Gesetzliche Rente erst mit fast 70? Damit hat die Bundesbank Ende 2019 aufgeschreckt. Dabei rechnet sie vor allem vor: Die staatliche Rente wird nicht reichen. Private Vorsorge wird zum entscheidenden Teil einer aktiven finanziellen Ruhestandsplanung. Lesedauer 4 – 5 Min.

Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) steht angesichts der demografischen Entwicklung vor großen Herausforderungen. Das ist nicht neu. Vor Problemen hatte Wirtschaftsminister Ludwig Erhard schon vor der Einführung gewarnt (Mehr? Hier!) Dass eine staatliche Institution vom Kaliber der Bundesbank aber genau vorgerechnet hat, was das in Heller und Pfennig bedeutet1 , hat dann doch für Aufruhr gesorgt. Der Vorschlag der Notenbanker: Das Rentenalter müsse steigen, an die wachsende Lebenserwartung geknüpft, und zwar bis 2070 auf 69 Jahre und vier Monate.

Die Reaktion in den Medien auf die „Nervensägen aus Frankfurt“ fiel eindeutig aus: „Dachdeckeralbtraum“, „Schon Rente mit 67 war ein Fehler“, „Sozialer Sprengstoff“, hieß es etwa. Doch das war, wie so oft, Entrüstung an der falschen Stelle. Die eigentliche Botschaft mit Sprengkraft liegt woanders in der Studie. Selbst wenn es politisch durchsetzbar wäre, dass die heute junge Generation bis fast 70 arbeitet, rechnet die Bundesbank vor: Das könnte nur ein Rentenniveau von 43% des durchschnittlichen Nettoverdienstes absichern.

Babyboomer könnten für Kippmoment sorgen

Dass die Bundesbank besondere Probleme ab Mitte der 2020er-Jahre sieht, ist kein Zufall: Dann gehen nämlich die Babyboomer in Rente. Babyboomer, das sind in Deutschland die zwischen 1955 bis 1969 Geborenen. Seinen Gipfel erreichte der Boom 1964. Damals wurden in der Bundesrepublik Deutschland 1,36 Millionen Kinder geboren – so viele wie nie zuvor und seitdem nie wieder.

Die demografischen Folgen des Babybooms bergen Sprengkraft: Wenn die breite Generation der Babyboomer in Rente geht, stehen immer mehr, immer länger lebende Rentenbezieher gravierend weniger Rentenbeitragszahlern gegenüber. Um das System doch noch zu retten, gibt es theoretisch vier Stellgrößen: das gesetzliche Rentenalter, also wann Menschen abschlagsfrei in Rente gehen können; das Versorgungsniveau, also wie hoch die Rente ist; der Beitragssatz, also wie viel vom Lohn der Beitragszahler in das Rentensystem fließt. Als letztes gibt es noch den Zuschuss aus Steuermitteln.

Die Bundesbank und ihre Überlegungen

Der Vorschlag der Bundesbank setzt vor allem auf eine verlängerte Lebensarbeitszeit. Das ist der mächtigste Hebel, mit dem sich das System der GRV gegen die Macht der Demografie wehren kann. Länger zu arbeiten als heute, bedeutet zugleich, länger Beiträge zu zahlen und kürzere Zeit im Ruhestand zu leben, also weniger Leistungen aus dem Rentensystem abzurufen. Folgerichtig setzt die Rechnung der Bundesbank auf längere Beitragszeiten in der GRV – bei Beibehaltung der Relation von Renten- zu Beitragsjahren. Die steigende Lebenserwartung würde damit ausgeglichen.

Wer 1960 ein Alter von 65 Jahren hatte, konnte damals davon ausgehen, im statistischen Durchschnitt von Männern und Frauen noch 13,5 Jahre zu leben – und in dieser Zeit Rente zu beziehen. Heute wäre dieser Zeitraum ab dem 65. Lebensjahr auf 19,5 Jahre gestiegen. Bis zum Jahr 2070 ist ein zusätzlicher Anstieg um weitere 4,5 Jahre zu erwarten. Bei unverändertem Rentenalter würde die Rentenbezugsdauer also stetig steigen – und mit ihr automatisch die Summe der aufzubringenden Rentenleistungen.2

Die staatliche Rente reicht nicht

Nach den Berechnungen der Bundesbank soll das von der GRV zugesagte Niveau bis 2070 sogar von 48% (2019) auf nur noch 43% des Durchschnittsverdienstes aller rentenversichert Beschäftigten fallen – obwohl die Jungen von heute bis fast 70 arbeiten.

Die Rentenmathematiker rechnen dabei gern mit einer Standardrente, die auch oft als Eckrente bezeichnet wird. Sie geht von einem Rentner aus, der über 45 Versicherungsjahre hinweg stets ein Entgelt in Höhe des Durchschnittsentgeltes aller Versicherten erzielt und dementsprechende Beiträge in die GRV entrichtet hat. 2019 lag diese Standardrente bei 1.487 Euro.3

Die Botschaft der Bundesbank ist unmissverständlich: Die Eckrente wird nach ihrer Modellrechnung noch weiter sinken.

Eckrentner ist eine Fiktion

Der Eckrentner allerdings verkommt zusehends zur statistischen Fiktion. 45 Beitragsjahre sind für eine zunehmende Zahl von Menschen nicht mehr Realität, auch wenn das Renteneintrittsalter immer weiter nach hinten verschoben wird und Menschen in Deutschland bis fast 70 arbeiten sollen.

