Das KI-Universum dehnt sich weiter rapide aus; die Liste der Profiteure bleibt lang. Gleichzeitig zeigen sich potenzielle Sollbruchstellen, die uns in unserer selektiven Aktienauswahl bestärken.

In Kürze

  • Auch 2026 ist das Momentum der KI-Welle ungebrochen hoch und treibt die Börsen anderer Widrigkeiten zum Trotz in neue Höhen. Die Bereitschaft der Firmen, in KI zu investieren bleibt genauso hoch wie die Bereitschaft der Anleger, KI zu finanzieren.
  • Die Dynamik des Sektors zeigt sich auch in den schnellen Marktanteilsverschiebungen sowie Preis- und Strategieanpassungen. So wie die KI-Firmen selbst, müssen sich auch die Anleger
  • All das spricht gegen eine Buy-and-Hold Strategie. Wir setzen auf Selektion, derzeit bevorzugt in Sektoren, die bereits erkennbar vom KI-Boom profitieren, so wie Halbleiter und Versorger.
  • Die ungebremste Euphorie beim Börsengang von SpaceX, der zunehmende Wettbewerb aus China und die steigende Preissensibilität der Kunden lassen uns etwas vorsichtiger in diesen Sommer blicken und nach punktuellen Bewertungsübertreibungen suchen. Aber an Chancen im KI-Universum dürfte es dennoch weiter nicht mangeln. 

Künstliche Intelligenz: starke Dynamik, steigende Kosten und mehr Selektivität

Künstliche Intelligenz (KI) bleibt eines der prägendsten Anlagethemen unserer Zeit. Die Entwicklung verläuft weiterhin mit bemerkenswerter Geschwindigkeit. Unternehmen investieren Rekordsummen in Rechenzentren, Halbleiter und KI-Modelle, während die Nutzung von KI-Lösungen sowohl bei Unternehmen als auch bei privaten Anwendern stark zunimmt. Die Innovationskraft der Branche ist ungebrochen, und immer neue Produkte kommen auf den Markt.

Gerade diese Dynamik macht KI zu einem langfristigen strukturellen Thema. Die Technologie hat das Potenzial, Geschäftsmodelle zu verändern, Prozesse zu automatisieren und die Produktivität vieler Branchen zu steigern. Die Bereitschaft, in KI zu investieren, ist weiterhin hoch. Gleichzeitig wächst auch die Nachfrage nach den technischen Grundlagen, die für den Betrieb von KI-Systemen notwendig sind. Dazu gehören vor allem Rechenleistung, Datenspeicher sowie eine stabile Energieversorgung.

Ein wichtiger Wachstumstreiber sind sogenannte KI-Agenten. Dabei handelt es sich um Software, die komplexe Aufgaben eigenständig erledigen kann. Solche Anwendungen benötigen deutlich mehr Rechenkapazität als bisherige KI-Systeme und treiben den Bedarf an Chips und Rechenzentren zusätzlich an. Parallel dazu steigen die Investitionen großer Technologiekonzerne massiv an, da sie ihre Infrastruktur ausbauen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten.

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen bei Halbleitern. Sie bilden das technologische Fundament der KI-Welt. Der Bedarf an leistungsfähigen Chips wächst derzeit schneller, als neue Produktionskapazitäten aufgebaut werden können. Da die Herstellung moderner Halbleiter äußerst komplex ist und nur von wenigen Unternehmen beherrscht wird, entstehen Engpässe entlang der Lieferkette. Diese Knappheit hat vielen Unternehmen der Branche bereits kräftiges Umsatz- und Gewinnwachstum beschert. Allerdings hat sich der Wert des Halbleitersektors dieses Jahr an der Börse bereits fast verdoppelt, während sich gleichzeitig Sorgen breit machen, ob die KI-Firmen, allen voran OpenAI und Anthropic und die Rechenzentrenanbieter im gleichen Tempo weiterinvestieren können. Kurzfristig sehen wir daher zunächst eine Konsolidierungsphase des Sektors.

