Mario Timpanaro Fondsmanager des Lumen Vietnam Fund: Vietnam steht 2026 am Wendepunkt. Die Reformagenda beginnt spürbar in der Realwirtschaft anzukommen. Ein gutes Zeichen, denn Wachstum entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch Umsetzung.
Vietnam steht 2026 an einem Wendepunkt der Reformäre. Die Reformagenda, die wir als „Doi Moi 2.0“ bezeichnen, beginnt ihre Wirksamkeit zu entwickeln.
Rekordtempo im Parlament: Wenn Gesetze plötzlich schnell implementiert werden
2025 hat die Nationalversammlung mehr Gesetze verabschiedet als in den drei Jahren zuvor. Die Regierung setzt ihre Ziele nun mit spürbarem Tempo um: Verfahren werden vereinfacht, Rahmenbedingungen modernisiert und Investitionen schneller freigegeben. Für ein Schwellenland wie Vietnam ist genau diese Kombination aus politischer Entschlossenheit und Umsetzungskraft der Schlüssel für nachhaltiges Wachstum.
Dezentralisierung als Game-Changer für Großprojekte
Ein Kernstück dieser neuen Phase ist die Dezentralisierung. Lokale Behörden dürfen heute Projekte mit einem Volumen von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar eigenständig genehmigen. Noch vor wenigen Jahren konnte ein einzelnes Projekt über 500 Millionen US-Dollar bis zu zehn Jahre in den Instanzen festhängen. Wir gehen davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren Projekte im Umfang von bis zu 5 Milliarden US-Dollar verabschiedet werden. Die Zeit, in der große Infrastrukturvorhaben an regulatorischen Engpässen scheiterten, neigt sich dem Ende zu. Tempo, Effizienz und Produktivität steigen im ganzen Land.
Infrastrukturoffensive: 320 Milliarden US-Dollar für die Zukunft
Noch bedeutsamer für das mittel- bis langfristige Wachstum sind die großen Infrastrukturprogramme, das Vietnam parallel zu den strukturellen Reformen aufsetzt. Die öffentlichen Investitionen sollen von sechs auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen, was einem Volumen von etwa 320 Milliarden US-Dollar über die nächsten fünf Jahre entspricht. Die Regierung signalisiert ein ausgeprägtes Gefühl der Dringlichkeit. Planungs- und Bewilligungsprozesse werden beschleunigt, die Umsetzung konsequent eingefordert, und zahlreiche seit Jahren „shovel-ready“ bereitliegende Projekte werden wieder aktiviert. Bereits heute berichten Bauunternehmen, Baustoffhersteller und Ingenieurfirmen von gut gefüllten Auftragsbüchern. Gleichzeitig drängen sich nationale Champions in höhere technologisch anspruchsvolle Segmente vor. Hinzu kommen konkrete Ziele wie der Ausbau auf 3.000 Kilometer Autobahnen bis 2025 sowie der Start großer Flughafen- und Metroprojekte. Infrastrukturinvestitionen in dieser Größenordnung sichern eine langfristig stabile Nachfrage etwa im Stahl- und Bausektor und schaffen die physischen Voraussetzungen für weiteres Wachstum.
Der vietnamesische Konsument ist zurück
Die Binnenwirtschaft liefert parallel dazu wichtige Impulse. Der Konsum hat sich deutlich erholt. Einerseits wirkt der Wohlstandseffekt: Der Aktienmarkt hat sich erholt, der Immobilienmarkt beginnt, sich zu stabilisieren, und damit steigt das Vertrauen. Andererseits sind die während der Corona-Jahre aufgebrauchten Ersparnisse wieder aufgebaut worden. Staatliche Unterstützungsmaßnahmen wie temporäre Erleichterungen bei der Mehrwertsteuer, der Einkommensteuer sowie teilweise der Studien- und Ausbildungsgebühren tragen zusätzlich bei.
Strukturelle Wachstumstreiber: Urbanisierung, Demografie und Industrialisierung
Über den Zyklus hinaus bleibt die Strukturstory intakt. Die Urbanisierungsrate liegt noch unter 40 Prozent, was großes Potenzial für weiteres Städtewachstum impliziert. Die Industrialisierung schreitet voran, und mit rund 75 Prozent der Bevölkerung unter 50 Jahren. Diese Kombination aus junger, wachsender Bevölkerung und fortschreitender Urbanisierung bildet ein robustes Fundament für langfristiges Wachstum.
Vom traditionellen Markt zum modernen Einzelhandel
Gleichzeitig kommt es zu einer Konsolidierung im Einzelhandel. Traditionelle Märkte verlieren an Bedeutung. Der Anteil traditioneller Verkaufsformen ist von 73 Prozent im Jahr 2020 auf 62 Prozent gefallen. Immer mehr Verbraucher bevorzugen moderne Formate wie Supermärkte, Convenience Stores oder spezialisierte Einzelhändler.
Bewertung: Warum der Markt trotz Kursanstieg attraktiv bleibt
Vor diesem Hintergrund bleibt der Bewertungsrahmen des Aktienmarkts aus unserer Sicht unterstützend. Zwar hat der VN-Index 2025 beachtliche Kursgewinne verzeichnet, doch waren diese stark auf den Immobiliensektor und im Wesentlichen auf vier Einzeltitel konzentriert. Klammert man diese Werte aus, hat der breitere Markt lediglich um 11,9 Prozent zugelegt. Für 2026 liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 11,9x mit einem EPS von ca. 16%. Das signalisiert, dass trotz der positiven Kursentwicklung noch ausreichend Raum für weitere Aufwärtsbewegungen besteht, insbesondere durch Sektor Rotation und eine breitere Marktteilhabe jenseits der bisherigen Schwergewichte.
Fazit: 2026 als Jahr der sichtbaren Ergebnisse
Vietnam bewegt sich mit hoher Geschwindigkeit in Richtung eines vollwertigen Emerging Markets. Für langfristig orientierte Anleger eröffnet sich damit nicht nur ein zyklischer Aufschwung, sondern ein tiefgreifender struktureller Wandel, der das Land und seine Kapitalmärkte über viele Jahre prägen dürfte.
Anlageprodukte:
Lumen Vietnam Fund (LU0907927338 / LI0500707893)
AQUIS Capital ist ein Schweizer Fondsanbieter spezialisiert auf asiatische Schwellenländer. Mit lokalem Analystenteam und einem Value Ansatz setzen wir den Fokus auf langfristige Trends in Vietnam.
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