Sorgen um die Wirtschaft, politische Unwägbarkeiten – all das kann Anleger heute verunsichern. Mehr denn je brauchen sie daher langfristige Orientierung. Der Megatrend Demografie bietet genau das. Denn er ist langfristig zuverlässig vorhersehbar. Lesedauer 4 – 5 Min.

Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich in allen Weltregionen von der Corona-Krise und den ergriffenen Maßnahmen beeindruckt. Die politischen Spannungen in der Welt nehmen zu. Berater können die Verunsicherung bei ihren Anlegerkunden mit Händen greifen.

In diesen Zeiten geht es darum, Perspektiven aufzuzeigen, die über den Tag und über die Krise und ihre Bewältigung hinausgehen. Und die gibt es. Die Prognosen zum langfristigen Bevölkerungswachstum und demografischen Struktur sind verlässlich.

Die demografische Entwicklung vollzieht sich über Jahrzehnte und ist gut vorhersehbar. Die Konsumenten von morgen sind schon geboren, ihre Kinder sind die Konsumenten von übermorgen. Politische und wirtschaftliche Entscheidungen, Unsicherheiten oder Konjunkturzyklen können Entwicklungen zwar kurz- bis mittelfristig beeinflussen. Aber langfristig setzen sich die Effekte der Macht der Masse durch: Was immer also passiert, politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich – die demografischen Megatrends schreiten fort. Und sie prägen Perspektiven und Chancen für Anleger.

Die Weltbevölkerung wächst unaufhaltsam

Die Zahlen sprechen für sich: Die Weltbevölkerung wächst und wächst. 2050 werden 9,7 statt wie heute 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter: Die Zahl der über 60-Jährigen wird sich bis Mitte dieses Jahrhunderts auf 2,1 Milliarden in etwa verdoppeln, die der über 80-Jährigen sogar auf 426 Millionen fast verdreifachen.1

In den Schwellenländern schließen immer mehr Menschen zur Mittelschicht auf und streben zumindest den heutigen Konsumstandard in entwickelten Industrieländern an. Immer mehr, immer älter, immer wohlhabender – diese drei großen Trends dürften die nächsten Jahrzehnte prägen. Die demografische Entwicklung beeinflusst maßgeblich, wie sich Branchen und Regionen entwickeln, wo Ressourcen benötigt werden und Infrastruktur aufgebaut werden muss, wo Konsum, vor allem der Binnenkonsum, als Stütze der Wirtschaftsentwicklung wächst und wo was nachgefragt wird. Wirtschaftliche Entwicklungen können sich von den grundlegenden demografischen Trends nicht dauerhaft entkoppeln. Es gilt also, auf Regionen, auf Branchen, auf Themen oder Unternehmen mit innovativen Produkten und Dienstleistungen zu setzen, denen die großen demografischen Entwicklungslinien zugutekommen: das Bevölkerungswachstum, die Alterung der Bevölkerung und das Wachstum der Mittelschicht.

Bevölkerungswachstum: Asien und Afrika

Die Welt wird immer voller. Dabei ist das Bevölkerungswachstum unterschiedlich verteilt. Europa und die USA tragen kaum noch dazu bei. Vor allem in Afrika steigt dagegen die Bevölkerung rasant an (eine Übersicht bietet die Grafik unten). „Über die Hälfte des erwarteten globalen Bevölkerungswachstums bis 2050 wird auf Afrika entfallen“, schrieben die UN in ihrem Bevölkerungsbericht bereits 2017. Dort leben heute 1,3 Milliarden Menschen, 2050 sollen es 2,5 und 2100 sogar 4,3 Milliarden sein.1

Ein überraschendes Beispiel: Nigeria, aktuell die Nummer sieben auf der Liste der bevölkerungsreichsten Länder, wird die USA vor Mitte des Jahrhunderts überholen und vom dritten Platz hinter China und Indien verdrängen. 1 Asien liefert den zweitgrößten Beitrag: Die Bevölkerung Asiens wird den Prognosen zufolge von aktuell 4,5 Milliarden auf 5,3 Milliarden zur Mitte des Jahrhunderts wachsen. Dann wird aber auch in Asien ein Wendepunkt erreicht sein – mit alternder und schrumpfender Bevölkerung.

