Mit milliardenschweren Paketen versuchen Staaten weltweit, die Folgen der COVID-19-Pandemie abzufedern. Ihre Rolle wird damit für die Wirtschaft wichtiger. Eine neue Ära ist angebrochen – die auch für Anleger einiges an Veränderungen bringt. Lesedauer 3 – 4 Min.

„Der Staat ist ein schlechter Unternehmer“ – nicht nur in Deutschland war das lange Zeit die vorherrschende Überzeugung. Doch schon mit der Finanzkrise ist die Vorstellung, dass der Staat für die Wirtschaft nur Rahmenbedingungen zu liefern hat und sich ansonsten zurückhält, in die Defensive geraten. Banken mussten mit viel Geld gestützt werden. Dabei waren viele große Namen der Branche: hierzulande etwa Commerzbank und HRE, anderswo in Europa ING, UBS, BNP Paribas und Société Générale und in den USA Bank of America, JP Morgan, Citi, Goldman Sachs und Morgan Stanley.1

In den vergangenen Jahren hat die Tatsache, dass der chinesische Staat in der dortigen Wirtschaft deutlich mitmischt, dem Umdenken Vorschub geleistet. Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte daher im Februar 2019 in einem Papier zur Industriepolitik fest: „In manchen Fällen reicht die Summe der betriebswirtschaftlichen Einzelentscheidungen der Unternehmen nicht aus, um globale Kräfte­ und Wohlstandsverschiebungen auszugleichen oder zu verhindern. In diesen Fällen findet aktivierende, fördernde und schützende Industriepolitik ihre Berechtigung.“2

Staatliche Hilfspakete: ein globaler Standard?

Mit der Corona-Krise hat sich die Tendenz in Richtung mehr Staat nochmals verstärkt (mehr Details). Dass der Bund der Lufthansa mit neun Milliarden Euro unter die Arme greift: kein Thema. Mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) gewährt die Bundesregierung in historisch einmaligem Ausmaß großen Unternehmen Hilfen in Form von Garantien und Eigenkapitalspritzen. „Der WSF richtet sich an Unternehmen der Realwirtschaft, deren Bestandsgefährdung erhebliche Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort oder den Arbeitsmarkt in Deutschland hätte“, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium. In Frage kommen damit also alle großen Unternehmen hierzulande. Dazu stellt die KfW in unbegrenztem Volumen verschiedene Kreditprogramme bereit, vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen. Die Bundesregierung spricht vom „größten Hilfspaket in der Geschichte der Bundesrepublik.“

Konjunkturförderung: USA vorn, Schwellenländer auf den Plätzen (Grafik als Download verfügbar)
Haushaltsfinanzierte Konjunkturmaßnahmen* in der Corona-Krise

* Konjunkturmaßnahmen seit Beginn der Krise, die zu höheren Staatsausgaben oder niedrigeren Steuereinnahmen führten
** Erwartete Lockerung; Quelle: Goldman Sachs, 15. Juni 2020

Deutschland steht mit seinen Rettungsmaßnahmen für Unternehmen nicht alleine da: Etwa stützt Italien seine Fluggesellschaft Alitalia mit drei Milliarden Euro. Frankreich hat seinem Autobauer Renault einen staatlich verbürgten Kredit über fünf Milliarden Euro gewährt, Air France-KLM eine Kreditbürgschaft über vier Milliarden und einen Staatskredit über drei Milliarden Euro. Spanien hat der Wirtschaft staatlich garantierte Kredite in Höhe von 100 Milliarden Euro zugesichert.3 Am schnellsten und gemessen am BIP am großzügigsten greifen die USA ihrer Konjunktur unter die Arme (s. Grafik). 

Mächtiger Staat: Die neue Ära?

Krisen waren schon immer Umbruchzeiten. Die Finanzkrise markierte den Beginn einer neuen Ära mit niedrigen Zinsen, niedrigem Wachstum und großer Macht der Zentralbanken. Die COVID-19-Krise dürfte ebenfalls eine Zäsur sein: Mehr Staatsinterventionen, weniger Sparen und auch ein nochmals ausgeweitetes Instrumentarium der internationalen Notenbanken dürften die nächste Ära prägen. 

