Frühere Gewissheiten bei der Kapitalanlage werden zunehmend in Frage gestellt. Auf was ist noch Verlass? Investmentthemen, die mit der demografischen Entwicklung korrespondieren, könnten auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich sein.

Sind auch viele Ihrer Kunden durch die gegenwärtige wirtschaftliche und politische Weltlage verunsichert? Die aktuellen Ereignisse und Herausforderungen führen dazu, dass viele Anleger vermeintlich dauerhaft gültige Gewissheiten plötzlich hinterfragen: Nun doch rasch steigende Zinsen statt eines langsamen Anstiegs über einen längeren Zeitraum, hartnäckig hohe Inflation, die noch im letzten Jahr selbst von den Notenbanken als unwahrscheinlich, höchstens vorübergehend bezeichnet wurde, und ein gefährdetes Wirtschaftswachstum bzw. drohende Rezession sind der Grund für schwindendes Vertrauen der Anleger. 

Demografische Entwicklung ist gut prognostizierbar

Ein Blick auf die globale demografische Entwicklung kann in dieser Situation helfen, aussichtsreiche Investmentansätze und -strategien zu finden. So unberechenbar die Entscheidungen von Menschen, Gruppen oder Nationen sein mögen, so gut vorhersehbar sind viele der grundlegenden demografischen Entwicklungen und ihre Folgen. Das Wissen um die aktuelle Demografie, die heutigen Geburtenraten und künftigen Lebenserwartungen machen die Bevölkerungsentwicklung berechenbar. Die Fakten sind: In vielen Wirtschaftsregionen besteht heute eine „Überalterung“ der Gesellschaft bei gestiegener Lebenserwartung und die Jugend von heute ist die alternde Bevölkerung von morgen. Die Altersgruppe, die in 20 oder 30 Jahren den Konsum treiben wird, ist heute schon geboren und wird deutlich älter werden als bisherige Generationen. Aber es gibt deutliche Unterschiede in der Entwicklung verschiedener Weltregionen.

Prognose: Weltbevölkerung wächst rapide aber ungleichmäßig (Grafik auch als Download verfügbar)

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Weltbevölkerung in Mrd. nach Regionen. Schätzungen von 1950 bis 2022. Ab 2022 bis 2050 Projektionen mit 95%igem Konfidenzintervall
Quelle: UN DESA (Population Devision), 2022

Das Wachstum der Weltbevölkerung geht auf Jahrzehnte unvermindert weiter. Bis zum Jahr 2060 werden nach Prognosen der UN über 10 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Das dynamischste Wachstum der Bevölkerung wird dabei in Afrika erwartet. Asien ebenso wie Nordamerika und vor allem Europa werden sich dagegen stagnierenden, teils schrumpfenden und tendenziell älteren Gesellschaften zu stellen haben.

Investmentthemen: demografisch verwurzelt

Investmentthemen, zu deren Treibern vor allem die Demografie gehört, haben daher einen hohen „Plausibilitätsbonus“. Denn dieser Treiber wird höchst verlässlich über Jahrzehnte wirksam sein. Ob jede auf Demografie basierende Investmentidee wirklich Blüten treiben wird, ist damit allerdings noch nicht ausgemacht. Aber Unternehmen, die wesentliche Teile ihres Umsatzes im Bereich von Themen erzielen, die mit der Demografie korrespondieren, haben damit zumindest gute Voraussetzungen für eine gute Entwicklungsprognose. Drei Beispiele:

1. Gesundheit und Digitalisierung

Mit der wachsenden Weltbevölkerung gibt es immer mehr ältere Menschen, die häufigerer und besonderer medizinischer Dienstleistungen bedürfen.

„Sichere“ Prognose: Durchschnittsalter in Jahren / ausgewählte Länder (Grafik auch als Download verfügbar)

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Quelle: UN DESA (Population Division), Entwicklung des Durchschnittalters, 2022

Gerade in Gesellschaften mit niedriger Fertilitätsrate (Geburten pro Frau) dürfte das durchschnittliche Alter der Bevölkerung deutlich ansteigen. Das betrifft die USA ebenso wie Europa und China. Zu den Regionen mit höherer Fertilität gehören Schwellenländer in weiten Teilen Afrikas.

