40 Jahre ist es her, dass die USA Inflationsraten wie heute gesehen haben. Hierzulande immerhin 30. Nur wenige erinnern sich, wie das war – was müssen Anleger jetzt wissen über die Auswirkung von Inflation auf Wirtschaft und die Kapitalmärkte?

Zu Ronald Reagan dürfte vielen Anlegern, die ihren Beratern heute gegenübersitzen, nicht viel einfallen: US-Präsident, Ex-Schauspieler, harter Liberalisierungskurs – allenfalls. Viele haben an Reagans Regierungszeit von 1981 bis 1989 nur vage Erinnerungen. So lange ist es aber auch her (1982!), dass die US-Inflation auf einem höheren Niveau war als die nun im Dezember 2021 gegenüber dem Vorjahresmonat erreichten 7 Prozent.1 Hierzulande ist die Inflation im Dezember auf 5,2 Prozent geklettert. Das markiert den höchsten Stand immerhin seit 1992.2 Inflation kennen viele Anleger somit eher vom Hörensagen oder als „alte Geschichte“. Berater sind also einmal mehr gefragt, ein paar grundlegende Dinge zu klären, um ihren Kunden vermeidbare Unsicherheiten zu ersparen.

Eines scheint gewiss: keine Hyperinflation

Inflation ist nicht gleich Hyperinflation. Seriöse Ökonomen erwarten keine Raten von 10, 20 oder 30 Prozent. So rechnet etwa die Bundesbank, die den Kurs der EZB durchaus kritisch beäugt, noch mit einem Anstieg der Jahresinflationsrate in Deutschland von 3,1 Prozent in 2021 auf 3,6 Prozent in 2022. Dann werde es aber einen Rückgang auf 2,2 Prozent in den Jahren 2023 und 2024 geben.3

Projektion der Bundesbank (Dezember 2021)
Harmonisierter Verbraucherpreisindex (Veränderung ggü. Vorjahr in %)

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Quelle: Statistisches Bundesamt. Jahreswerte für 2021 bis 2024
eigene Projektionen der Deutschen Bundesbank. Stand Dezember 2021.

Erhöhte Inflationsraten: Was sie bedeuten

Dennoch sind 3,1, 3,6 und selbst 2,2 Prozent ein Bruch mit den seit der Finanzkrise zu beobachtenden niedrigeren Raten von fast immer unter 2 Prozent, oft sogar unter 1 Prozent in Deutschland.4 Dieser „Regimewechsel“, also ein dauerhafter Übergang von niedrigen zu höheren Inflationsraten, hätte deutliche Folgen für Verbraucher, Unternehmen, Sparer und Kapitalmärkte. Hier die wichtigsten:

Die üblichen systematischen Folgen höherer Inflation (Grafik als Download verfügbar)
Eine Orientierung für Anleger und Sparer in Zeiten erhöhter Inflationsraten

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Quelle: FFB. Darstellung von grundlegenden Inflationsauswirkungen zur Illustration. Anlageempfehlungen werden nicht erteilt und sollten hieraus nicht abgeleitet werden.

Interessant bleibt zu beobachten, wie Zweitrundeneffekte Einfluss auf ein strukturell erhöhtes Inflationsniveau nehmen. Denn klar ist, dass die in der Tabelle aufgeschlüsselten Einflussfaktoren einander gegenseitig beeinflussen. Gerade das Zusammenspiel von höheren Preisen und Löhnen (Lohn-Preis-Spirale) haben Experten immer im Blick. Denn wenn die Lohnforderungen und Löhne steigen, weil Arbeitnehmer durch die Verbraucherpreisinflation mehr Geld für den Konsum aufwenden müssen, hat das Auswirkungen auf die Unternehmen. Diese werden versuchen, die höheren Lohnkosten ihrerseits weiterzugeben, was wieder zu einem weiteren Anstieg der Verbraucherpreise führt usw., usw.

Höhere Leitzinsen

Eine wichtige Frage ist aber auch, welche Maßnahmen die erhöhten Inflationsraten bei den Notenbanken auslösen. Historisch betrachtet ist die Reaktion der Notenbanken auf anhaltende Inflation die Straffung der Geldpolitik: über eine Erhöhung der Leitzinsen und/oder gerade in der heutigen Situation „QT“, also „Quantitative Tightening“ (Reduzierung der Anleihekäufe/Abschmelzen der Anleihebestände).

Das Wechselspiel zwischen Inflation und höheren Zinsen zeigt unterschiedliche Auswirkungen auf die Akteure im Wirtschaftssystem: Bei den Unternehmen etwa muss genau hingesehen werden, ob die Inflation ihre Schuldenlast erleichtert oder ob auf der anderen Seite die steigenden Zinsen zur Gefahr für die Gewinne und in der Folge die Investitionskraft und somit Zukunftssicherheit werden.

Die üblichen systematischen Folgen steigender Zinsen (Grafik als Download verfügbar)
Eine Orientierung für Anleger und Sparer in Zeiten steigender Zinsen

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Quelle: FFB. Darstellung von grundlegenden Auswirkung steigender Zinsen zur Illustration. Anlageempfehlungen werden nicht erteilt und sollten hieraus nicht abgeleitet werden.

Und die Konsequenzen für Anleger?

Was Aktien angeht, ist ein selektives Vorgehen mit Fokus auf Qualität und Unternehmenssubstanz wichtiger denn je. Denn die aktuell hohe Dynamik der Gewinnentwicklung vieler Unternehmen könnte mit höheren Inflationsraten und steigenden Zinsen nachlassen. Mit im Vergleich zu Europa höheren US-Zinsen könnten zudem europäische Aktien – die eben weniger Konkurrenz vom Anleihenmarkt bekommen und deren Bewertung auch noch nicht so hoch ist – im Vorteil sein. Europas Wirtschaft könnte auch vom (wegen höherer Zinsen) starken US-Dollar profitieren, der Exporte erleichtern würde. Anleiheinvestments bleiben schwierig, die regionalen Unterschiede wachsen, viel Know-how ist gefragt. Wie sich Anleger mit ihren Portfolios auf höhere Preissteigerungsraten einstellen können, lesen Sie hier.

Übrigens: Noch während der Regierungszeit Reagans ging die Inflation wieder deutlich zurück, bis auf unter 2 Prozent 1986.5 Auch in Deutschland folgten nach den 4,5 Prozent im Jahr 1993 deutliche Rückgänge auf 2,6, 1,8 und 1,3 Prozent.6 Ob die Geschichte sich wiederholt, weiß man nicht. Die Zentralbanken in den USA und Großbritannien scheinen jedenfalls entschlossen, gegen die Inflation vorzugehen. Die Rückbesinnung auf die Reagan-Jahre könnte daher zumindest ein Hinweis sein, die möglichen Auswirkungen einer erhöhten Inflationsrate zwar ernst zu nehmen und das eigene Portfolio entsprechend auszurichten, aber heute nicht in Panik zu verfallen.

Quellen:

1Tagesschau, 12.01.2022.
2Statistisches Bundesamt, Januar 2022.
3Handelsblatt, 17.12.2021. 
4Statistisches Bundesamt, Januar 2022.
5IMF, Oktober 2021.
6Statistisches Bundesamt, Januar 2022.

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