Die Themen Energie und Energieinfrastruktur sind so wichtig geworden wie nie zuvor. Warum der Bereich einen Katalysator braucht und wo die Investmentchancen für Anleger liegen, erläutert Peter Dreide, CIO & Gründer von TBF Global Asset Management.

Energieinfrastruktur wurde bis dato von der Politik sowie von Investoren vernachlässigt und spielte für Privatpersonen keine Rolle. Seit den Entwicklungen in der Ukraine ist die Aufmerksamkeit exponentiell gestiegen. Denn plötzlich geht es um Versorgungssicherheit mit Strom und Wärme und nicht mehr „nur“ um den günstigsten Strompreis für Industrie und Privathaushalte. Ein Katalysator sondergleichen, der interessante Investmentchancen für Investoren ermöglicht. Dennoch: Das Thema ist alles andere als neu. Bei TBF beschäftigen wir uns schon seit Langem mit Energieinfrastruktur, seit 2009 im TBF SMART POWER. 

Die Politik hat das Thema Energiewende gerne vor sich hergeschoben und muss nun Versäumnisse der Vergangenheit korrigieren. In den letzten Jahren wurde ein nennenswerter Ausbau der Stromnetze verpasst. Dabei ist es egal, ob wir Richtung USA blicken oder uns in Deutschland bewegen. Den Faktor Zeit kann sich die Politik künftig nicht mehr leisten. Rückenwind für Energieinfrastruktur ist nötig. Dennoch wird es die eine Lösung des Dilemmas in Deutschland in absehbarer Zeit nicht geben. Die Politik wird mindestens zwei bis drei Jahr benötigen, um einen Lösungsweg einzuschlagen, der die Versorgung mit Energie und Wärme sicherstellen wird.

Mythos LNG/Flüssiggas in Deutschland

In den vergangenen Monaten wurde beispielsweise von „rettenden“ LNG-Terminals in Deutschland gesprochen. Diese Technologie wird uns aber nicht aus der Krise führen. Und die Umsetzbarkeit in Deutschland, so wie sich das die Politiker vorstellen, ist schwer machbar. Eine derartige Anlage zu bauen, kostet zwischen sechs und zehn Milliarden Euro bei einer Bauzeit von mindestens fünf Jahren. Ferner muss 24/7 der Zufluss an Gas sichergestellt und auch die Schiffsflotte für den Transport vorhanden sein. Zusätzlich wollen Terminalbetreiber und Produzenten meist eine Abnahmegarantie über 15 Jahre, damit sich so eine Investition rechnet. Jetzt kommt die deutsche Politik ins Spiel, die LNG als Brückentechnologie für die nächsten Jahre sieht, aber keinesfalls langfristig einsteigen will. Hier passt etwas nicht zusammen. Der Konflikt, dass bis weit nach 2040 LNG abgenommen werden müsste, ist vielen noch nicht klar. Global gesehen wird LNG eine erhebliche Rolle spielen – Treiber sehen wir vor allem in Nordamerika. Die US-Regierung fördert diese Technologie derzeit massiv und die Region verfügt über entsprechende Unternehmen, Ressourcen und Infrastruktur. 

Ein diversifizierter Strommix ist das Ziel

In Deutschland ist die Politik seit dem Krieg in der Ukraine unter Handlungszwang. Zusätzlich trifft sie Entscheidungen, die immer mehr in Richtung Elektrifizierung des Verkehrs und der Heizsysteme gehen. Der „Druck auf die Steckdose“ ist also enorm und wird stetig steigen. Der aktuelle Strommix kann diesem nicht standhalten. Daher muss auch der Umbau des Strommix hin zu weniger CO2-Ausstoß bei der Energieproduktion beschleunigt werden. Es kann nicht Sinn und Zweck von E-Mobilität sein, dass der Strom für Elektrofahrzeuge von Kohlekraftwerken stammt. Regenerative Energien werden sicher einen großen Teil des künftigen Strommix ausmachen. Hierbei sollte man bedenken, dass Wasserkraft limitiert ist und nicht über einen gewissen Prozentsatz hinauskommen wird. Daher sind Photovoltaik und Windenergie die Energiequellen der Zukunft und Treiber beim Ausbau. 

Windenergie ist beispielsweise in Deutschland mit einem geänderten Flächennutzungsplan deutlich ausbaubar, dauert aber aufgrund der Genehmigungsverfahren auch einige Jahre. Photovoltaik steht theoretisch unbegrenzt zur Verfügung und lässt sich deutlich schneller realisieren. Aber auch hier ist es wichtig, geeignete Flächen und Standorte mit genug Sonnenstunden zu finden, und der Verzicht auf Anbauflächen ist nicht nur eine politische Entscheidung. Beide Energiequellen sind aufgrund ihrer Bauzeiten eben keine Sofortlösung. Auch wenn der Ausbau rapide voranschreiten sollte, ist vor allem wichtig zu verstehen, dass je mehr man auf regenerative Energieträger setzt, umso stärker den Netzausbau vorantreiben muss. Energiespeicherlösungen und Smart Grids sind gefragt – unser ganzes Stromnetz muss dringend überholt und ausgebaut werden. 

Investoren brauchen ein tiefes Verständnis für Lieferketten und politische Zusammenhänge

Die Opportunitäten der Energieinfrastruktur liegen auf der Hand. Viele Unternehmen entlang der Stromwertschöpfungskette werden künftig durch den notwendigen Umbau aufgrund des Krieges und des Klimawandels profitieren. Dennoch ist Vorsicht geboten, denn man braucht ein umfassendes Wissen und Verständnis für die jeweiligen Lieferketten und muss diese in Relation zu politischen Ereignissen setzen können. 

Wir setzen in unserem Portfolio insbesondere auf die Themen Energieproduktion und Stromnetze. Hier gibt es interessante Unternehmen, die in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren über deutliches Potenzial verfügen. Dazu kommen Spezialthemen wie beispielsweise im Bereich Ladeinfrastruktur für E-Autos. Wir denken, dass man ein Portfolio derzeit nicht zu stark auf Zukunftstechnologien ausrichten sollte. Heute ist Versorgungssicherheit genauso wichtig wie das Erreichen der gesteckten Klimaziele.

Anlageprodukte:

TBF SMART POWER EUR R (DE000A0RHHC8)

Seit der Gründung im Jahr 2000 durch Peter Dreide agiert TBF als inhabergeführtes Unternehmen unabhängig von den Modeerscheinungen des Kapitalmarktes. Diese Unabhängigkeit gibt TBF die Freiheit, die eigenen Werte und Anlagestrategien ausschließlich im Sinne der Investoren umzusetzen.

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