Ein aktuelles Gutachten kommt zu einem alarmierenden Schluss: Die aktuelle negative reale Verzinsung festverzinslicher und als sicher geltender Anlagen ist keineswegs vorübergehend und wird sich weiter verschärfen. Wer vorsorgt, braucht daher Sachwerte.

„Vergesst die Idee, mit festverzinslichen Anlagen Eure Altersvorsorge bestreiten zu können, auch wenn diese traditionell als sicher gelten.“ Wer die Ergebnisse des Gutachtens „Perspektiven für Zinsentwicklung und Konsequenzen für die Immobilienmärkte“ des Instituts der deutschen Wirtschaft1 in eine Botschaft für die Vorsorgeplanung übersetzen wollte, käme zu dieser klaren Aussage. Die Autoren des Gutachtens erteilen nämlich der Hoffnung, dass sich die reale Verzinsung nach einem möglichen Abklingen der hohen Inflation in den nächsten Jahren wieder erholen könnte, eine klare Absage. Die Verzinsung solcher Anlagen nach Abzug der Inflation kennt nur eine Richtung – gen Süden.

Wer also für die eigene finanzielle Zukunft vorsorgt, muss entweder sehenden Auges den Kaufkraftverlust in Kauf nehmen, der an jedem heute zu Seite gelegten Euro in Zukunft nagen wird. Oder er muss sich nach Alternativen zu vermeintlich sicheren Anlagen umsehen. Aber der Reihe nach.

Zinsen von der Bank

Ewig scheint es her, dass Großmutters Sparstrumpf von „Sparen bei der Bank“ abgelöst wurde. Doch auch diese Sparform will als Vermögensaufbau inzwischen nicht mehr recht funktionieren (real negative Verzinsung führt zu Kaufkraftverlust). Das war lange nicht so. Selbst in vergangenen Zeiten hoher Inflation wie etwa Mitte der 1970er Jahre konnte man zum Beispiel für Bankeinlagen noch real positive Zinsen erwarten. So warfen Sparbriefe mit laufender Zinszahlung und vierjähriger Laufzeit selbst im Mai 1973 bei einer Inflation von über 7,5% noch immer real +0,62% ab.2

Als Folge der globalen Finanzkrise hat sich das Bild gewandelt. Seither ist ein Verfall der realen Verzinsung zu beobachten. Die Grafik macht deutlich, dass zunächst längere Laufzeiten von Einlagen bei Banken vor den negativen Auswirkungen des Kaufkraftverlustes schützen konnten – seit mehr als fünf Jahren ist das zunehmend nicht mehr der Fall.

Im Abwärtstrend: Realzinssätze deutscher Banken (Neugeschäft) (Grafik auch zum Download verfügbar)

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Quelle: Deutsche Bundesbank; Darstellung: FFB

Langfristige Realzinsentwicklungen: Doch nicht zyklisch?

Das Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft zur Realzinsentwicklung hält sich nicht mit Zinsen auf Bankeinlagen auf, sondern betrachtet allgemein die Verzinsung als sicher geltender Anlagen, typischerweise Staatsanleihen. Es sind die Zinsen solcher Anlagen, die letztlich auch bestimmen, wie Einlagen bei Banken oder Versicherungen verzinst werden können.

Reale Renditen von Staatsanleihen (23 OECD-Länder) (Grafik auch zum Download verfügbar)

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Renditen auf Staatsanleihen mit 10 Jahren Restlaufzeit abzüglich der Inflationsrate in Prozent pro Jahr. Quellen: OECD / Berechnungen von Demary, Markus / Voigtländer, Michael/ Zdrzalek, Jonas, 2023, Perspektiven für die Zinsentwicklung und Konsequenzen für die Immobilienmärkte, Gutachten im Auftrag der HANSAINVEST Real Assets GmbH, Köln.

