Eine aktuelle Umfrage der FFB belegt: Berater arbeiten längst intensiv am Thema ESG – und gehen ihren Kunden dabei kenntnisreich voran. Perspektivisch bauen sie Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsmodelle ein. Die Ergebnisse im Detail.

Eindeutige Bestätigung bei der großen ESG-Beraterumfrage der FFB: Nachhaltiges Investieren ist im Alltag der bankenunabhängigen Beratung angekommen! In der Online-Umfrage gaben drei Viertel der Befragten professionellen Berater an, dass sie sich bereits mit Details zum ESG-Investing auseinandergesetzt haben oder sich aktiv informieren. Fast derselbe Anteil der Befragten schneidet das Thema in Gesprächen mit allen Kunden (63,8%) oder zumindest ausgewählten Kunden (8,6%) aktiv an und fragt nach dem Interesse an nachhaltigen Kapitalanlagen.

ESG aus Geschäftsmodell nicht mehr wegzudenken

Dieser aktuelle Blick auf Nachhaltigkeit in der Beratung dürfte dabei mehr als nur eine Momentaufnahme sein. Rund 50% der Befragten messen dem Thema eine hohe Relevanz für die weitere Zukunft ihres Geschäftsmodells zu, nur knapp 13% sehen dagegen gar keine oder nur wenig Bedeutung.

Performance: kein Problem mehr

Galt über Jahrzehnte die Überzeugung, dass klassische Ökofonds Rendite kosten und daher nur etwas für eine verzichtbereite Klientel waren, hat sich dieser Aspekt der Wahrnehmung nachhaltiger Investments inzwischen grundlegend geändert: Lediglich knapp 13% der befragten Berater befürchteten einen negativen Einfluss auf die Performance. Mehr als 87% der Befragten sehen die Performanceaussichten unbeeinflusst oder sogar positiv beeinflusst.

Greenwashing & Co: Problemzonen erkannt

Bei aller Bedeutung von nachhaltigem oder ESG-Investieren lassen sich die Berater allerdings nicht von Euphorie blenden. Sie erkennen auch Schwachpunkte und Unsicherheiten. Konkret gehören neben möglichem Greenwashing die unübersichtliche Regulierung und die fragwürdige Verlässlichkeit von Nachhaltigkeitsratings zu den am häufigsten genannten Bedenken. An der eigenen Erfahrung im Umgang mit ESG zweifeln nur gut 4%.

Kunden eher an einfachen Aussagen interessiert

Einen guten Hinweis darauf, wo Beratung ihre Aufklärungsarbeit noch intensivieren kann, gibt die Abfrage der von den Beratern wahrgenommenen Interessenlagen ihrer Kunden. Demnach interessieren sich Kunden am häufigsten für Ausschlüsse oder thematische Investments. Beides sind Überlegungen, die relativ leicht zu verstehen und zu vermitteln sind. 

Best-in-Class-Ansätze, aber auch Impact-Investing stoßen auf weniger spontanes Interesse. Hier besteht also Aufklärungsbedarf durch eine kompetente Beratung. Schließlich sind diese Aspekte für die mit einer Kapitalanlage verbundenen Risiken und Performanceaussichten besonders relevant.

Und sie spielen eine entscheidende Rolle bei den dringenden ökologischen Aspekten wie der Transformation der Wirtschaft in Richtung CO2-Neutralität. Aber auch in Bezug auf soziale Aspekte, die mit über 53% gemäß der Befragung eine hohe Relevanz für Anleger haben, können Best-in-Class und Impact-Ansätze wichtige Impulse setzen.

