Mit der neuen Strategie der US-Notenbank wird das Nullzinsumfeld nun endgültig zementiert. Langfristig könnten Inflationsrisiken steigen – auch in Europa. Anleger und ihre Berater sollten sich darauf einstellen. Lesedauer 3 - 4 Min.

Immer neue Entwicklungen der Corona-Pandemie und ergriffener Maßnahmen, das enge Rennen zwischen Trump und Biden im US-Wahlkampf, der wieder heftigere Zwist zwischen Trump und Chinas Staatschef Jinping, der Streit um die Nachfolge der Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg – bei all den Nachrichten aus den USA der letzten Wochen ging eine fast unter: Die US-Notenbank Fed hat Ende August einen grundlegenden geldpolitischen Schwenk angekündigt.

Bisher war ihr Ziel das „Inflation Targeting“, also das Anpeilen einer Inflationsrate, konkret 2 Prozent. Nach dem neuen Modell „Average Inflation Targeting" will die Fed, wie sie auf ihrer Konferenz in Jackson Hole verkündete, über einen gewissen Zeitraum auch höhere Inflationsraten tolerieren. Sie orientiert sich eben an der durchschnittlichen Inflation. Damit sollen vorherige Phasen mit niedriger Inflation in die Inflationszielberechnung mit einbezogen werden – und die müssten von einer nachfolgend höheren Inflation erst einmal ausgeglichen werden. Marktbeobachter sprechen von einem historischen Strategiewechsel.

Der hat Folgen: Da die Inflation in den USA zuletzt deutlich unter zwei Prozent lag (siehe Grafik), wird an den Märkten nun erwartet, dass die US-Notenbank schon in naher Zukunft eine höhere Inflation akzeptieren wird. In jedem Fall dürfte der Druck auf die Fed, bei möglicherweise anziehender Inflation mit einer Zinserhöhung gegenzusteuern, noch deutlich geringer geworden sein. Selbst dann, wenn einmal nach Corona ein Aufschwung einsetzen sollte und die Preise steigen.

Inflationsrate USA von August 2018 bis August 2020 (Grafik als Download verfügbar)

Quelle: Bureau of Labor Statistics, USA, September 2020.

„Lower for longer“ wird „Lower forever”?

Auch ansonsten wurden Hoffnungen auf nennenswerte Zinsen zunichte gemacht. Auf ihrer Notenbanksitzung Mitte September kündigte die Fed an, die Zinsen bis Ende 2023 auf null zu halten. Und vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses wenige Tage später nutzte Fed-Chef Jerome Powell Worte, die stark an Mario Draghis „Whatever-it-takes" von 2012 erinnerten: „We will do what we can, as long as it takes“.1

Noch ist Inflation zwar kein Thema. In der Eurozone ist die Inflation im August sogar auf minus 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen. Das heißt, die Preise waren niedriger als im August 2019. Schon seit März liegt die Inflationsrate unter 1 Prozent2. Auch in den USA gibt es von inflationären Tendenzen bislang keine Spur, manche Experten sehen aktuell sogar Deflationsrisiken.

Mittelfristig bis langfristig ist aber – nicht nur in den USA – ein deutlicher Anstieg nicht unwahrscheinlich. Dafür gibt es einige Gründe: die massiven Konsumanreize durch die Corona-Konjunkturprogramme, die zum Teil noch immer unterbrochenen Lieferketten mit der Folge einer Angebotsverknappung und – auf längere Sicht – die Renationalisierung einiger Industrien sowie den wachsenden Einfluss von Staaten auf die Wirtschaft durch zunehmende Regulierung. Und eben eine Geldpolitik, die nochmals expansiver ist. So ist die breit gefasste Geldmenge M3 im Juli dieses Jahres gegenüber dem Vorjahresmonat um 10,2 Prozent gestiegen – das war immerhin die höchste Rate seit Mai 2008.3

Zinsen eher nicht, Inflation vielleicht

Für Anleger und ihre Berater heißt das: Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Zinsen werden auf nochmals längere Sicht im Nullbereich verharren. Zieht die Inflation an, könnten die Realzinsen sogar weiter ins Negative rutschen. Die Suche nach Rendite wird damit abermals komplizierter. 

Ausweg Aktien also? Das Einstiegsniveau ist pauschal nicht mehr so interessant wie nach den Kurseinbrüchen im Frühjahr. Value-Aktien, die in den vergangenen Jahren im Schatten der Growth-Aktien (vor allem konzentriert auf wenige Titel aus der Technologiebranche) standen, könnten aber nun nachziehen. Chancen könnten auch Aktien von Unternehmen bieten, die von der Krise profitieren: aus dem Pharma-, Gesundheits- oder E-Commerce-Bereich etwa. Anlageprodukte oder Portfoliokonstruktionen, die ein selektives Vorgehen ermöglichen, dürften jedenfalls die Lösungsangebote der Wahl sein.

Hohe Schwankungen, schwacher Dollar?

Der US-Dollar dürfte durch die neue geldpolitische Strategie der Fed tendenziell eher geschwächt werden. Wenn das eintritt, hätten Euroanleger Währungsnachteile in den USA und generell bei US-Dollar-Anlagen. Anleger und Berater sollten sich außerdem auf weiter unruhige Zeiten einstellen mit entsprechend hoher Volatilität an den Märkten. Die Post-Corona-Welt mit ihren neuen Strukturen muss sich erst noch etablieren. 

Steigt die Inflation allerdings irgendwann dauerhaft, dürften die Notenbanken früher oder später auch nicht umhinkommen, die Zinsen hochzusetzen. Anleger müssen also auf lange Sicht flexibel bleiben und ihr Portfolio immer wieder den neuen Umständen anpassen. Neue Wege sind nicht nur für Notenbanken, sondern auch für Anleger immer gefragt.

1 Quelle: Manager-Magazin, 22.09.2020
2 Quelle: Eurostat, September 2020
3 dpa, 28.08.2020

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