Wenn Regierungen ihren Bürgern das Investment in bestimmte Titel verbieten, kann das globale Folgen haben. Insbesondere im Fall der USA – Heimat der bedeutendsten Indexanbieter. Was müssen Berater heute dazu wissen? Welche Sorgen sind gerechtfertigt? Welche nicht?

Dass die Bundesregierung direkt in die DAX-Zusammensetzung eingreift oder die US-Regierung über die des S&P 500 bestimmt, ist unvorstellbar. Dennoch hat eine politische Entscheidung in den USA zuletzt Folgen für die Zusammensetzung wichtiger Indizes gehabt. Nach einem Erlass von US-Präsident Donald Trump vom 12. November 2020 dürfen US-Amerikaner seit dem 11. Januar nicht mehr mit Aktien chinesischer Unternehmen handeln, die für die chinesische Armee arbeiten. „Die Volksrepublik China nutzt immer mehr Kapital der Vereinigten Staaten zur Finanzierung der Entwicklung und Modernisierung seiner Militär-, Geheimdienst- und anderen Sicherheitsapparate“, heißt es in dem Erlass. Das ermögliche es China, die USA und die US-Streitkräfte in Übersee direkt zu bedrohen.1

Verboten für US-Anleger sind auf diese Weise bislang 35 Titel, viele davon sehr klein und für ausländische Investoren irrelevant. Doch auch die drei großen Telekommunikationsunternehmen China Mobile, China Telecom und China Unicom stehen auf der Liste, ebenso der Öl- und Gaskonzern Cnooc.2 Die New York Stock Exchange hat nach einigem Hin und Her am 6. Januar die drei chinesischen Telekom-Unternehmen vom Handel ausgeschlossen. 

Auswirkung auf deutsche Anleger über Indizes möglich

Für Anleger hierzulande kein Thema, weil ja nur US-Bürger vom Verbot betroffen sind? Nicht ganz. Denn auch die großen Indexanbieter haben reagiert. Etwa haben FTSE Russell und S&P Dow Jones betroffene chinesische Aktien aus ihren Indizes verbannt. Wichtiger noch ist der Ausschluss der Titel durch den Indexanbieter MSCI. Denn wer in Emerging Markets oder auch in China investieren will, kommt an MSCI kaum vorbei. 

Betroffen sind natürlich primär ETFs oder Indexfonds. Aber auch aktiv gemanagte Fonds vergleichen sich oft mit einer Index-Benchmark. Auch hier kann sich also eine veränderte Indexzusammensetzung auswirken. 

Folgen derzeit kaum wahrnehmbar

Zu den Unternehmen, die MSCI aus dem „Global Investable Market Index“ (GIMI) und einigen weiteren Indizes ausschließt, gehören China Railway Construction Corporation, China Communications Construction Company und der Spezialist für Überwachungskameras Hikvision. Die Folgen sind aber kaum spürbar. Denn der Anteil der gelöschten Werte in den Indizes ist sehr gering. Laut MSCI machen sie im MSCI ACWI IMI nur 0,04 Prozent und im MSCI EM IMI 0,28 Prozent aus.3

Anteil gelöschter China-Titel verschwindend gering (Grafik als Download verfügbar)

Quelle: msci.com, 14.12.2020/30.12.2020

Bisher sind Anleger hierzulande also kaum betroffen. Anders wäre es, wenn Trump, wie so mancher spekuliert hatte, die Liste ausgeweitet hätte auf Adressen wie Alibaba und Tencent. Ob Trump-Nachfolger Joe Biden den Ausschluss wieder rückgängig macht, ist indessen unklar.4 Die Lehren aus dem Beispiel des US-Banns für bestimmte China-Aktien müssen daher lauten: Politische Einflussnahme auf Indizes ist längst nicht mehr unvorstellbar. Berater sollten das Thema politischer Einflussnahme grundsätzlich im Auge behalten. 

Beachten, aber nicht überbewerten

Gleichzeitig ist klar: Chinas wirtschaftlicher Aufstieg geht weiter. Gesamt Asien wird – noch einmal angetrieben durch den offenbar erfolgreicheren Umgang mit der aktuellen Corona-Krise – eine neue Führungsrolle in der Weltwirtschaft und an den Märkten übernehmen. Als zusätzlicher Treiber dürfte sich das jüngst abgeschlossene Freihandelsabkommen RCEP Währungsfonds sagt allein für China ein Wirtschaftswachstum von 7,9 Prozent im Jahr 2021 voraus, nach immerhin 1,9 Prozent im Corona-Jahr 2020. In den Jahren bis 2025 werde sich das Wachstum zwischen 5,5 und 6 Prozent einpendeln.5 Begünstigt werden die Aussichten zudem durch einen US-Dollar, der angesichts einer weiter auf Niedrigzins setzenden Zentralbankpolitik

Chinesische Aktien – auf Aufholjagd
Chinesische Aktien nähern sich schwungvoll ihren Höchstständen von 2015

In Indizes kann nicht investiert werden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen. Darstellung indiziert zum 5. Januar 2011
Quelle: Refinitiv Datastream, Januar 2021

Asien und besonders auch China, dessen Aktien gerade erst wieder zu den Höchstständen von 2015 aufschließen, können daher durchaus sinnvolle Portfolioschwerpunkte sein. Eine stärkere Gewichtung entspräche auch dem hohen und dynamisch wachsenden Anteil der Region am globalen BIP. Die Analyse oben macht deutlich: Von Meldungen zum Verbot einzelner Aktien und nachfolgender Indexänderungen muss man sich dabei derzeit nicht abschrecken lassen. 

Quellen:
1 whitehouse.gov, 12.11.2020.
2 Wall Street Journal, 10.01.2021.
3 msci.com, per 14.12.2020.
4 Reuters.com 08.01.2021.
5 IMF, Oktober/Januar 2020.

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