Für Damien Buchet, Chief Investment Officer bei Principal Finisterre, sind Schwellenländeranleihen ein Werkzeugkasten, um Überzeugungen umzusetzen und Risiken über verschiedene Marktzyklen hinweg zu steuern.

Bei Schwellenländeranleihen lässt sich Risiko am besten nicht anhand von Anlageklassenbezeichnungen oder Benchmark-Konstruktionen verstehen, sondern vielmehr daran, wie Anlageüberzeugungen umgesetzt werden.

Bei Principal Finisterre betrachten wir Schwellenländeranleihen als einen Werkzeugkasten. Jede Investition beginnt mit einer klaren Investmentthese – einer Einschätzung zu makroökonomischen, kreditbezogenen oder emittentenspezifischen Faktoren, die das jeweilige Chancenuniversum prägen. Diese These bildet den Rahmen, innerhalb dessen Positionen aufgebaut werden.

Die Größe und Vielfalt des Schwellenländeranleihe-Universums ermöglicht diesen Ansatz. Unterschiedliche Instrumente innerhalb eines Landes und über Länder hinweg reagieren verschieden auf makroökonomische Entwicklungen, politische Entscheidungen und Kreditereignisse. Dadurch entstehen zahlreiche Möglichkeiten, dieselbe zugrunde liegende Überzeugung umzusetzen.

Die Performance ist somit nicht von einem einzelnen Markttreiber abhängig, sondern kann durch die Kombination von Entwicklungen auf Länder-, Sektor- und Instrumentenebene aufgebaut werden, die sich in unterschiedlichen Phasen des Marktzyklus entfalten.

Dies schafft eine klare Abgrenzung zwischen benchmarkorientiertem Investieren und einem von Überzeugungen geleiteten Investmentansatz. Für uns ist nicht entscheidend, ob eine Position Teil eines Index ist, sondern ob die Qualität unserer Analyse die Übernahme eines Risikos überhaupt rechtfertigt.

Auf dieser Grundlage wählen wir die effektivste Möglichkeit, unsere Einschätzung umzusetzen – nämlich dort, wo das Verhältnis von Risiko und Ertrag am attraktivsten erscheint.

Von der Einschätzung zur Umsetzung

Sobald eine Investmentthese formuliert ist, lautet die entscheidende Frage, wie sie in konkrete Positionen übersetzt werden sollte. Währungen, Duration und Kreditrisiken sind eigenständige Instrumente, mit denen dieselbe zugrunde liegende Überzeugung auf unterschiedliche Weise umgesetzt werden kann.

In einigen Fällen spiegeln sich makroökonomische Ungleichgewichte am unmittelbarsten in den Devisenmärkten wider. In anderen Fällen bieten die Zinsmärkte die klarste Möglichkeit, Erwartungen an die Geldpolitik auszudrücken. Im Bereich der Unternehmensanleihen wiederum können Bewertungen und Fundamentaldaten den direktesten Zugang zur Umsetzung einer Investmentthese bieten.

Wichtig ist dabei, dass diese Instrumente keine fest zugewiesenen Rollen innerhalb eines Portfolios haben. Sie sind austauschbare Ausdrucksformen derselben Research-Erkenntnisse und werden jeweils dort eingesetzt, wo Anleger zum jeweiligen Zeitpunkt am besten für das eingegangene Risiko entschädigt werden.

Dadurch können Schwellenländeranleihen nicht als homogene Anlageklasse, sondern als flexibles Anlageuniversum betrachtet werden, innerhalb dessen sich mit demselben Werkzeugkasten unterschiedliche Risiko- und Renditeprofile gestalten lassen.

Aus demselben Anlageuniversum lassen sich sehr unterschiedliche Anlageergebnisse erzielen – sei es ein opportunistisch ausgerichteter Total-Return-Ansatz, der von Bewertungsveränderungen und makroökonomischen Entwicklungen profitieren soll, oder ein einkommensorientierter Ansatz, der auf die Vereinnahmung von Carry-Erträgen über die Zeit fokussiert ist. Ebenso lassen sich diese Strategien problemlos stärker in Richtung eines Investment-Grade-orientierten Total-Return-Portfolios ausrichten oder bestehende Einkommensstrategien an strengere Kurzläufer-Vorgaben anpassen.

