Wie Sie Inflation einschätzen, hat bedeutenden Einfluss auf die Ausrichtung Ihrer Kundenportfolios. Welche Rolle spielen Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Alternatives? Carsten Roemheld mit einem Überblick über fünf wichtige Stellschrauben im Portfolio.

Angesichts der anhaltenden ultralockeren Geldpolitik der wichtigen Zentralbanken in aller Welt erwarten viele Experten einen Anstieg der Inflation, die seit Jahren als vernachlässigbar und historisch niedrig galt. Unterschiedliche kurz- bis langfristige Treiber könnten dafür verantwortlich werden: von einem Konsumnachholeffekt nach einer (irgendwann) bevorstehenden Aufhebung der Corona-Beschränkungen bis zu einer teilweisen „Rückabwicklung“ der grundsätzlich preisdämpfenden Globalisierung. Mehr dazu hier.

Unabhängig davon, welche Begründungen man im Einzelnen überzeugend findet oder tatsächlich für einen Inflationsanstieg verantwortlich sein werden, ist eines klar: Weltweit wird sich das ökonomische Umfeld für Inflation weiterentwickeln. Wer einen Inflationsanstieg für realistisch hält und seine Anlegerkunden darauf vorbereiten möchte, sollte die Portfolios seiner Kunden rechtzeitig kritisch überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Dabei gilt es, alle zur Verfügung stehenden Anlageklassen auf ihre Widerstandskraft gegen Inflation zu überprüfen. Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld beleuchtet, wie die folgenden Anlageklassen wahrscheinlich auf einen spürbaren Inflationsanstieg reagieren werden:

1. Staatsanleihen und Geldmarktpapiere: feste Zinskupons unter Druck

Eine Teuerung schmälert den Wert fester Zinskupons. In einem reflationären Umfeld werden Anleger daher mit Anlagen in Staatsanleihen und Tagesgeld vermutlich inflationsbereinigt Kapital vernichten. Diese beiden Anlageklassen sind somit unter Berücksichtigung der Inflation keine sicheren Vermögensanlagen mehr. Anleger werden sie deshalb massiv verkaufen und ihr Vermögen in andere Anlageklassen umschichten.

Eine für Anleger überlegenswerte Alternative sind Staatsanleihen mit eingebautem Schutz vor Geldentwertung, sogenannte inflationsgeschützte Anleihen. Ihre Verzinsung ist an ein Inflationsbarometer wie zum Beispiel die Verbraucherpreise gekoppelt. Folglich steigt ihr Kapitalwert parallel zur Inflation, und der Zinskupon variiert entsprechend dem angepassten Kapitalwert der Anleihe. Steigen die Inflationserwartungen, steigt tendenziell auch der Wert inflationsgeschützter Anleihen. In einem diversifizierten Portfolio sorgen sie daher für eine wertvolle Absicherung gegen künftige Preissteigerungen. Wir halten Inflationsanleihen im aktuellen Umfeld für werthaltig, selbst wenn es dauern sollte, bis die Teuerungsrate wieder spürbar anzieht.

Inflation und Asset Allocation (Grafik als Download verfügbar)

Unterschiedliche Anlageklassen bieten sich zur Absicherung gegen unterschiedlich starke Inflations-/Deflationsphasen an

Quelle: FFB, 2020.

2. Aktien: von Inflation weitgehend unbeeindruckt

Aktien zeigen sich im Allgemeinen von einer moderaten Inflation unbeeindruckt. Meist steigen die Gewinne im Gleichklang mit der Inflation, da die Unternehmen höhere Preise an ihre Kunden weiterreichen. Idealerweise sollten Anleger daher Aktien von Unternehmen und aus Branchen halten, die über starke Preissetzungsmacht verfügen, sodass sie Preiserhöhungen weitergeben können. Dabei können auch Geschäftsfelder mit hohen Markteintrittsbarrieren hilfreich sein, die den Wettbewerbsdruck vermindern. Aktien von Firmen, deren Geschäftsergebnis von Rohstoff- und Energiepreisen abhängig ist (etwa weil sie mit Energie oder Rohstoffen handeln oder diese an den Markt bringen), können sich ebenfalls gut entwickeln, wenn ein Wiederanstieg der Rohstoffpreise eine Komponente des allgemeinen Preisauftriebs ist. Substanzaktien schneiden in einem Umfeld mit beschleunigter Inflation besser ab als Wachstumstitel. Letzteren kommt dagegen tendenziell ein Umfeld mit geringer Teuerung und niedrigen Renditen zugute.

3. Unternehmensanleihen: Hochzinsanleihen bei wachsender Wirtschaft im Vorteil

Zieht die Inflation an, begünstigt das in der Regel Hochzinsanleihen im Gegensatz zu Investment-Grade-Anleihen. Und dies vor allem dann, wenn zugleich mit stärkerem Wirtschaftswachstum gerechnet wird. Bei solchen Rahmenbedingungen zahlen sich eine kurze Duration sowie ein Fokus auf Bereiche mit solidem Wachstum aus.

4. Rohstoffe und Gold: Optionen gegen Inflationseinflüsse

Rohstoffe sind reale Vermögenswerte, die sich im Allgemeinen überdurchschnittlich entwickeln, wenn die Preise auf breiter Front steigen. Vor allem Anlagen in Öl sind tendenziell ein guter Inflationsschutz. Auch Gold gewinnt meist an Wert, wenn die Inflationserwartungen nach oben gehen und die Realrenditen fallen, was gerade der Fall ist. Da Anleger aber bereits wieder steigende Zinserwartungen einpreisen, geht es auch bei den Realzinsen wieder nach oben. Das wiederum veranlasst Anleger, sich anderen konjunkturempfindlicheren Rohstoffen wie Öl und Industriemetallen zuzuwenden.

5. Alternative Anlagen: gemischte Aussichten

Alternative Investments sind eine sehr heterogene Anlageklasse. Einige von ihnen bieten aber durchaus Schutz vor Geldentwertung. Immobilien gelten als gute Möglichkeit, sich gegen steigenden Preisauftrieb zu wappnen. Tatsächlich korrelieren sie jedoch in der Regel stärker mit dem Wirtschaftswachstum. Gegenwärtig ist die Immobilienbranche mit strukturellen Trends konfrontiert, die sich gerade beschleunigen und die Preisdynamik in Teilbranchen verändern könnten. Anleger müssen daher bei ihren Überlegungen auch berücksichtigen, wie nachhaltig aktuelle Mieteinnahmen sind. Ein aktiver Ansatz bei Immobilienanlagen ist daher ratsam.

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