Während sich hier die Folgen von Inflation und Leitzinsanhebung in den 1970ern deutlich zeigen, ist seit dem Beginn der 1980er Jahre ein kontinuierlicher Verfall zu beobachten. Die Autoren des Gutachtens stellen sich auch klar gegen jede Hoffnung, dass der Realzins auf absehbare Zeit zyklisch in den positiven Bereich zurückkommen könnte. Als wichtigsten Treiber dieser Negativspirale machen sie die demografische Entwicklung aus. Diese ist ebenso klar vorhersehbar wie unerbittlich. Mit einem immer höheren Anteil an älteren Menschen, steigt die Nachfrage nach sicheren Kapitalanlagen, da diese für ihr Alter vorsorgen wollen. Gleichzeitig sinkt mit einem geringeren Bevölkerungswachstum der Investitionsbedarf von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand (es muss weniger in Herstellungsanlagen und zum Beispiel Infrastruktur investiert werden). Damit steht eine wachsende Nachfrage nach sicheren Anlagen ein über lange Zeiträume sinkendes Angebot gegenüber. Der von den Autoren des Gutachtens berechnete Effekt: Steigende Nachfrage bei sinkendem Angebot bedeutet, dass Emittenten immer weniger Zinsen zu zahlen bereit sein werden.

Realzinsprognosen (ausgewählte OECD-Länder) (Grafik auch zum Download verfügbar)

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Quelle: Berechnungen von Demary, Markus / Voigtländer, Michael/ Zdrzalek, Jonas, 2023, Perspektiven für die Zinsentwicklung und Konsequenzen für die Immobilienmärkte, Gutachten im Auftrag der HANSAINVEST Real Assets GmbH, Köln.

Den Einwand, dass gerade die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise doch enorme Investitionen bedeute, entkräften die Gutachter. „Schätzungen zu den notwendigen Infrastrukturinvestitionen zeigen, dass diese in Höhe von 7,9 Prozent des BIP stattfinden müssen, um den Klimawandel zu stoppen. Selbst bei Unterstellung dieses hohen Volumens an Infrastrukturinvestitionen zeigt sich immer noch ein dominanter negativer Zinstrend, der durch den demografischen Wandel getrieben wird.“3

Die Konsequenzen für alle, die finanziell vorsorgen

Der Ausweg aus der „Realzinsfalle“ wird von den Autoren des Gutachtens klar gewiesen: Investition in Sachwerte. Dazu gehören neben Immobilien (aus deren Vermietung sich mit der Inflation steigende Einnahmen generieren lassen) auch Aktien von Unternehmen. Erfolgreiche Unternehmen werden in allen – auch inflationären – Umfeldern Preise durchsetzen und Gewinne erwirtschaften, was den Erwerb von Unternehmensanteilen attraktiv macht und Aktienkurse entsprechend steigen lässt. So die dahinterstehende Überlegung.

Ohne Sachwertinvestment lassen sich also Vorsorgeziele künftig kaum erreichen. Fonds bieten die wohl am besten regulierte Möglichkeit, in Sachwerte wie Immobilien und insbesondere Aktien zu investieren. Auch mit kleineren Anlagebeträgen. Durch die breite Streuung der Anlagen im Fonds treten individuelle Risiken beim Investment in einzelne Titel weitgehend in den Hintergrund. Mit Schwankungen müssen langfristig vorsorgende Anlegerinnen und Anleger allerdings leben und umgehen können. Denn die Alternative ist, planmäßige Kaufkraftvernichtung und das Nicht-Erreichen der eigenen Vorsorgeziele in Kauf zu nehmen.

Quellen:

Demary, Markus / Voigtländer, Michael/ Zdrzalek, Jonas, 2023, Perspektiven für die Zinsentwicklung und Konsequenzen für die Immobilienmärkte, Gutachten im Auftrag der HANSAINVEST Real Assets GmbH, Köln.
Deutsche Bundesbank
Demary, Markus / Voigtländer, Michael/ Zdrzalek, Jonas, 2023, Perspektiven für die Zinsentwicklung und Konsequenzen für die Immobilienmärkte, Gutachten im Auftrag der HANSAINVEST Real Assets GmbH, Köln. Seite 28

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