In jedem Fall bestimmt das Anlageziel und nicht die Anlageklasse selbst, wie Research-Erkenntnisse in die Portfoliozusammenstellung umgesetzt werden.

Risiko als Research-Disziplin

Unser Ansatz zum aktiven Risikomanagement bei Schwellenländeranleihen basiert weniger auf einer kontinuierlichen Anpassung des Portfolios als auf der Disziplin, Anlageüberzeugungen konsequent umzusetzen.

Im Zentrum des Prozesses steht ein einfaches Prinzip: Wenn die zugrunde liegende Investmentthese richtig ist, kann sie über verschiedene Risikoquellen ausgedrückt werden. Entscheidend ist vor allem die Qualität dieser Einschätzung zu Beginn.

Für Principal Finisterre macht dies Research zum wichtigsten Risikofilter. Dabei geht es nicht nur darum, Chancen zu identifizieren, sondern vor allem darum festzustellen, ob eine Investmentthese ausreichend belastbar ist, um die Übernahme eines Risikos überhaupt zu rechtfertigen.

Dies ist insbesondere in unseren einkommensorientierten Portfolios von Bedeutung, deren Ziel darin besteht, langfristig investiert zu bleiben und kontinuierlich Kuponerträge zu vereinnahmen. In diesem Zusammenhang hängt der Anlageerfolg weniger davon ab, auf kurzfristige Volatilität zu reagieren, sondern vielmehr davon, investiert zu bleiben, solange die zugrunde liegende Investmentthese intakt ist.

Auf diese Weise wird Risikomanagement zu einer Funktion der Qualität des Research-Prozesses. Das Ziel besteht nicht in einer ständigen Optimierung des Portfolios, sondern darin, Positionen zu vermeiden, deren Investmentthese nicht robust genug ist, um eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen zu überstehen.

Wo die Überzeugung hoch ist, werden Positionen gehalten und die Erträge können sich über die Zeit aufbauen. Der Fokus liegt darauf, ausreichend lange investiert zu bleiben, um die in der Anlageklasse enthaltenen Carry-Erträge zu vereinnahmen. Lässt die Überzeugung in die Investmentthese nach, werden Positionen reduziert oder geschlossen, um potenzielle Verluste frühzeitig zu begrenzen.

Für uns wird die Qualität der Ergebnisse bei Schwellenländeranleihen letztlich durch die Qualität des Researchs und die Fähigkeit bestimmt, Überzeugungen innerhalb eines breiten und flexiblen Instrumentariums klar umzusetzen.

Das Ergebnis ist kein Risikokonzept, das auf einer einzigen Renditequelle basiert. Vielmehr handelt es sich um einen Ansatz, der mehrere sich ergänzende Ausdrucksformen desselben Research-Prozesses kombiniert – unterschiedlich eingesetzt, aber stets auf fundierten Überzeugungen basierend.

Principal Global Investors ist die Vermögensverwaltungseinheit der 1879 gegründeten und börsennotierten Principal Financial Group mit Hauptsitz in Des Moines, Iowa. Zum 31. Dezember 2025 verwaltet die US amerikanische Gesellschaft ein Anlagevolumen von 593,8 Mrd. USD. Unser Fokus liegt auf der Betreuung von Pensionskassen, Versorgungseinrichtungen und weiteren institutionellen Anlegern. Als Multi-Investmenthaus ist Principal so strukturiert, dass spezialisierte Investment-Teams eigenständige Anlagestrategien entwickeln und umsetzen. Dadurch verbinden wir die Vorteile einer globalen Plattform mit der Expertise hochspezialisierter Asset Management Einheiten.

Strategien für Ihre Kundenportfolios:

Die unterschätzte Vielfalt der Schwellenländeranleihen

Schwellenländeranleihen werden oft als einheitliche Anlageklasse wahrgenommen…


Principal Asset Management

Principal Asset Management

Experten-Gastbeitrag

Fixed-Income-Strategien: Streuung als Chance | Principal

Während an den Märkten eine negative Grundstimmung vorherrscht, erläutert Mic…


Principal Asset Management

Principal Asset Management

Experten-Gastbeitrag