Dividendenfonds waren lange Ladenhüter. Doch inzwischen sind sie wieder gefragt. Welche Vorteile sie Anlegenden bieten, erklärt Dr. Thomas Schüßler, der mit dem DWS Top Dividende rund 20 Milliarden Euro an Anlagegeldern verwaltet.

Deutschland steht vor einer Rezession. Was empfehlen Sie Anlegerinnen und Anlegern, die ihr Geld möglichst gut durch die Krise bringen möchten?

Dr. Thomas Schüßler: Rezession klingt immer katastrophal. Aber ich rate zur Ruhe und zu einer breiten Diversifikation. Denn das Umfeld ist in der Tat sehr unsicher und Vorhersagen sind deshalb sehr schwierig.

Während der Börsenrally der letzten Jahre standen bei den meisten Anlegerinnen und Anlegern vor allem Wachstumstitel im Fokus. Dividendenfonds wie der DWS Top Dividende galten als langweilig. Jetzt entdecken viele die Dividenden wieder. Warum sind Dividendenaktien beziehungsweise Dividendenfonds auf einmal interessant?

Schüßler: Sie haben recht, das Thema Dividende war in den vergangenen Jahren viel zu langweilig, um Anlegerinnen und Anleger anzusprechen. Die Kurse der Dividendenfonds gingen zwar hoch, aber die der Wachstumstitel stiegen deutlich stärker. In Zeiten von billigem Geld und ohne Inflation kann man an den Märkten trefflich spekulieren und auch Titel von Unternehmen, die wenig oder gar keine Gewinne erzielen, sehr hoch bewerten. Mein Dividendenfonds ist eigentlich genauso aufgestellt und genauso langweilig wie vergangenes Jahr. Aber dieses Jahr tut Langeweile gut. Jetzt suchen die Investorinnen und Investoren Anlagen, die solide Dividenden bezahlen, hochprofitabel sind und über zuverlässige Geschäftsmodelle verfügen. Der Markt hat sich komplett gedreht. Und das kommt daher, dass die Zentralbanken die Zinsen heraufsetzen und die hohe Inflation viele Geschäftsmodelle unbrauchbar macht, die ohne Inflation funktionierten.

Sie managen den DWS Top Dividende seit 2005. In dieser Zeit gab es eine ganze Reihe schwieriger Perioden an der Börse, zum Beispiel die Finanzkrise 2008 oder auch die Eurokrise 2011. Wie hat sich Ihr Fonds in diesen Phasen geschlagen?

Schüßler: Typischerweise war in Krisenphasen eine Dividendenstrategie immer stärker als der Markt. Man hat eher Langweiler im Fonds, die nicht so stark fallen. Zudem puffern die Dividendenzahlungen die Wertverluste des Fonds ab. Gerade in Rezessionen bewährte sich der Fonds gut. Allerdings ist es ein Aktienfonds – 2008 korrigierte er um 30 Prozent. Wahrscheinlich wird es auch dieses Mal nicht ohne Rücksetzer abgehen. Aber da der Fonds Verluste deutlich abfedert, dürfte sich der Kurs nicht auf eine Achterbahnfahrt begeben, bei der es womöglich auch mal um 50 Prozent heruntergeht und Anleger überlegen, ob sie noch drinbleiben.

Wie haben Sie auf die seit Jahresbeginn zum Teil drastischen Kursverluste an den Börsen reagiert?

Schüßler: Wenn ich ehrlich bin, gar nicht. Ich habe schon im vergangenen Jahr gehandelt, indem ich nicht auf der Wachstumswelle mitgeschwommen bin, obwohl das in den letzten zwei bis drei Jahren unglaublich schmerzhaft war. Aber wir sind unserem Stil treu geblieben. Wir haben weiterhin die Langweiler gekauft und auch Rohstoffe – also alles, was Inflationsschutz bieten könnte. Damit sind wir gut aufgestellt und hatten keinen Grund, zu reagieren.

Inflation, Rezessionssorgen, steigende Zinsen, die Energiekrise – der Ausblick für die Wirtschaft ist nicht gerade rosig. Ist nicht zu befürchten, dass Unternehmen angesichts von Gewinnrückgängen demnächst reihenweise Dividenden kürzen oder gar streichen werden?

Schüßler: Nein, davon ist nicht auszugehen. Selbst 2008 hatten wir im Fonds deutlich mehr Firmen, welche die Dividende erhöht haben, als solche, die sie gekürzt haben. Dividenden sind viel stabiler als Gewinne, weil die Unternehmen versuchen, ihre Dividende zu halten, auch wenn die Gewinne fallen. Es gibt sicher in Rezessionen auch Dividendenkürzungen, aber das hat auf die Dividendensumme im Fonds keinen Einfluss. Zwar kann das Wachstum der Dividende reduziert sein, aber sie fällt nicht, und damit auch nicht die Ausschüttung. Um die Dividenden mache ich mir kaum Sorgen. Es geht jetzt eher darum, wie sich die Aktienkurse entwickeln.

Welchen Anteil haben die Dividenden am Gesamtertrag Ihres Fonds?

