Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern wurden von Anlegern hierzulande lange wenig beachtet. Die Zunahme von lokalen Investoren und Liquidität verbunden mit besonderen Renditechancen lassen das Lokalwährungsengagement zunehmend attraktiv werden.

Anleger davon zu überzeugen, dass jedes Portfolio – mit Ausnahme solcher mit sehr kurzem Anlagehorizont – mindestens eine kleine Allokation in den Schwellenländern haben sollte, dürfte nicht schwerfallen. Dazu reicht der Hinweis, dass derzeit 50 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (gemessen an der Kaufkraftparität) in Entwicklungsländern erwirtschaftet werden und dass sieben der zehn größten Volkswirtschaften des Jahres 2050 heute noch Entwicklungsländer sind.

Viele Anleger haben sich in das Schwellenländersegment über Anlagen in Hartwährungen (HW) vorgetastet – in der Regel über Währungen wie US-Dollar oder Euro – und dabei meistens gute Ergebnisse erzielt. Degroof Petercam Asset Management ist jedoch fest davon überzeugt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, bei Anlagen in den Schwellenländern einen Schritt weiter zu gehen und auch das Segment der Lokalwährungen (LW) ins Visier zu nehmen.

Ein attraktives Liquiditäts-Rendite-Profil

Anders als man meinen möchte, wird durch die Fokussierung auf Staatsanleihen in lokaler Währung die Liquidität nicht eingeschränkt. Letztendlich sind große Märkte für Lokalwährungsanleihen die Domäne der am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt, die zugleich meistens unabhängige Zentralbanken mit einem klaren Auftrag zur Eindämmung der Inflation haben. Gleichzeitig verfügen sie über eine ausgeklügelte Marktinfrastruktur einschließlich eines tiefen Währungsmarktes. Des Weiteren verfügen sie über und profitieren von einer großen und weiterwachsenden inländischen Investorenbasis. Die meisten Länder bemühen sich darum, ihre Abhängigkeit von externer Finanzierung zu verringern. Es sollte daher nicht überraschen, dass das LW-Anleihensegment in allen Schwellenländern allmählich über das Segment der Hartwährungen hinausgewachsen ist. Das LW-Segment ist heute in den meisten Fällen der bevorzugte Markt, der gute Renditen mit besserer Liquidität verbindet.

Eine unbeachtete Anlageklasse

LW-Schwellenländeranleihen sind eine Anlageklasse, die internationale Anleger im Vergleich zu HW-Schwellenländeranleihen zu wenig besitzen. Wenngleich die Weltbank berechnet hat, dass der ausländische Besitz von LW-Schwellenländeranleihen in den vergangenen sieben Jahren erheblich zugenommen hat, liegt die Besitzquote der meisten Länder immer noch unter 20 Prozent der gesamten umlaufenden Titel und damit deutlich unter dem Niveau des ausländischen Besitzes von HW-Schwellenländeranleihen. Hierdurch vernachlässigen sie auf sträfliche Weise die relative Größe der zugrunde liegenden Märkte und die relative Größe der Handelsvolumina. Es scheint unausweichlich zu sein, dass sich dieses Verhältnis in Zukunft umkehren und die zunehmende Vertrautheit mit einem immer mehr betriebenen geordneten Währungsmanagement die Kapitalflüsse in LW-Schwellenländeranleihen erhöhen wird. Nach dem Werk „Fundamental Law of Active Management“ von Grinold und Kahn erhöht das erweiterte Spektrum an Möglichkeiten, das Lokalwährungsmärkte bieten, die Chancen eines versierten Managers, Mehrwert zu generieren. Das Exposure lässt sich exakt nach den Wünschen des Managers zuschneiden. Er kann unerwünschte Währungsrisiken absichern und ganz gewiss auf eine größere Vielfalt von Anlageinstrumenten zurückgreifen.

