Coronavirus, Krise, Rezession: Was bedeutet Rezession für Anleger wirklich? Zu Recht ein Schreckgespenst? Nicht unbedingt – denn hierzulande waren alle Rezessionsphasen in Wirklichkeit hervorragende Börsenjahre. Lesedauer 3 – 4 Min.

„Rezession“ ist für Anleger ein Schreckenswort. „Anleger sollten sich warm anziehen“, „Furcht vor Rezession verschreckt Anleger“, „Die große Angst“ – so lauten die Schlagzeilen, wenn schlechte Konjunkturdaten veröffentlicht werden. Und die haben in diesem Jahr alle Ökonomen auf der Rechnung. Durch die global unterbrochenen Lieferketten im Zuge der Corona-Pandemie ist die schon zuvor fragile Konjunktur außer Tritt geraten. Praktisch überall werden Minuszeichen vor der Entwicklung des BIP erwartet. Und das wird sich nicht nur auf das erste Quartal beschränken, in dem wir die Ergebnisse schon vor Augen haben. Damit werden die definierenden Bedingungen einer „technische Rezession“, also ein rückläufiges oder stagnierendes BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, auf jeden Fall erfüllt sein. Lesen Sie mehr zum Thema Rezession und ihrer Rolle im Konjunkturzyklus.

Der erste Reflex vieler Anleger ist ein Fluchtreflex: Sie wollen risikobehaftete Anlageklassen wie Aktien aus dem Portfolio nehmen, weil sie verunsichert sind und nachlassende Unternehmensergebnisse sehen und auch weiterhin erwarten. Wirklich zielführend ist das aber für kaum jemanden. Denn die Krise hat mit den Reaktionen der Zentralbanken wie etwa der vollständigen Rücknahme der zaghaften Leitzinsanhebungen seit 2015 durch die Fed und die neuerliche Anleihekaufoffensive der EZB noch einmal unterstrichen: Die Zeiten eines risikolosen positiven Zinses sind vorbei – und ob wir jemals erleben, dass sie wiederkommen, ist mehr als ungewiss. Daher gefährdet der Verzicht von Anlegern auf Aktien ihre Ziele der langfristigen Vermögensbildung. Und objektiv gerechtfertigt ist es auch nicht, wie ein Blick auf die Rezessionen im Nachkriegsdeutschland durchaus überraschend zeigt.

Rezessionsjahre – gute Jahre für Aktien

Rezession – ist erst einmal kein Grund zur Panik für Aktienanleger. Vielmehr sind Übersicht und Ruhe gefragt: Denn auch wenn nicht jede Erfahrung aus der Vergangenheit eine Garantie für künftige Entwicklung ableiten lässt, sollte man sich einmal die Frage stellen: Wie entwickelten sich Aktien eigentlich üblicherweise in Zeiten von Rezession? Die überraschenden Fakten: Historisch gibt es überhaupt keinen Grund, sich von Aktien abzuwenden. Vor Augen führen kann man sich das konkret am deutschen Aktienmarkt und der BIP-Entwicklung hierzulande.

Eine rückläufige Wachstumsrate beim BIP war für Anleger im deutschen Markt kein Schreckensszenario. Im Gegenteil. In der Geschichte der Rezessionen in Deutschland seit 1945 galt bisher die Regel: Rezessionsjahre sind gute, oft hervorragende Börsenjahre, die man nicht verpassen sollte.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat es in Deutschland sechs Rezessionen gegeben, in denen das reale BIP für ein ganzes Kalenderjahr absolut zurückgegangen ist. In diesen Jahren stieg der deutsche Aktienindex jeweils um mehr als 10%.1 In der vom Platzen der Dot-Com-Blase ausgelösten Rezession 2002/03, als die BIP-Entwicklung zwei Jahre in Folge mit Minuszeichen versehen war, brachte 2003 fast rekordverdächtig ein Plus von beinahe 40%. Als das BIP im Jahr nach der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2009 um 5,7% einbrach, stieg der DAX um fast 25%. 1993 ging das BIP um 1% zurück, der Index bewegte sich aber um satte 47% nach oben (siehe Grafik).

Rezessionsjahre waren gute Börsenjahre (Grafik als Download verfügbar)
BIP-Rückgang und DAX-Entwicklung

DAX ist ein Index der Deutschen Börse, der die 30 größten und liquidesten Unternehmen Deutschlands umfasst. Er wurde 1988 eingeführt und setzt den Index der Börsen-Zeitung fort, dessen Geschichte bis 1959 zurückreicht. Quellen: Datastream, Statistisches Bundesamt (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Wichtige Zusammenhänge im Überblick 2018)

Anleger: Nicht die Nerven verlieren

Für Anleger gilt daher: Nicht in blinden Aktionismus verfallen! Wenn eine Rezession tatsächlich vorliegt, ist das kein guter Zeitpunkt für den Abbau von Aktienpositionen. Aktien zu halten oder sogar sukzessive die Aktienexponierung – in einem diversifizierten Portfolio – auszubauen dürfte zumindest aus der historischen Erfahrung die bessere Strategie sein.

Für Langfristanleger gilt ohnehin, dass sie sich über kurzfristige Schwankungen und selbst einschneidende Korrekturen wenig Gedanken zu machen brauchen. Auf- und Abschwung gehören zur Marktwirtschaft ebenso wie zur Börse. Und auf lange Sicht ging es schon immer aufwärts. Das lässt sich zumindest mit Blick auf die Vergangenheit (und wie immer ohne Zukunftsgarantie) jedenfalls für Deutschland belegen. Das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts belegt: Wer 1968 eingestiegen ist und DAX-Werte 50 Jahre gehalten hat, kam Ende 2018 auf eine Rendite von 7,9% im Jahr. Bei Kauf vor 25 Jahren ergab sich ein Plus von 6,3%, bei 15 Jahren 6,7% im Jahr.2 Zahlen, mit denen die meisten langfristig orientierten Anleger als Renditeaussichten durchaus gut leben könnten. Nur dürfen sie dazu eines nicht tun – sich zur falschen Zeit von Aktien abwenden.

Quellen:
1 BIP-Daten: Statistisches Bundesamt, Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen, Wichtige Zusammenhänge im Überblick, 2018. DAX-Entwicklung: Datastream.
2 Deutsches Aktieninstitut DAI, Renditedreieck 2018.

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