Durch den rasanten Kursanstieg der großen US-Technologiewerte ist deren Gewichtung in Indizes wie dem S&P 500 oder MSCI World stark gewachsen. Setzen Anleger auf solche Indizes, wetten sie auf den Fortbestand der Rally. Ein Fall für kompetente Beratung. Lesedauer 2 – 3 Min.

Wer in große, breit streuende Indizes investiert, erwartet normalerweise vor allem eines: eine gute Diversifikation. Denn Indizes, etwa der DAX oder der S&P 500, haben den Anspruch, den Markt eines ganzen Landes abzubilden, im Fall des MSCI World sogar den globalen Aktienmarkt. In der Praxis ist das allerdings nicht immer der Fall – jedenfalls nicht in dem Maße, wie es sich viele Anleger wünschen. Das zeigt sich an den jüngsten Bemühungen um die Erweiterung des DAX von 30 auf 40 Einzelwerte. Aber selbst bei Indizes, die aus mehreren hundert Titeln bestehen, ist eine wirkungsvolle Streuung nicht garantiert.

Beispiel, der S&P 500. Der US-Aktienindex besteht zwar aus 500 und damit viel mehr Einzeltiteln als der deutsche Leitindex, von breiter Streuung mit effektiver Risikodiversifikation kann aber mittlerweile auch hier nicht mehr die Rede sein. Denn durch die Rally der Technologieriesen Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft (kurz GAFAM) machten diese schon Mitte des Jahres mehr als ein Fünftel am größten Aktienmarkt der Welt aus (s. Grafik)1. Das Bonmot am Markt dazu: Eigentlich könnte man beim S&P 500 die Nullen getrost streichen und vom S&P 5 sprechen.

Schwergewichte oder Übergewichte? (Grafik als Download verfügbar)
Anteil der GAFAM am S&P 500

Quelle: Datastream/Refinitiv, Anteile der Aktien von Google (Alphabet), Amazon, Facebook, Apple und Microsoft am S&P 500 nach Marktkapitalisierung. Stand: August 2020

Auch im Industrieländer-Index MSCI World dominieren die US-Tech-Riesen, Ende September lag deren Gewicht bei 14 Prozent. Allein Apple und Microsoft kamen mit gut 7 Prozent in etwa auf die gleiche Gewichtung wie Japan.2

Achtung, Momentum-Falle!

Hintergrund der Rally: Die Big Techs leiden nicht unter der Corona-Krise, sie profitieren sogar von ihr. Amazon zum Beispiel, zwar ein Online-Händler, aber auf Basis einer technologisch führenden eigenen und von vielen anderen genutzten Plattform, verdoppelte im zweiten Quartal – also inmitten eines historisch einmaligen Wirtschaftseinbruchs – den Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal und erzielte den höchsten Gewinn seiner Unternehmensgeschichte.3

Folge des rasanten Kursanstiegs der GAFAM ist, dass sich in Anlegerportfolios Klumpenrisiken gebildet haben. Anleger wetten mit ihren Portfolios – oft unbewusst – auf das Fortbestehen dieses Momentums und eine anhaltende Wachstumsdynamik genau für Apple, Facebook und Co. Doch ob der Schwung bestehen bleibt, ist längst nicht ausgemacht. Denn die Vorbehalte gegenüber den Big Techs wachsen. Vorgeworfen wird ihnen vor allem die zu große Marktmacht und der lasche Umgang mit Daten.

Und der Ton ist rauer geworden – selbst in ihrem Heimatland USA. Jeff Bezos, Sundar Pichai, Mark Zuckerberg und Tim Cook – die Chefs von Amazon, Google, Facebook und Apple – mussten im Juli dieses Jahres vor dem Justizausschuss des US- Repräsentantenhauses Rede und Antwort stehen. „Unsere Gründerväter haben sich keinem König gebeugt, und wir sollten uns nicht den Kaisern der Online-Wirtschaft beugen“, formulierte der Vorsitzende des Justizausschusses, der Demokrat David Cicilline, in seiner Eröffnungsrede4. Google wurde inzwischen sogar von der US-Regierung wegen des Missbrauchs seiner Marktposition verklagt5. Den Tech Giganten bläst also Gegenwind von offizieller Seite ins Gesicht.

Technologiewerte: Gewinner identifizieren, Verlierer meiden

Doch Technologiewerte aufgrund dessen grundsätzlich zu meiden, dürfte ein Fehler sein. Im Gegenteil: Die Digitalisierung schreitet fort. Die GAFAM und auch ihre chinesischen Pendants Alibaba, Tencent und Baidu gelten als Motor der globalen Wirtschaftsdynamik und weltweite Technologieführer. Viele ihrer Geschäftsfelder stehen noch am Anfang der Entwicklung, etwa Onlinehandel und -unterhaltung, Cloud-Dienste und autonomes Fahren. Die Corona-Krise könnte sogar zum Schlüsselmoment für die Technologiebranche werden. Durch Lockdown und Social Distancing boomt der Onlinehandel. Durch die Arbeit aus dem Homeoffice erleben Telekommunikations- und Netzdienstleistungen einen enormen Nachfrageschub. Chancen erwachsen auch durch den weltweiten Ausbau von 5G oder in der Halbleiterbranche, die vom steigenden Anteil von Elektroautos profitiert. Andere Technologiebereiche haben ebenfalls langfristig großes Potenzial, etwa Gaming oder Künstliche Intelligenz.

Es spricht einiges dafür, dass auch die großen Plattformen von dieser Entwicklung profitieren werden. Aber vor allem: Auch Unternehmen, die viele Anleger heute noch gar nicht im Blick haben, werden durch diese Entwicklung eine große Entwicklungsdynamik erfahren. Um die Gewinner von morgen zu identifizieren, sind allerdings detaillierte Unternehmensanalysen im Rahmen eines fundamentalen Research nötig. Solche Analysen können helfen, die Potenziale aufzudecken – auch bei Unternehmen, die bislang nach der Krise noch nicht wieder Beachtung fanden und an der Rally noch nicht teilhatten. Selbst bei den Tech-Riesen macht der Blick auf Details Sinn: Die Gefahr, dass sich Nutzer wegen inzwischen auch kritisch gesehener Geschäftspraktiken von den Tech-Konzernen abwenden, ist nicht überall gleich. Und die regulatorischen Risiken sind für die einzelnen Unternehmen unterschiedlich hoch. Wenn Anleger hingegen auf Portfolios aus passiven Anlageprodukten wie ETFs setzen wollen, sollten Berater auf jeden Fall auf die vielleicht übersehene Momentum-Gefahr hinweisen – und gegebenenfalls zum Gegensteuern raten, etwa mit Faktor-Strategien.

Quellen:
1 Quelle: Datastream/Refinitiv, Stand: August 2020
2 Quelle Datastream/Refinitiv, 30.09.2020
3 Quelle: Amazon, 31.07.2020
4 Quelle: FAZ, 01.08.2020
5 Quelle: tagesschau.de, 20.10.2020

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