Asien wächst vorübergehend, Afrika dauerhaft
Bevölkerungszahlen in wichtigen Weltregionen (in Milliarden Menschen)

* Nordamerika, Europa
Quelle: UN, Department of Economic and Social Affairs, Population Development, 2019. Darstellung FFB

Nahrungsmittel, Wasser und Rohstoffe gefragt

Dass die Weltbevölkerung insgesamt weiterwächst, bedeutet zum einen: mehr Ressourcenverbrauch. Schon lange wird erwartet, dass der Wasserverbrauch weltweit um 55 % bis Mitte des Jahrhunderts steigt, der Energieverbrauch sogar um 80 %.2 Auch die globale Lebensmittelproduktion muss deutlich erhöht werden: „Um die größere, urbanere und reichere Weltbevölkerung 2050 ernähren zu können, muss die Lebensmittelproduktion um 70 % steigen“, mahnte die Welternährungsorganisation FAO bereits vor mehr als einem Jahrzent.3

Perspektivisch heißt das für Anleger: Profitieren dürften neben allen Unternehmen in der Wertschöpfungskette Nahrungsmittelproduktion vor allem Energie- und Rohstoffunternehmen. Auch Unternehmen, die innovativ Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit vorantreiben, dürften langfristig von diesem Trend unterstützt werden. Dies gilt umso mehr, als der Rohstoffbedarf durch die wachsende Weltbevölkerung und zusätzlich den höheren Pro-Kopf-Konsum zunehmen dürfte. Denn mit einem höheren Wohlstand wird in der Regel auch der Konsum rohstoffintensiver (mehr dazu und zur Bedeutung von ESG für Anleger).

Die Urbanisierung schreitet fort

Ein der Bevölkerungsentwicklung unterliegender Trend geht weiter in Richtung Urbanisierung. Mehr Menschen nutzen den Lebensraum intensiver: Bis 2050 werden nach Schätzungen 68 % aller Menschen in Städten leben.4 Es wird immer mehr Megametropolen mit über zehn Millionen Einwohnern geben: 1950 hatten nur New York und Tokio so viele Einwohner, bis 1975 kamen lediglich Mexiko-Stadt und Osaka dazu. Nun gibt es schon 33 dieser Riesenstädte, darunter mit Shanghai, Mumbai, Peking, Dhaka, Karatschi, Chongqing, Manila oder Guangzhou viele asiatische Megametropolen. 2050 sollen es weltweit 43 sein.5

Daher sind kluge Lösungen für Infrastruktur und Wohnraum gefragt. Straßen und Brücken, Bahntrassen, Häfen und Flughäfen müssen gebaut und besonders in innovative Mobilität muss investiert werden. Wasser- und Stromleitungen müssen verlegt, die Dateninfrastruktur ausgebaut werden.

Investitionen in Infrastruktur und Transport können also eine Investmentchance mit langfristig stabiler Perspektive darstellen. Gleichzeitig wird der Faktor Umwelt bei der Bevölkerung in den Städten immer stärker ins Bewusstsein rücken. Auch das sorgt dafür, dass Ressourcen und Energieeffizienz, regenerative Energiequellen und das Recycling von Rohstoffen immer wichtiger werden.

Alterung – auch in den Schwellenländern

Die Macht der Masse zeigt sich auch bei einer weiteren langfristigen Entwicklungslinie: der Alterung der Bevölkerung. Dass die Menschen immer älter werden, ist heute schon in Europa und beinahe allen Industrieländern eine echte Herausforderung. Beim Blick in die fernere Zukunft wird deutlich, dass auch den Schwellenländern dieselbe Entwicklung bevorsteht. Und das nicht nur in China, wo sich bereits heute die Folgen von Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik bemerkbar machen: „2050 wird in allen Regionen der Welt mit Ausnahme Afrikas über ein Viertel der Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein“, mahnte die UN bereits in ihren World Population Prospects von 2017. Dann werden von den mehr als 2 Milliarden Menschen über 60 Jahre vier Fünftel aus Schwellen- und Entwicklungsländern kommen.1

Älter werden bedeutet zum einen: mehr „gute“ Lebensjahre. Vor allem in den entwickelten Ländern erfreuen sich die „Silver Ager“ zunehmend bester Gesundheit und bleiben körperlich und geistig aktiv und konsumfreudig. Unternehmen haben längst begonnen, sich auf die speziellen Bedürfnisse dieser Klientel einzustellen. 2030 könnte bereits die Hälfte des BIP in den USA und Japan auf den Wirtschaftsfaktor „Langlebigkeit“ entfallen. Gemeint ist damit alles, was die Bedürfnisse der Menschen über 50 Jahre befriedigt, also direkt von diesen erworbene Produkte und Dienstleistungen und die daraus resultierende Wirtschaftsaktivität.6

Ein unmittelbar nachvollziehbares Beispiel sind Reisen: Zwei von drei Senioren in Deutschland unternehmen mindestens eine Urlaubsreise pro Jahr, belegt eine Untersuchung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR). Rentner reisen demnach weit mehr als der Rest der Bevölkerung – und schauen dabei deutlich weniger aufs Geld.