Für die Gesundheitsversorgung lassen sich global unterschiedliche Trends ablesen. So wachsen auch in Schwellenländern die Ansprüche an die medizinische Versorgung. Schwellen- und entwickelte Länder eint die Herausforderung, die Kosten für die Gesundheitsversorgung im Griff zu behalten und Gesundheitsdienstleistungen für immer mehr Menschen möglichst effizient zur Verfügung zu stellen. Digitalisierung im Gesundheitswesen von Analyse- und Diagnosemethoden (z. B. KI-gestützte Auswertung bildgebender Verfahren) bis zur digitalen Patientenakte kann wesentlich zu Effizienz- und Kostenvorteilen beitragen. Gleichzeitig wächst besonders in den durchschnittlich älteren Gesellschaften der entwickelten Wirtschaftsregionen weltweit die Nachfrage nach individualisierten Therapien, die sich auch nur mithilfe konsequenter Digitalisierung realisieren lassen.

2. Erneuerbare Energien

Immer mehr Menschen mit immer höheren Erwartungen an den eigenen Lebensstandard: Das bedeutet auch, dass unser Energiehunger immer weiter steigt – der aktuellen Energiekrise in Europa zum Trotz. Angesichts der nunmehr sehr offensichtlichen Bedrohung durch den Klimawandel kommt der nachhaltigen Erzeugung von Energie damit eine Schlüsselrolle zu. Erneuerbare Energien dürften damit auf Jahrzehnte ein stark wachstumstreibendes Thema bleiben.

Prognose (2050): Energiehunger der Weltbevölkerung wächst enorm (Grafik auch als Download verfügbar)

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Wachstumsraten von 2020 bis 2050.
Quelle: EIA, 2020

Im Themenbereich erneuerbare Energien können sich Unternehmen positionieren, die in wesentlichen Teilen ihres Geschäftsmodells zur Erzeugung, Speicherung und Distribution erneuerbarer Energien beitragen. Intelligente Netze, Smart Power-Lösungen und Infrastruktursicherheit sind Kernaspekte der Energieinfrastruktur von morgen.

3. Ernährung und Landwirtschaft

Eine wachsende Bevölkerung muss ernährt werden. Es wächst der Bedarf an hochwertigen Lebensmitteln. Deren nachhaltige Produktion ist eine wachsende Herausforderung, zumal die ackerbauflächen- und CO2-intensive Fleischproduktion zurzeit weltweit noch wächst (siehe Grafik).

Wachstum: Nachfrage nach Fleisch (Grafik auch als Download verfügbar)

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*Prognose.
Schlachtgewicht der Fleischproduktion weltweit pro Jahr in Millionen Tonnen.
Quelle: FAO, Matthias Janson, Der Fleischhunger der Welt (Statista GmbH), 2022

Angesichts der demografisch gestützt steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln, wird auch ein Umdenken und grundlegendes Umsteuern erforderlich sein. So hat das Europäische Parlament in diesem Jahr darauf hingewiesen, dass allein zwischen 1990 und 2020 eine Fläche größer als die EU durch Abholzung von Tropenwäldern verloren gingen – der EU-Verbrauch mache dabei rund 10% der Verluste aus. Gefordert wird, dass in der EU verkaufte Produkte nicht mehr von abgeholzten oder degradierten Wäldern stammen dürfen.

Investmentchancen können sich daher bei Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette von Produktion, Produktionsmaschinen (Ackerbautechnologie), Verarbeitung von Nahrungsmitteln und Handel/Logistik ergeben. 

Da durch den Klimawandel zugleich Anbauflächen global schrumpfen, kommt gerade unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten der Innovation im Bereich Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion enorme Bedeutung zu. Beispiele sind Entwicklungen im Vertical Farming zur intensiveren Nutzung von Flächen in klimatisch geeigneten Anbauregionen oder auch neue Möglichkeiten der Proteinproduktion für die wachsende Weltbevölkerung.

Was haben Anlegende davon?

Unternehmen, die in ihren wesentlichen Geschäftsfeldern von solchen Themen profitieren, haben bessere Voraussetzungen, auch zwischenzeitlich komplexe Krisen wie die derzeitige nicht nur zu überstehen, sondern vielleicht sogar gestärkt aus ihnen hervorzugehen – denn sie haben die Zukunft im Fokus!

Anlegende können sich solche aussichtsreiche Anlagethemen in spezialisierten Themenfonds oder Themen-ETFs erschließen. Wer unter dem Gesichtspunkt der Portfoliodiversifikation nicht zu sehr „auf ein Pferd“ setzen möchte, kann solche (Mega-)Trendthemen auch mit aktiv gemanagten Aktien- oder Multi-Asset-Fonds für sich nutzen, deren Manager bei der Schwerpunktsetzung den Einfluss von solchen Thementreibern bei der Titelauswahl berücksichtigen.

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