Einflussmöglichkeiten von Kapital und Fondsmanagern bestätigt

Dass Berater heute bereits weiterdenken als ihre Kunden, macht eine weitere Frage deutlich. Mehr als die Hälfte der Befragten zeigt sich nämlich überzeugt, dass Fondsgesellschaften durch ihr Engagement bei Unternehmen notwendige Transformationsprozesse konstruktiv begleiten können. Berater sind hier also gedanklich vielen ihrer Kunden voraus, die noch leichter auf statische Ausschlüsse ansprechen und weniger das Potenzial zur gezielten Veränderung durch Engagement gegenüber den Unternehmen im Rahmen nachhaltigen Investierens im Blick haben.

Auch hier öffnet sich also ein Aufgabenfeld: Die Beratung muss bei Anlegern das Verständnis fördern, dass sie Fondsgesellschaften ihr Kapital nicht nur zur Anlage anvertrauen, sondern damit ein Auftrag zur Einflussnahme auf nachhaltiges Handeln von Unternehmen einhergeht. Nur wenn dieser verstanden ist, können Anleger nachvollziehen, dass es bei der Entscheidung für ein nachhaltiges Investment nicht nur auf den Fonds, sondern auch auf die Fondsgesellschaft ankommt. Sie muss glaubwürdig, transparent und nachvollziehbar ihr Engagement offenlegen.

Die FFB hat Finanzberater in einer Online-Umfrage zum Thema ESG befragt. 232 Berater haben an der Umfrage teilgenommen. Die Befragung fand zwischen dem 15. Oktober und 4. November 2021 statt.

ESG ist in der Beratung angekommen
Berater sind heute schon sehr mit dem Thema vertraut

-

Nachhaltiges Investieren in Kundengesprächen
Fast drei Viertel der Befragten sprechen es aktiv an

-

Mehr als eine Momentaufnahme: ESG ist geschäftsrelevant
Nachhaltigkeit ist für Berater relevant, wenn es um die Zukunft ihres Geschäftsmodells geht

-

Performance wird positiv gesehen
Negativer Performanceeinfluss wird nur noch von einer Minderheit der Befragten erwartet

-

Beratung hat die Problemzonen im Blick
Greenwashing, Zweifel an der Verlässlichkeit von Ratings und eine unübersichtliche Regulierung sind die größten Bedenken

-

ESG bleibt Beratungsaufgabe
Kunden eher an einfachen Ansätzen interessiert – darüber hinaus herrscht Aufklärungsbedarf

-

Beratung erkennt Wert von Engagement
Berater sind von der Bedeutung des Engagements von Fondsgesellschaften für die Nachhaltigkeitstransformation überwiegend überzeugt

-

Strategien für Ihre Kundenportfolios:

Partizipation bei ESG-Entscheidungsprozessen | Ethius Invest

Handlungsoptionen durch Einreichung umfangreicher beschlussfähiger Vorlagen z…


Ethius Invest

Ethius Invest

Experten-Gastbeitrag

ESG-Resolutions auf Hauptversammlungen | Ethius Invest

Gesetzlich definierte Mindestkriterien, die zur Einbringung von ESG-Resolutio…


Ethius Invest

Ethius Invest

Experten-Gastbeitrag

Anleihen für den Wandel: aus dem ESG Anlagebericht | PIMCO

Aktive Festzinsanleger spielen eine entscheidende Rolle beim Übergang hin zu …


PIMCO

PIMCO

Experten-Gastbeitrag

Klimastresstest EZB für Banken: wirkungsvoll genug? | DPAM

Die EZB hat Anfang Juli ihren Klimastresstest (CST) für Banken vorgelegt. Wo …


DPAM

DPAM

Experten-Gastbeitrag

Anlagechance: Biologische Vielfalt schützen | Fidelity

Der Wert der Biodiversität rückt auf der Agenda nach oben. Anleger können ent…


Fidelity

Fidelity

Experten-Gastbeitrag

Staatsanleihen können nachhaltige Ziele erfüllen | DPAM

Ophélie Mortier von DPAM erklärt, warum Staatsanleihen eine Schlüsselrolle be…


DPAM

DPAM

Experten-Gastbeitrag