Die effektiven Auswirkungen der Krise im Mittleren Osten werden sich im zweiten Halbjahr manifestieren. Die Finanzindustrie unterschätzt das.
Man ist wieder zurück auf Feld eins, schlimmer noch als Ende des Jahres. Die Finanzindustrie ist wieder so negativ positioniert wie noch nie. Dies bedeutet, dass die Finanzspekulanten sich in grossem Ausmass verpflichtet haben, physische Barrel Öl zu liefern, welche sie ja offensichtlich nicht haben. Dies in Erwartung von Friede, Freude, Eierkuchen (der Effekt auf dem Dezember 2028 WTI Ölpreis war übrigens ziemlich genau USD 1.--, sprich Limes Null).
Wie schon Ende des Jahres sind die physischen Marktteilnehmer diametral anderer Meinung. Als Beispiel fragt sich Haitham al-Ghais, Chef der Opec, was die IEA und alle Finanzanalysten sehen, was die OPEC und der Rest nicht sieht... Auch wenn sich die Lage im Mittleren Osten normalisieren sollte, wonach es nicht wirklich aussieht, wird es Monate dauern, bis die Produktion und Verschiffung von Öl, Ölprodukten und sonstigen Derivaten wieder das alte Level erreicht. Es wird sich erst noch zeigen, was das Ausmass der Beschädigung an der ganzen Infrastruktur wirklich ist. Dann braucht es Investitionen, Ingenieursleistungen und Zeit, um wieder den ursprünglichen Ölfluss herzustellen. Vor allem braucht es die Überzeugung, dass es keine weiteren Disruptionen gibt und man das produzierte Öl und deren Derivate auch verladen und verschiffen kann. Eine Drosselung/Erhöhung der Förderkapazität von Ölfeldern ist technologisch hochkomplex und nicht dasselbe wie das schnelle Aufdrehen/Zudrehen eines Wasserhahns.
Japanese Crude Oil Inventories Collapse on Largest Ever SPR Drawdown
Quelle: Comodity Context, Kpler.
Der ganze Produktionsausfall wurde durch einen noch nie dagewesenen Abbau der weltweiten Lager aufgefangen. Dies nicht nur im Falle von Rohöl, sondern auch von raffinierten Produkten sowie anderem, welches vom ganzen Tohuwabohu betroffen war/ist. Sämtliche Lagerhaltung ist auf kritische Niveaus gefallen. Die Raffinerieaktivität wurde nicht nur im betroffenen Gebiet zurückgefahren, sondern auch in Asien. Die Industrie warnte eindringlich vor kommenden Engpässen ab dem Sommer und selbst Trump hat zugegeben, dass man wohl nur noch geschätzte vier Wochen hatte, bis ein grösseres Desaster unausweichlich geworden wäre – der Grund, weshalb man dem Iran praktisch sämtliche Zugeständnisse machen muss, auch wenn man das Ganze als das Gegenteil verkauft.
Die Welt (sicher in Asien) wird aufgrund der eben gemachten Erfahrung die Lagerhaltung möglichst schnell wieder auf die alten Levels bringen wollen, wenn nicht gar deutlich darüber, aus strategisch offensichtlichen Gründen.
US Money-Supply
Quelle: Bllomberg, analysis by Tavi Costa, 29.06.2026
Zumindest hat man auf der monetären Seite wieder die üblichen Argumentationen zur Hand, weshalb die Inflation ja nur vorübergehend ist, sich alles normalisiert und man ohne Probleme den Bleifuss aufs Gaspedal drücken kann, was man ja bereits tut. Was bleibt denn auch sonst als Alternative?
Zur Ergänzung ist Herr Walsh der Meinung, man könnte auch wieder einmal die Inflationsberechnung anpassen. Interessierten Kreisen sei empfohlen, die Inflationszahlen anzusehen, welche auf den ursprünglichen Berechnungen von 1980 beruhen. Es gäbe ein Bild, welches wohl eher der gefühlten Wirklichkeit des Konsumenten entspricht. Seit 2006 wird auch M3 nicht mehr publiziert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Autor:
Urs Marti, Mitglied Investmentkomitee, SIA Long Term Investment Fund Natural Resources (SIA Asset Management)
Anlageprodukte:
SIA Long Term Investment Fund Natural Resources (LU0244072335)

SIA Asset Management AG ist eine inhabergeführte, regulierte Schweizer Asset-Management-Boutique mit konsequentem Fokus auf langfristige, überdurchschnittliche Renditen.
Diesmal ist alles anders! | SIA
Der Ölmarkt schickt ein klares Signal: Physisch ist alles knapp. Nur die Börs…
Strategisches Investieren am Beispiel des Wurstpellenmarktes
Was macht der Wurstpellenmarkt für die SIA so interessant und weshalb ist die…
Ölflut!!! | SIA
Analysten warnen vor einer globalen Ölschwemme 2026 durch steigende Produktio…