Die Erwerbsbiografien haben Brüche, selbstständige Arbeitsformen werden gewählt. Zudem finden sich immer mehr Arbeitnehmer in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, sind also geringfügig, befristet, nur in Teilzeit (weniger als 20 Stunden) oder in Zeitarbeit tätig. Sie haben ohnehin nie die Aussicht auf die Standardrente.

Deutsche verlassen sich zu sehr auf staatliche Rente

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist zwischen 2000 und 2018 zwar um fast 19% gestiegen,4 die Zahl der atypisch Beschäftigten legte aber allein von 2000 bis 2017 um 28% zu.5 Die OECD mahnte jüngst, dass immer mehr dieser atypisch Beschäftigten von Altersarmut bedroht sein könnten.6 Wenn also selbst der Eckrentner nur noch 43% des Nettoeinkommens als staatliche Rente erhält, ist Umdenken erforderlich und private Vorsorge wichtiger denn je. Denn die Deutschen verlassen sich im internationalen Vergleich zu sehr auf die staatliche Rente.

Zusammensetzung der Bruttorente eines Durchschnittsverdieners in ausgewählten Ländern  (Grafik als Download verfügbar)

Quelle: DAI, OECD, 2015

Konsequent handeln: private Altersvorsorge gehört dazu

Private Altersvorsorge ist heute somit Teil einer aktiven Lebensplanung. Gerade, wer nach dem Berufsleben noch Pläne hat, kann nicht nur mit dem „Auskommen bis zum Ende“ rechnen, sondern muss sich finanzielle Spielräume für eine aktive Lebensgestaltung eröffnen. Dazu ist planvolles Handeln angesagt. Mit einem diversifizierten Fondsportfolio lassen sich die langen Zeithorizonte bis zum Rentenalter für eine renditeorientierte Geldanlage nutzen. Und die Flexibilität, wenn für Notfälle Kapital benötigt wird, ist auch automatisch gegeben.

Die entscheidende Lehre des Babybooms und des von ihm aufgebauten demografischen Drucks lautet daher: Konsequentes Investieren ist notwendig, um auf ein selbstbestimmtes Leben im Alter gut vorbereitet zu sein.

In jedem Alter richtig

Die finanzielle Vorbereitung auf einen aktiven Ruhestand (Grafik als Download verfügbar)

  1. Von Kindesbeinen an richtig vorsorgen: Mit einem FFB FondsdepotJunior können Eltern heute für Kinder und Jugendliche, die mit höchster Wahrscheinlichkeit sehr lange arbeiten werden, den Grundstein für die Absicherung im Alter legen. Etwa kann das Kindergeld investiert werden oder die Großeltern können regelmäßig einzahlen. Mit der Volljährigkeit hat der Nachwuchs dann bereits ein gutes Startkapital für eine planvolle private Altersvorsorge – und der maximale Zeithorizont für eine langfristige Kapitalanlage mit guten Renditeaussichten ist optimal genutzt.
  2. Wer mitten im Berufsleben steht, ist von vielen Seiten gefordert. Beruf, Familie, Kinder – und man selbst will sich auch mal was leisten. Gerade weil die Lebenshaltung in dieser Lebensphase viel vom Einkommen aufzehrt, kann ein Sparplan disziplinierende Wirkung haben, damit man vor lauter Nahzielen und kurzfristigen „Notwendigkeiten“ die langfristige Vorsorge nicht aus den Augen verliert. Mit einem Splitsparplan lassen sich diversifizierte Portfolios sukzessive mit wachsendem Kapital ausstatten. Auch vermögenswirksame Leistungen (oft mit Anteilen vom Arbeitgeber) können in Sparpläne fließen.
  3. Nur noch 10 Jahre bis zur Rente? Für die Babyboomer selbst gilt: Sie werden zwar –voraussichtlich – nicht bis fast 70 Jahre arbeiten müssen, um die gesetzliche Rente zu erhalten. Dennoch können Ansprüche an das Leben im Alter und finanzielle Wirklichkeit noch weit auseinanderliegen. Doch auch eine Dekade bis zur Rente kann noch hervorragend genutzt werden, um sich mehr Freiräume für das Alter zu schaffen. Oft heißt das aber erst einmal: Das Verhältnis zum Risiko muss überdacht werden. Zehn Jahre dürfen noch als langfristiger Anlagehorizont gelten. Die eigenen tatsächlichen Risikobudgets auszuschöpfen, ist mehr denn je essenziell.

Privat vorsorgen – in jeder Lebensphase

Investieren ist also der Schüssel zur aussichtsreichen privaten Vorsorge. Die von der Bundesbank angestoßene Diskussion des Themas „Babyboomer steuern auf die Rente zu“ hat dies nun einmal mehr und unmissverständlich auf den Tisch gebracht. Doch wer sein Leben nach dem Erwerbsleben sorgfältig vorbereitet, muss sich über die nächste Studie zur Rente mit 70 oder gar 75 jedenfalls keinen Kopf machen.

1 Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Oktober 2019.
2 Deutsche Bundesbank, dito.
3 In den alten Bundesländern; BMAS, Deutsche Rentenversicherung.
4 Bundesagentur für Arbeit.
5 Statistisches Bundesamt.
6 OECD: Renten auf einen Blick 2019, 27.11.19.

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