu manipulieren.

•  Sechster Grund: Fonds werden streng überwacht. Hierzulande übernimmt das die BaFin. Auch im Fall Gamestop haben die Aufsichtsbehörden schnell reagiert, sogar Justizbehörden schalteten sich ein. So hat die für die amerikanischen Finanzmärkte zuständige SEC Untersuchungen angekündigt.4 Zusätzlich geht ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses den Turbulenzen nach.5 In Deutschland untersucht die BaFin die Handelsunterbrechung von Trade Republic. 

All das macht deutlich: Aktieninvestment in Investmentfonds vollzieht sich in transparenten, geregelten und regulierten Bahnen. Verstöße gegen Vorschriften werden entdeckt und geahndet. Anleger sollten sich vom rasanten Aufstieg (und Fall) der Gamestop-Aktie also nicht irritieren lassen. Die Medien hatten mal wieder für ein paar Tage, vielleicht auch wenigen Wochen, eine „Story“, aber mit der Realität des langfristig orientierten Anlegers hatte das nicht viel zu tun.

Daher sollten Anleger mit einer langfristigen Anlagestrategie, in der häufig Aktien ein unverzichtbarer Baustein sind, von spektakulären Geschichten wie die von Gamestop unbeeindruckt bleiben. Denn, was man dort beobachten konnte, war ein Zocken von kleinen (und größeren) Anlegern, die in der Hoffnung auf „schnelles Geld“ hoch riskante Wetten eingegangen sind. Eine langfristige Anlage in ein breit gestreutes Portfolio von Aktienfonds ist etwas ganz anderes. Und kann noch dazu attraktiv sein: Wer vor zehn Jahren global gestreute Aktien gekauft hat, kam (gemessen am MSCI World) auf ein Plus von gut 10 Prozent im Jahr – und das ganz ohne Zocken.6

Quellen:

1 boerse-online.de, 10.02.2021,
2 tagesschau.de 30.01.2021.
3 spiegel.de 04.02.2021.
4 FAZ, 05.02.2021.
5 spiegel.de 13.02.2021.
6 msci.com 29.01.2021.

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