Vietnams Börse steht unter Druck – doch Wirtschaftswachstum, Rekordzuflüsse bei Direktinvestitionen und steigende Unternehmensgewinne zeichnen ein deutlich positiveres Bild. Eine Chance für langfristig orientierte Investoren?

Der vietnamesische Aktienmarkt steht derzeit unter Druck. Internationale Investoren fehlen weitgehend als Käufer, geopolitische Unsicherheiten belasten die Risikobereitschaft und technische Verkäufe haben die jüngste Korrektur verstärkt. Gleichzeitig zeichnen die Realwirtschaft und viele börsennotierte Unternehmen ein deutlich positiveres Bild.

Für langfristig orientierte Investoren ist diese Diskrepanz interessant. Während Kapitalflüsse und Marktpsychologie die Kurse kurzfristig bestimmen, sind langfristig vor allem Gewinnwachstum, Bilanzqualität und Wettbewerbsfähigkeit für den Unternehmenswert entscheidend.

Aus unserer Sicht ist die aktuelle Schwäche daher eher eine Konsolidierungsphase innerhalb einer intakten Wachstumsgeschichte als ein fundamentaler Trendwechsel.

Die strukturellen Wachstumstreiber sind intakt

Vietnams Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 8,39 Prozent und im gesamten ersten Halbjahr um starke 8,18 Prozent. Dieses Wachstum wurde trotz höherer Energiepreise, geopolitischer Spannungen und einer unsicheren globalen Handelspolitik erreicht.

Auch die ausländischen Direktinvestitionen bestätigen die anhaltende Dynamik. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die realisierten Investitionen 13,03 Milliarden US-Dollar und damit den höchsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Dies unterstreicht Vietnams anhaltende Attraktivität als Produktions- und Investitionsstandort für internationale Unternehmen.

Gleichzeitig gewinnt der Binnenkonsum an Dynamik. Steigende Einkommen, die fortschreitende Urbanisierung und eine wachsende Mittelschicht führen zu höheren Konsumausgaben. Die verbesserten Ergebnisse führender Konsum- und Einzelhandelsunternehmen spiegeln diese zunehmende Kaufkraft wider.

Vietnams Wachstum steht damit auf mehreren Säulen: Industrie, ausländische Direktinvestitionen, Infrastruktur und Binnenkonsum. Diese breite Basis dürfte der wirtschaftlichen Entwicklung auch in den kommenden Jahren zusätzlichen Schwung verleihen.

Unternehmen entwickeln sich besser als der Markt

Auch auf Unternehmensebene bleiben die Signale positiv. Für die börsennotierten Unternehmen wurde im zweiten Quartal ein aggregiertes Gewinnwachstum von rund 15 Prozent erwartet. Für 2027 liegen die Erwartungen bei etwa 17 Prozent.

Die Konsolidierung eröffnet neue Chancen

Die entscheidenden Wachstumstreiber haben sich nicht verschlechtert: Das Wirtschaftswachstum bleibt hoch, ausländische Direktinvestitionen erreichen neue Höchststände, die Industrialisierung schreitet voran und der Binnenkonsum gewinnt an Kraft.

Die schwächere Börsenentwicklung steht damit im Kontrast zur fundamentalen Realität. Einige Unternehmen werden trotz weiter steigender Gewinne und intakter langfristiger Perspektiven wieder zu attraktiveren Bewertungen gehandelt. Daraus können sich interessante Chancen für langfristig orientierte Investoren ergeben.

Warum aktives Management jetzt entscheidend ist

Gerade in solchen Marktphasen zeigt sich der Wert aktiven Managements. Unsere Aufgabe besteht darin, Unternehmen mit soliden Bilanzen, nachhaltigem Gewinnwachstum, starken Marktpositionen und langfristigen Wettbewerbsvorteilen zu identifizieren. Gleichzeitig meiden wir Firmen mit hoher Verschuldung, schwacher Cashflow-Qualität oder einer starken Abhängigkeit von kurzfristiger Marktstimmung.

Unsere lokale Präsenz hilft uns zu beurteilen, ob ein Kursrückgang lediglich auf technische Faktoren zurückzuführen ist oder ob sich die fundamentale Investmentthese tatsächlich verändert hat.

Die ab September 2026 beginnende Aufnahme Vietnams in die FTSE-Kategorie „Secondary Emerging Market“ dürfte die internationale Sichtbarkeit des Marktes erhöhen. Für eine nachhaltige Rückkehr ausländischer Investoren bleiben jedoch Unternehmensgewinne, Liquidität, Marktzugang und die konsequente Umsetzung der Reformen entscheidend.

Kurzfristig dürfte der Markt volatil bleiben. Die strukturellen Wachstumstreiber und die operative Entwicklung vieler Unternehmen sprechen jedoch dafür, dass die langfristige Investmentthese intakt ist.

Wenn Aktienkurse und Unternehmensentwicklung auseinanderlaufen, entstehen Bewertungsdiskrepanzen. Genau dort liegen die Chancen für aktives Management.

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