Kryptowährungen haben rasant an Popularität gewonnen, verbrauchen aber für Instandhaltung der Blockchain und das Mining so viel Energie wie ganze Länder. In welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis steht die Verwendung der digitalen Währungen?

Kryptowährungen und insbesondere der Bitcoin und Ethereum haben in den letzten Jahren rasant an Popularität unter Investoren gewonnen und verzeichnen eine stetig wachsende Marktkapitalisierung. Darüber hinaus erhielten Fonds mit bedeutendem Krypto-Anteil im Anlageportfolio jüngst sogar Auszeichnungen von etablierten Nachhaltigkeitssiegeln in der DACH-Region. Gleichzeitig erheben sich besorgte Stimmen verantwortungsvoller Investoren, denn der Energieverbrauch für die fortlaufende Instandhaltung der Bitcoin-Blockchain und das „Mining“ neuer Bitcoins sind die treibenden Argumente in der angeregten Debatte darüber, in welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis die Verwendung der digitalen Währung steht.

Mit Stand Ende Januar 2022 beträgt der Energie-Fußabdruck einer durchschnittlichen Transaktion im Bitcoin Netzwerk 2200 kWh, das entspricht dem Energie-Verbrauch von 75 Tagen eines durchschnittlichen US-Haushalts oder den CO2-Fußabdruck von 2,3 Millionen durchgeführten Transaktionen mit einer handelsüblichen Kreditkarte. Neben der Funktion des Zahlungsmittels nimmt Bitcoin den Zweck eines Wertspeichers ein und wird daher wegen einer Vielzahl von vergleichbaren Merkmalen unter Investoren oftmals mit Gold verglichen. Bei diesem Vergleich wird in der Regel alleine der benötigte Energieaufwand von neu geschöpftem Gold mit dem Energieaufwand neu geschöpfter Bitcoin verglichen. Dieser Vergleich hinkt, denn nachdem das Gold einmal aus der Erde extrahiert worden ist, braucht es für den Erhalt quasi keinen Energieaufwand mehr und ist sozusagen in physischer Form energieautonom und das über Jahrhunderte hinweg. Anders als beim Gold braucht jedoch der Bitcoin entlang des auf ewig angelegten Fortbestandes eine stetige Energiezufuhr als Existenzvoraussetzung und das 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Energieverbrauch wie ganze Länder

Das Ausmaß des Energievebrauchs im Gesamtnetzwerk beträgt laut dem Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index jährlich bei der aktuellen Anzahl der täglich durchgeführten Netzwerk-Transaktionen circa 126 TWh (Terawattstunden), was etwa dem aktuellen Energieverbrauch von Norwegen, Polen oder Schweden entspricht.

Gleichzeitig beinhaltet die Verwendung von Bitcoin als Zahlungsmittel versteckte Kosten in Form von elektronischem Schrott, die bei jeder einzelnen Transaktion ein weiteres ökologisches Problem darstellt und hauptsächlich durch den Verschleiß der Mining-Hardware zur Aufrechterhaltung des Bitcoin-Netzwerks entsteht. Dieser wird von dem Branchendienst Digiconomist aktuell mit 353 Gramm pro Transaktion (!) bemessen, gleichzusetzen mit dem anfallenden Elektroschrott Gewicht von circa 2 iPhones.

Damit ist das Bitcoin-Netzwerk bereits heute für geschätzte 0,5 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich. Die Ansiedelung der Mining-Farmen folgt aufgrund der dezentralen Natur des Netzwerks ausschließlich der Logik komparativer Vorteile, die sich schlicht nach möglichst günstigen Energiepreisen und vergleichsweise niedrigen Regulierungen im Herstellerland auszeichnen.

159 Länder der Welt verbrauchen weniger Energie als Bitcoin-Mining

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Quelle: https://powercompare.co.uk/bitcoin/

Nachdem China, als ehemaliges Mekka der Krypto-Mining Industrie, im Juni 2021 alle Mining Aktivitäten im eigenen Land verboten hat, haben sich die Mining Betriebe auf umliegende Länder verteilt und die USA avancierte mit schätzungsweise 1/3 der globalen Mining-Aktivität zum neuen weltweiten Vorreiter. Demzufolge wenig überraschend fanden Anfang des Jahres 2022 erste Anhörungen im Ausschuss für Energie und Handel des US-Kongresses statt, um das Ausmaß und die Verhältnismäßigkeit des Energieaufwands näher ermitteln zu können. Der Ausgang der Anhörung ist offen und die gesetzlichen Konsequenzen noch ungewiss.

Ökologische Folgekosten

Die Frage, wie viel Energie ein dezentrales „Geldsystem“ für sich beanspruchen darf, hängt zweifelsohne auch von der Dringlichkeit des individuellen Bedarfs und den vorhandenen Rahmenbedingungen der Länder bzw. Wirtschafts- und Währungsunionen ab. Der in Fachkreisen von Krypto-Befürwortern verwendete Begriff der „monetary tyranny“ (Konfiszierung von Vermögenswerten, Hyperinflation, kein Zugang zu Bankdienstleistungen für einen Teil der Bevölkerung, Kapitalkontrollen etc.) ist ein aus liberaler Sicht verständlicher Beweggrund, in der Kosten-Nutzen-Abwägung nicht pauschal den Ressourcenverbrauch als Ausschlusskriterium anzuerkennen. Investoren von Kryptowährungen sollten sich jedoch einmal mehr über die Umstände der aufgeführten ökologischen Folgekosten bewusst werden und den individuellen Nutzen und die Auswirkungen aus ethisch-nachhaltiger Perspektive kritisch reflektieren.

Von Luisa Lange, Ethius Invest

Anlageprodukte:

Ethius Global Impact (DE000A2QCXY8 / DE000A2QCXZ5 / DE000A2QCX03 / DE000A2QCX11)

Die Ethius Invest Schweiz ist ein ethisch-nachhaltiger Vermögensverwalter und Initiator des Ethius Global Impact Fonds. Die Anlagephilosophie verfolgt das Prinzip eines konsequenten Nachhaltigkeitsansatzes. Der Nachhaltigkeitsanspruch stellt keine Ergänzung, sondern den Grundgedanken des Unternehmens dar.

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