Doch die Liste möglicher Gewinner endet nicht beim Technologiesektor. Auch Versorgungsunternehmen profitieren zunehmend von der Entwicklung. Der Betrieb von Rechenzentren benötigt enorme Mengen an Strom. Gleichzeitig schreitet die Elektrifizierung vieler Volkswirtschaften voran. Eine zuverlässige Energieversorgung wird dadurch zu einem wichtigen Standort- und Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die Stromnetze betreiben oder Energie bereitstellen, könnten deshalb ebenfalls zu den langfristigen Profiteuren zählen.

Darüber hinaus eröffnen sich Chancen in Bereichen wie elektrischer Infrastruktur, Rechenzentrumsausrüstung oder kritischen Rohstoffen. Langfristig könnten auch jene Unternehmen profitieren, die KI besonders erfolgreich einsetzen, um ihre Produktivität zu erhöhen oder neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Trotz aller Chancen zeigen sich jedoch immer mehr Herausforderungen. Die enorme Investitionswelle muss sich letztlich wirtschaftlich rechtfertigen. Der entscheidende Test für die Branche lautet deshalb nicht mehr, ob KI nützlich ist, sondern ob die erzielten Vorteile groß genug sind, um die hohen Investitionen dauerhaft zu rechtfertigen. Viele Unternehmen prüfen inzwischen genauer, welche Anwendungen tatsächlich einen messbaren Mehrwert liefern und wo sich Kosten einsparen lassen.

Hinzu kommt ein zunehmender Preiswettbewerb. Während die Erwartungen an KI weiter steigen, geraten die Preise vieler Modelle bereits unter Druck. Besonders chinesische Anbieter haben in den vergangenen Monaten aufgeholt. Sie bieten leistungsfähige Lösungen oft deutlich günstiger an als ihre US-Konkurrenten. Dadurch könnte sich der Wettbewerb verschärfen und die Gewinnmargen vieler Anbieter belasten.

Auch auf politischer Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung. KI wird zunehmend als strategische Technologie betrachtet. Exportbeschränkungen, regulatorische Eingriffe oder geopolitische Spannungen können deshalb direkten Einfluss auf Unternehmen und Lieferketten haben. Gleichzeitig stoßen der Ausbau von Rechenzentren und der steigende Energieverbrauch nicht überall auf Zustimmung, was den weiteren Ausbau der Infrastruktur verlangsamen könnte.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies, dass KI zwar ein attraktiver langfristiger Trend bleibt, die Chancen jedoch zunehmend differenziert betrachtet werden müssen. Die Phase, in der nahezu jedes Unternehmen mit KI-Bezug von der allgemeinen Euphorie profitieren konnte, dürfte allmählich vorbei sein. Stattdessen rückt stärker in den Vordergrund, welche Unternehmen bereits heute reale Einnahmen erzielen, von strukturellen Engpässen profitieren oder über eine besonders starke Marktposition verfügen.

Die hohe Innovationsgeschwindigkeit sorgt dafür, dass sich Marktanteile, Gewinner und Verlierer schnell verändern können. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Unternehmen, ihre Investitionen tatsächlich in steigende Gewinne umzuwandeln. Für Anleger wird daher eine sorgfältige Auswahl wichtiger als eine breite Wette auf das gesamte KI-Universum.

Insgesamt bleibt KI eines der wichtigsten langfristigen Wachstumsthemen der kommenden Jahre. Die Nachfrage nach Rechenleistung, Infrastruktur und Energie dürfte weiter steigen, während neue Anwendungen laufend entstehen. Gleichzeitig nehmen Konkurrenzdruck, Kostenfragen und Bewertungsrisiken zu. Gerade in einem Umfeld großer Erwartungen erscheint deshalb ein selektiver und nüchterner Blick auf die tatsächlichen Gewinner der KI-Revolution wichtiger denn je.

Abb. 2.1 Kosten und Nutzen – im richtigen Verhältnis?

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Quelle: Artificial analysis intelligence index; Deutsche Bank Research, DWS Investment GmbH, Stand: 18.06.2026

Autoren:

Vincenzo Vedda, Chefanlagestratege

Benjardin Gärtner, Globaler Aktienchef

Tobias Rommel, Portfolio Manager

Anlageprodukte:

DWS Invest Artificial Intelligence LD / LC (LU1863263429 / LU1863263346)
DWS Invest Essential Materials Producers LC (LU3303517059)
Xtrackers Artificial Intelligence and Big Data UCITS ETF 1C (IE00BGV5VN51)

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