Für die Wirtschaft bedeutet der größere Einfluss des Staates zunächst eine stärkere Kontrolle. Etwa wird die Vergütung von Managern wohl intensiver beobachtet, Aktienrückkäufe anstelle von Investitionen dürften schwieriger werden. Bei der Regulierung stehen die Zeichen ebenfalls auf Verstärkung. Selbst Verstaatlichungen sind nicht mehr tabu, vor allem in der Luftfahrtbranche. Mit stärkerem Einfluss des Staates ist auch zur Vermeidung von Engpässen bei der Akutversorgung und den Lieferketten von Gesundheitsgütern zu rechnen. Hält die Rezession länger an, könnten Staaten in die Infrastruktur- und Gesundheitsbranche und eventuell auch die Lebensmittelversorgung und sowie Basisgüterbranche noch deutlicher als bisher eingreifen. Mehr Regulierung ist – unabhängig von COVID-19 – auch in der Tech-Branche wahrscheinlich. 

Das Fazit: Der Staat in seiner neuen Rolle verändert die Wirtschaftsordnung der Welt. Sein stärkerer Einfluss wird sich aber nicht pauschal negativ auf die Wirtschaft und insbesondere einzelne Unternehmen auswirken. Wem es gelingt, sich besser als andere an die neu entstehenden Rahmenbedingungen anzupassen, auf den warten besondere Chancen.

Fundmentale Analysen nochmals wichtiger

Für Anleger und ihre Berater heißt das: Der wachsende staatliche Einfluss dürfte auch nach der Krise für weitere Umbrüche und Veränderungen sorgen. Einige Unternehmen könnten zerschlagen und ihre Marktmacht geschmälert, mindestens aber schärfer reguliert werden. Andere Unternehmen werden von staatlichen Investitionsprogrammen und von den neuen regulatorischen Rahmenbedingungen, die auch Sicherheit geben, profitieren. Branchen wie die Pharma- und Gesundheitsbranche und die Lebensmittelversorgung könnten durch mehr staatliche Interventionen aus Anlegersicht in Zukunft eher einen Versorgercharakter aufweisen – als defensive, konjunkturunabhängige Anlagen. Die staatliche Macht hat aber auch Grenzen: So dürften trotz der Milliarden-Programme die Tourismusbranche und der Flugverkehr sowie der stationäre Einzelhandel weiter unter den Pandemiefolgen leiden. 

Letztlich wird die Entwicklung einzelner Unternehmen und Branchen, aber auch Regionen, sehr unterschiedlich verlaufen. Dadurch werden detaillierte Unternehmensanalysen nochmals wichtiger. Aktiv gemanagte Fonds können darauf mit flexibler Titelauswahl reagieren. Sie können so helfen, in der neuen Ära des starken Staates Anlegerrisiken zu reduzieren und Chancen besser zu nutzen.

1 The Banker, Januar 2010
2 BMWi, Nationale Industriestrategie 2030, Februar 2019
3 Handelsblatt, 28.05.2020
 

Wichtige Information: Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketing-Information. Die FIL Fondsbank GmbH (FFB) veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlung/Anlageberatung. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Alle geäußerten Meinungen sind, falls keine anderen Quellen genannt werden, die der FFB. Diese Informationen dürfen - mit Ausnahme der zum Download bereitgestellten Dokumente und Grafiken - ohne vorherige Erlaubnis weder reproduziert noch veröffentlicht werden. Fidelity, Fidelity International steht für FIL Limited (FIL) und ihre jeweiligen Tochtergesellschaften. Fidelity, Fidelity International, das FFB Logo und das F Symbol sind Marken von FIL Limited und werden mit deren Zustimmung verwendet. Möchten Sie in Zukunft keine weiteren Werbemitteilungen von uns erhalten, bitten wir Sie um Ihre schriftliche Mitteilung an den Herausgeber dieser Unterlage. Herausgeber: FIL Fondsbank GmbH, Postfach 11 06 63, 60041 Frankfurt am Main. Stand: 09.2020

MK11571

Strategien für Ihre Kundenportfolios:

So starten Unternehmen aus der Krise

Exklusive Einblicke unserer Analysten


Fidelity

Fidelity

Experten-Gastbeitrag

Corporates aus Schwellenländern trotzen Corona-Pandemie

Die US-Wahlentscheidung und die Impfstoffentwicklung gegen COVID-19 haben Unt…


MainFirst

MainFirst

Experten-Gastbeitrag

Warum Anleger in Europa jetzt die besten Aussichten finden

Impfungen bringen die Wende in Europa: Die Kluft zwischen Value- und Growth-…


MainFirst

MainFirst

Experten-Gastbeitrag