„Es ist der Carry, verrückt ...“

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Quelle: DPAM, JP Morgan, 13. April 2022

In der Grafik ist die Gesamtrendite von LW- Schwellenländeranleihen (JP Morgan GBI EM) in ihre drei Komponenten aufgeschlüsselt, nämlich Kapitalgewinne aus dem Rückgang von Anleiherenditen, Währungsschwankungen und Carry. Kapitalgewinne waren im Betrachtungszeitraum erheblich und haben sich im Zuge des starken weltweiten Disinflationstrends beständig nach oben entwickelt. Während in den 1990er-Jahren 50 Prozent der Schwellenländer zweistellige Inflationszahlen verzeichneten, ist diese Zahl allmählich auf unter zehn Prozent gesunken. Betrachtet man den langfristigen nominalen Beitrag von LW-Schwellenländeranleihen, wird deutlich, warum sich so viele Anleger nicht mit dem Gedanken anfreunden können, Schwellenländerrisiken im Portfolio zu haben. Denn die Volatilität ist hoch, was das Timing bei LW-Schwellenländeranleihen sehr schwierig macht. Das ist an sich schon hart genug, aber die Grafik zeigt auch, dass LW-Schwellenländeranleihen in den meisten Fällen einfach fallen. Das sollte uns am Ende aber nicht zu sehr überraschen, da man etwas dafür zurückbekommt, dass man die Volatilität aushält, nämlich den Carry. Carry spielt eine Schlüsselrolle! Er ist die beständige, langfristige Triebkraft der Rendite von Schwellenländeranleihen. Letztendlich übertrifft der Carry alle anderen Faktoren bei weitem und erfordert nur eines, nämlich ständig in dem Markt investiert zu sein.

Mit den lokalen Investoren in einem Boot

Das durchschnittliche Bonitätsprofil von Anleihen in lokaler Währung ist bedeutend besser als das von Papieren in Hartwährung. Ausfälle in lokaler Währung sind unwahrscheinlich bei Ländern mit Schuldtiteln, die vorwiegend auf die eigene Währung lauten und lange Laufzeiten haben. Diese Länder sind in der Lage Geld zu drucken. Hinzu kommt, dass in den meisten lokalen Währungsmärkten Ausfälle auf die eigene Steuerbasis durchschlagen. Angesichts einer hohen Quote von heimischen Anleiheinhabern ist dies wirtschaftlich kaum sinnvoll. Ausfälle bringen wenig ein, wenn man im Gegenzug die Löcher in der Bilanz des heimischen Finanzsektors stopfen muss. All das erklärt, warum Renditen von Anleihen in Lokalwährungen nicht besonders anfällig für die Bonität des emittierenden Staates sind. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass Lokalwährungsanleihen hierdurch nicht risikofrei sind. Man hat vielmehr das Ausfallrisiko gegen das Währungsrisiko getauscht, einen bei weitem zugänglicheren Widersacher.

Zyklische Gründe

Obwohl wir zur Vorsicht beim Timing von LW-Schwellenländeranleihen gemahnt haben, glauben wird, dass wir es bei zyklischer Betrachtung im Moment mit einem ausgesprochen günstigen Zeitpunkt zu tun haben. Während die jüngsten Wachstumsraten der Schwellenländer (insbesondere der Frontier-Märkte) möglicherweise die niedrigsten nach der Krisenzeit sind und unter den historischen Durchschnittswerten liegen, scheinen sie eindeutig eine Wende vollzogen zu haben. Es besteht eine klare positive Korrelation zwischen dem durchschnittlichen Wachstum und der nominellen Stärke von LW-Schwellenländeranleihen. Überdurchschnittliche Wachstumsunterschiede ziehen traditionell günstige Zeiten für LW-Schwellenländeranleihen nach sich. Ein   vielversprechendes Wachstum lockt tendenziell ausländische Direktinvestitionen an, lange bevor sich die Leistungsbilanzen aufgrund eines gestiegenen Konsums verschlechtern.

Fazit

Sowohl längerfristige Entwicklungen als auch kurzfristige zyklische Faktoren veranlassen uns zu einer weiterhin sehr positiven Einstellung gegenüber den Schwellenländern. Investitionen in Schwellenländeranleihen, die auf Lokalwährungen lauten, könnte durchaus die beste Art und Weise sein, diese vielversprechende Zukunft für sich zu nutzen.

Anlageprodukte:

DPAM L Bonds Emerging Markets Sustainable (LU0907927338 / LU0907927171 / LU0966596875)

Degroof Petercam AM (DPAM) ist eine in den Beneluxländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only-Anlagekonzepten sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen.

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