Vietnam zählt zu Asiens dynamischsten Volkswirtschaften, bleibt in internationalen Portfolios jedoch unterrepräsentiert. Mario Timpanaro, Manager des Lumen Vietnam Fund, erklärt, was diese Region derzeit besonders interessant macht.
Während sich das Interesse vieler Anleger zuletzt auf künstliche Intelligenz und Halbleiterwerte konzentrierte, vollzieht sich in Vietnam eine Entwicklung, die international noch vergleichsweise wenig Beachtung findet. Wachstum, Unternehmensgewinne und Marktstrukturen verbessern sich gleichzeitig, ohne dass sich diese bislang am Aktienmarkt widerspiegeln.
Die vietnamesische Wirtschaft steht dabei auf mehreren soliden Säulen. Ein wesentlicher Treiber ist der Binnenkonsum, steigende Einkommen und eine wachsende Mittelschicht führen zu höheren Ausgaben für den Konsum, Gesundheit, Freizeit und Reisen. Parallel dazu gewinnt Vietnam als Produktions- und Investitionsstandort weiter an Bedeutung. Internationale Unternehmen verlagern zunehmend anspruchsvollere Produktionsschritte in das Land und integrieren Vietnam damit stärker in ihre globalen Lieferketten.
Hinzu kommen umfangreiche öffentliche Investitionen in Straßen, Autobahnen, Metro- Linien, Flughäfen und Häfen. Eine leistungsfähigere Infrastruktur dürfte die Effizienz der Wirtschaft nochmals erhöhen und für zusätzliche Wachstumsimpulse sorgen. Die Verbindung von Konsum, Industrialisierung, ausländischen Direktinvestitionen und Infrastruktur schafft eine vergleichsweise breite Grundlage für die weitere Entwicklung im Land.
Bemerkenswerte wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit
Auch in einem anspruchsvollen globalen Umfeld zeigt sich die vietnamesische Wirtschaft robust. Im zweiten Quartal 2026 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 8,39 Prozent, im gesamten ersten Halbjahr um 8,18 Prozent. Der Einkaufsmanagerindex lag zuletzt bei 53,3 Punkten und damit seit 14 Monaten durchgehend oberhalb der Marke von 50 Punkten, die eine wirtschaftliche Expansion signalisiert.
Auch der Tourismus trägt zur Dynamik bei. Die Zahl der Besucher stieg seit Jahresbeginn um 14,4 Prozent auf 16 Millionen.
Gleichzeitig entwickeln sich die Unternehmensgewinne erfreulich. Dennoch liegt das nachlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis des Aktienmarktes rund eine Standardabweichung unter seinem Zehnjahresdurchschnitt.
Für langfristige Investoren entsteht daraus eine interessante Konstellation: starkes Wirtschaftswachstum und steigende Unternehmensgewinne auf der einen Seite, weiterhin moderate Bewertungen auf der anderen.
Kurzfristig wurde der Aktienmarkt durch Gewinnmitnahmen und Margin Calls einheimischer Investoren belastet. Höhere Zinsen auf Bankeinlagen stellen für lokale Anleger zudem wieder eine attraktivere Alternative dar. Aus fundamentaler Sicht bleibt jedoch die Qualität vieler börsennotierter Unternehmen, ihre Halbjahresergebnisse und ihre Bewertungen entscheidend. Erste zunehmende Aktivitäten ausländischer Investoren sind bereits erkennbar.
Investitionen treiben den Strukturwandel voran
Ausländische Direktinvestitionen spielen für Vietnams nächsten Entwicklungsschritt eine zentrale Rolle. In den ersten sieben Monaten 2026 erreichten die realisierten Direktinvestitionen 15,2 Milliarden US-Dollar. Die neu zugesagten Investitionen beliefen sich auf den Rekordwert von 38,1 Milliarden US-Dollar.
Ein großer Teil dieser Investitionen fließt in den IT- und Technologiesektor. Damit erhält Vietnam nicht nur zusätzliches Kapital, sondern wird zugleich stärker in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden. Die Produktion im Land entwickelt sich zunehmend über einfache Fertigungsschritte hinaus.
Auch die Regierung setzt wichtige Reformen um - Veränderungen im Immobiliensektor sollen blockierte Projekte wieder in Bewegung bringen. Für Staatsunternehmen wurden die Zielsetzungen angehoben, um sie langfristig stärker an internationalen Standards auszurichten. Gleichzeitig sind die öffentlichen Investitionen bereits deutlich gestiegen und dürften gegen Jahresende zusätzliche Impulse liefern.
Bei einem Wachstumstempo von mehr als 8 Prozent muss allerdings die makroökonomische Stabilität im Blick bleiben. Die Inflation lag zuletzt bei durchschnittlich 4,45 Prozent und damit innerhalb des Zielkorridors. Bei weiter steigender Kreditnachfrage besteht dennoch ein Überhitzungsrisiko. Deshalb beobachten wir insbesondere die Entwicklung von Zinsen, des Kreditwachstum und des vietnamesischen Dong. Auch der Obligationenmarkt benötigt weitere Reformen, um künftig mehr Investoren anzuziehen. Mit einer Staatsverschuldung von lediglich 36 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verfügt Vietnam jedoch über Spielraum und kann sich zu günstigen Konditionen finanzieren.
Der nächste Schritt für den Kapitalmarkt
Ein wichtiger struktureller Katalysator ist die geplante Hochstufung Vietnams durch FTSE Russell zum „Secondary Emerging Market“ ab September 2026. Die unmittelbar daraus resultierenden Kapitalzuflüsse dürften zunächst überschaubar bleiben. Langfristig stärkt die Aufwertung jedoch die internationale Wahrnehmung des Landes, erweitert den potenziellen Investorenkreis und kann die Nachfrage durch aktive und passive Anlageprodukte erhöhen.
Im Lumen Vietnam Fund konzentrieren wir uns in diesem Umfeld auf Unternehmen mit starken Bilanzen, nachhaltigen Cashflows, guter Corporate Governance und hoher Gewinnvisibilität.
Vietnam ist keine kurzfristige Börsenstory. Das Land verbindet eine wachsende Mittelschicht mit fortschreitender Industrialisierung, hohen Infrastrukturinvestitionen und einer zunehmenden Bedeutung in globalen Lieferketten. Risiken und kurzfristige Schwankungen bleiben bestehen. Die langfristigen strukturellen Chancen sind aus unserer Sicht jedoch intakt und die aktuellen Bewertungen bieten einen guten Anlass, Vietnam genauer zu betrachten.
Autor:
Mario Timpanaro: Manager des Lumen Vietnam Fund bei AQUIS Capital.
Anlageprodukte:
Lumen Vietnam Fund (LU0907927338 / LI0500707893)
AQUIS Capital ist ein Schweizer Fondsanbieter spezialisiert auf asiatische Schwellenländer. Mit lokalem Analystenteam und einem Value Ansatz setzen wir den Fokus auf langfristige Trends in Vietnam.
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