Die Umlagefinanzierung der staatlichen Rentenversicherung ist eine Dauerbaustelle. Schon Ludwig Erhard hatte davor gewarnt. Doch Adenauer brauchte ein Wahlgeschenk. Eine Leidensgeschichte im Überblick. Lesedauer 1 – 2 Min.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist als Umlageverfahren organisiert. Das heißt, die Renten werden finanziert aus den Beiträgen der aktiv Beschäftigten. Ausgenommen sind Beamte sowie Selbstständige und Freiberufler. Die Einnahmen stammen zum großen Teil aus beitragspflichtigen Einkommen, also Bruttolöhnen und -gehältern bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Hinzu kommen Zahlungen aus dem Steuertopf, etwa für Kindererziehungszeiten.

Konrad Adenauer wollte ein Wahlgeschenk

Eingeführt wurde das System in seiner heutigen Form 1957. Die damalige Rentenreform löste das noch von Bismarck geschaffene kapitalbasierte (!) System ab. Dies hatte unter der Weltwirtschaftskrise in den 1920ern sowie letztlich dem Zweiten Weltkrieg und der Währungsumstellung von Reichsmark auf D-Mark stark gelitten. Die Leistungen aus dem staatlichen Rentensystem waren in den 1950ern äußerst gering. Die Umstellung auf ein umlagefinanziertes System war eine „schnelle Lösung“ und diente Konrad Adenauer als Wahlversprechen, das ihm und seiner CDU tatsächlich die absolute Mehrheit einbrachte. Mahnende Worte gab es zuvor von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard. Er lief Sturm gegen Adenauers Pläne. Der jedoch wischte die Bedenken beiseite: „Kinder kriegen die Leute immer.“

Geburtsfehler der Umlagefinanzierung wird sichtbar

Die Sache mit den Kindern und der Geburtenrate klang gut, war aber eine fatale Fehleinschätzung, wie wir heute wissen. Nach dem Geburtenhoch in den 60ern kam der „Pillenknick“ der 70er. Richtig aufwärts ging es danach nicht mehr. Und heute? Im Vergleich zu den 60er-Jahren hat sich die Geburtenzahl fast halbiert: 2018 kamen in Deutschland nur noch 788.000 Babys zur Welt.1 Parallel dazu stieg die Zahl der Rentner: 1960 waren es 7,9 Millionen, 2018 aber schon 25,7 Millionen – Tendenz steigend.2 Die Folgen: Während noch 1990 auf eine Person im Rentenalter vier Personen im Erwerbsalter (und damit potenzielle Beitragszahler) kamen, rechnet man bis 2070 mit weniger als zwei Personen im Erwerbsalter auf einen Rentner.3 Damit gerät ein System, das für andere Zeiten konzipiert war, ins Wanken (mehr dazu und zu aktuellen Berechnungen der Bundesbank: Hier.)

Dauerbaustelle Rentenversicherung: Reform folgt auf Reform

Schon in den Jahren 1992, 2001 und 2004 gab es grundlegende Reformen. 2007 wurde dann beschlossen, das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre zu erhöhen. Die nächste große Reform hat die Bundesregierung übrigens für Mitte des neuen Jahrzehnts angekündigt, die Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ sollte diese eigentlich schon bis März 2020 vorbereiten. Auch wenn sich die Diskussion wegen dringlicher Coronathemen verschoben hat – sie wird kommen müssen.

Quellen:
1 Statistisches Bundesamt.
2 Deutsche Rentenversicherung.
3 Deutsche Bundesbank, Monatsbericht Oktober 2019.

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