Schüßler: Seit der Auflegung des Fonds machen wieder investierte Dividenden etwa die Hälfte des Gesamtertrags aus. Sie leisten also einen substanziellen Beitrag zum Gesamtertrag. Beim Start des Fonds 2003 waren die Aktienmärkte nach der Dotcom-Krise sehr billig. Wir hatten also eine sehr lange Phase steigender Kurse. Deshalb gehe ich davon aus, dass Dividenden in den kommenden zehn Jahren noch deutlich mehr als die Hälfte zum Gesamtertrag beitragen.

An welchen Typus von Anlegenden richten Sie sich mit Ihrem Fonds?

Schüßler: Wir sehen den Fonds als Basisinvestment, das man langfristig halten sollte, vor allem wegen des Dividendeneffekts auf die langfristige Wertentwicklung. Wir kommen der Risikoaversion der Anlegenden entgegen. Die meisten Investorinnen und Investoren möchten ruhig schlafen und in Krisen keine großen Rückschläge erleben. Deswegen fokussieren wir uns eher auf eine gute risikoadjustierte Wertentwicklung als auf die Gesamtwertentwicklung. Das ließ sich in den letzten Jahren leicht beobachten: Wenn Risiko keine Rolle spielt, ist der Fonds nicht besonders gut. Wenn aber Risiko eine Rolle spielt, ist er ziemlich stark. Deswegen ist er ein gutes Investment für den langfristigen Kapitalerhalt und langfristigen Kapitalaufbau.

Die Inflationsraten bewegen sich hierzulande zurzeit im zweistelligen Bereich. Kann ein Kaufkrafterhalt des Ersparten überhaupt noch gelingen?

Schüßler: Das ist dieses Jahr so gut wie unmöglich. Das liegt aber vor allem daran, dass die meisten Anlagemöglichkeiten durch die Nullzinspolitik so teuer geworden sind. Daher sind in einem schwierigen Umfeld keine weiteren Kurssteigerungen mehr möglich und damit ist auch kein Inflationsschutz mehr gegeben. Sie sehen das zum Beispiel am Immobilienmarkt: Hauspreise können trotz der steigenden Inflation nicht weiter anziehen, weil sie schon viel zu hoch sind. Daher können sie in der momentanen Situation keinen Inflationsschutz mehr bieten. Ich denke aber, in den nächsten Jahren dürften Realanlagen wie Aktien, Rohstoffe, eingeschränkt vielleicht auch Immobilien, die Chance auf einen Kaufkrafterhalt bieten.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Unternehmen aus, in die Sie mit dem DWS Top Dividende investieren?

Schüßler: Wir schauen sehr darauf, dass die Dividenden nachhaltig sind. Wir stellen uns die Frage, ob wir die Aktie auch in der Rezession halten können, die ja vermutlich bevorsteht, also für mindestens fünf Jahre. Ich muss so gut wie sicher sein, dass das Unternehmen in der Rezession eine Dividende zahlt. Zusätzlich bevorzugen wir Management-Teams, welche die Dividenden regelmäßig erhöhen, also aktionärsfreundlich agieren. Zusätzlich achten wir auf eine solide Bilanz der Firma.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Titelauswahl hinsichtlich Branchen und Regionen?

Schüßler: Wir haben immer eine Basis von Aktien, die wenig konjunkturabhängig sind, zum Beispiel Pharmaaktien, Konsumhersteller und Versorger. Diese zahlen zuverlässig Dividenden, jedes Jahr ein paar Prozent mehr. Sie machen mehr als 40 Prozent des Fonds aus. Hinzu kommen andere, wechselnde Bereiche. In den vergangenen Jahren habe ich zum Beispiel Rohstoffe deutlich aufgestockt, weil sie zuvor ganz schlechte Investments waren. Sie standen gewissermaßen für das Gegenteil von Wachstums- und Technologieaktien. Niemand wollte sie haben. Inzwischen sehen wir Angebotsengpässe in diesem Bereich. Hinzu kommt, dass dieser Sektor traditionell mit die besten Chancen auf Inflationsschutz bietet. Das zeigt beispielsweise der Rückblick auf die 1970er-Jahre: Der einzige Bereich, der damals eine positive Realrendite erzielt hat, waren Rohstoffe.

Am 25. November steht die Ausschüttung des DWS Top Dividende für 2022 an. Können Sie schon etwas zum Ergebnis verraten?

Schüßler: Für den Dividendenteil im Fonds war 2022 ein sehr gutes Jahr. Wir haben deutlich mehr Dividenden vereinnahmt als im vergangenen Jahr und die Dividendenausschüttungen werden signifikant steigen. Und auch bezüglich der Kurse liegt der Fonds dieses Jahr noch im Plus.

Zur Person

Dr. Thomas Schüßler startete 1991 bei der Deutschen Bank. 2001 wechselte der promovierte Physiker und diplomierte Wirtschaftswissenschaftler zur DWS. Seit 2005 betreut er dort den DWS Top Dividende, mit rund 20 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen einer der größten Publikumsfonds Deutschlands.

Quelle: Dividendenfonds: Zusatzeinkommen mit Langeweile (dup-magazin.de)

Anlageprodukte:

DWS Top Dividende LD (DE0009848119)


Weltweit vertrauen Kunden der DWS als Anbieter für integrierte Anlagelösungen. Sie wird über das gesamte Spektrum der Anlagedisziplinen hinweg als Quelle für Stabilität und Innovationen geschätzt.

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