Die Welt altert – Menschen über 65 Jahre
Anzahl weltweit (in Millionen Menschen)

Quelle: UN, Department of Economic and Social Affairs, Population Development, 2019. Darstellung FFB

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Trotz markiger Begriffe wie „Best Ager“, „Silver Ager“ oder „Generation Gold“: Alt werden die Älteren trotzdem. Mit der zunehmenden Zahl älterer Menschen dürfte auch die Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen steigen, ob zur Versorgung, Krankheitsprävention oder -therapie. Biotechnologie- und Pharmaunternehmen mit dieser Zielgruppe dürften zu den Gewinnern gehören, ebenso wie etwa Anbieter altersgerechten Wohnens und Betreiber von Pflegeheimen.

Schwellenländer: Konsumieren wie in den Industrieländern

Dritter demografischer Trend mit großer Wirkkraft ist der steigende Wohlstand in den Schwellenländern: Handys, Autos, Reisen – immer mehr Menschen in den Emerging Markets schließen zur Mittelschicht auf und gleichen sich im Lebensstil dem unseren an, was Konsum, Wohnen und Freizeitverhalten angeht.

Diese Entwicklung wird schon das nächste Jahrzehnt und seine Anlagechancen entscheidend prägen. „Zwischen 2015 und 2030 werden drei Viertel des weltweiten Konsumwachstums Folge des Anstiegs der Pro-Kopf-Ausgaben sein“, schrieb etwa die Unternehmensberatung McKinsey in einer Studie zur weltweiten Entwicklung des Konsums.7

Das heißt, der Anstieg des Konsums ist gar nicht in erster Linie durch das Bevölkerungswachstum getrieben, sondern durch den höheren Pro-Kopf-Verbrauch. Das leuchtet auch ein: Nicht umsonst machen sich Unternehmen auch hierzulande mehr Gedanken über ihren Absatz in China als in Afrika, das in puncto Bevölkerungswachstum deutlich vorn liegt.

Doch es geht nicht allein um Konsum: Auch die Gesundheitsausgaben in Schwellenländern dürften steigen. Das hängt zum einen mit dem wachsenden Wohlstand und der höheren Lebenserwartung zusammen, zum anderen aber auch – das ist das Paradoxe – mit der Übernahme des ungesunden westlichen Lebensstils. Höhere Risiken für Fettleibigkeit und Herzerkrankungen gehören zu den Folgen.

Dauerhaften Rückenwind aus der Entwicklung der Schwellenländer erhalten also Unternehmen aus den Bereichen Konsum, Tourismus und Gesundheit mit Absatzmärkten in den Emerging Markets.

In Wachstumschancen investieren

Anleger sollten diese Trends bei ihren langfristigen Anlageentscheidungen im Kopf behalten. Es gilt, nicht nur auf Deutschland oder Europa zu schauen, sondern global zu investieren und Geld dort anzulegen, wo das Wachstum morgen entstehen dürfte: in Regionen, Branchen, Unternehmen und auch Investmentthemen, die von der demografischen Entwicklung profitieren werden.

Dabei sollten Anleger nicht nur an die naheliegende Gesundheits- und Pharmabranche denken – eine zu enge Sichtweise. Denn der demografische Wandel wird die unterschiedlichsten Branchen beeinflussen. Interessant sind besonders Unternehmen, die den Demografiewandel als Chance verstehen und ihr Geschäftsmodell an die wachsende Bevölkerung, die konsumfreudigen und fitten, aber dennoch alternden „Silver Ager“ und die neue Mittelschicht in den Schwellenländern anpassen. Der Vorteil für Anleger: Mit dieser Art von Überlegungen beim Aufbau eines diversifizierten Anlageportfolios machen sie sich weniger abhängig von kurzfristigen Stimmungen und Entwicklungen. Wissen über die Macht der Massen kann Halt geben – auch in unsicheren Zeiten.

Quellen:

1 UN World Population Prospects (Revision), 2019.
2 OECD, Umweltausblick bis 2050, März 2012.
3 FAO, „How to Feed the World in 2050“, Oktober 2009.
4 UN, Department of Economic and Social Affairs.
5 UN World Urbanisation Prospects, 2018.
6 Bank of America Merrill Lynch, „The Silver Dollar – Longevity Revolution Primer“, Juni 2014, Euromonitor, Oxford Economics, NLIRI.
7 McKinsey Global Institute, „Urban world: The global consumer to watch“, April 2016.

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