Nachhaltigkeit gewinnt für Anleger immer mehr an Bedeutung. Aber worin unterscheiden sich die verschiedenen Ansätze des ESG-Investierens? Eine Analyse – neutral recherchiert, mit Übersichten direkt zum Download für Ihre Kundengespräche.

ESG (ökologische und soziale Aspekte sowie eine gute Unternehmensführung) steht heute für Investieren mit Nachhaltigkeitsanspruch. ESG ist damit auch ein Kürzel, das eine Vielzahl von Anforderungen umfasst, die an Unternehmen und Finanzprodukte gestellt werden. Und ESG steht bei Anlegern hoch im Kurs: „Nachhaltige“ Fonds, die sich an ESG-Kriterien ausrichten, werden im Zuge eines wachsenden Bewusstseins insbesondere für den Klimawandel und seine Folgen immer mehr nachgefragt („Was der Trend hin zu ESG-Anlagen für die Beratung bedeutet“)

Orientierung zu ESG-Fonds: eine echte Beratungsaufgabe

Das Universum nachhaltiger Fonds umfasst heute grundlegend unterschiedliche Strategieansätze – mit jeweils verschiedenen finanziellen und außerfinanziellen Zielsetzungen, die Anleger mit ihnen verfolgen können. Das immer weiter wachsende Angebot an nachhaltigen Fonds für Anleger zu strukturieren und zu ordnen, ist eine wichtige Aufgabe der Beratung. Die folgende Übersicht kann dabei helfen.

ESG: Spektrum nachhaltiger Fondsstrategien (Grafik auch als Download verfügbar)

Quelle: FFB, Darstellung dient nur zur Illustration

Nachhaltige Fonds können unterschiedliche strategische Ansätze verfolgen, wie die Grafik zeigt. Häufig finden sich aber Fondsstrategien, die in Bezug auf Nachhaltigkeit unterschiedliche Strategieansätze kombinieren. 

Grundlage ist dabei oft der Ausschluss von Anlagewerten oder Branchen aus dem Universum investierbarer Titel, die gegen grundlegende Überzeugungen zur Nachhaltigkeit verstoßen.

Die Top Ten der Ausschlusskriterien in Deutschland 2019 (in Milliarden Euro) (Grafik auch als Download verfügbar)

Quelle: FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen, 2020

Darauf aufbauend kann ESG in den Investmentprozess integriert werden. Hier unterscheiden sich die einzelnen Fondsstrategien nach ihren Datengrundlagen und grundsätzlichen Optimierungszielen. Verschiedene Vorgehensweisen sind weit verbreitet. Hier die gängigsten:

1. Das Fondsmanagement orientiert sich an den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN (UN SDGs – UN Sustainable Development Goals), die 2016 in Kraft getreten sind.

2. Fondsmanager nutzen Ratings, um wichtige Nachhaltigkeitskenngrößen ihrer Fondsportfolios zu bestimmen. Als externer Ratingpartner stellt beispielweise MSCI ein Sustainability Rating von Unternehmen zur Verfügung. Große Fondsgesellschaften beschäftigen aber inzwischen oft eigene ESG-Analysten, die proprietäre ESG-Ratings erstellen, um den verantwortlichen Fondsmanagern einen Wissensvorsprung zu verschaffen.

3. Das Portfoliomanagement versucht, wesentliche Kenngrößen wie etwa die CO2-Intensität (den „CO2-Fußabdruck”) eines Fonds zu verbessern.

4. Ab 2022 könnte auch die 2020 von der EU beschlossene und in der Umsetzung befindliche Taxonomie eine zunehmende Rolle spielen. 

Datengrundlagen wie die angesprochenen können jedoch unterschiedlich eingesetzt werden. Eine einfache ESG-Optimierungsstrategie würde bespielweise die Titel mit den besten ESG-Scores in den Ratings auswählen. Verbreiteter sind heute „Best-in-Class-Ansätze“. Sie legen bei der Selektion von Titeln nicht einfach den absoluten Rating-Score von Unternehmen zugrunde, sondern vergleichen ihn mit dem anderer Unternehmen in derselben Branche. Der Unterschied: Bei einer einfachen ESG-Optimierung würden beispielsweise sämtliche Energiekonzerne in einem nachhaltigen Portfolio keine Berücksichtigung finden. Ein Best-in-Class Ansatz kann jedoch das Engagement eines Energiekonzerns bei den erneuerbaren Energien mit einbeziehen und dessen Bestrebungen, diese weiter auszubauen. Agieren Konzerne hier nachhaltiger als andere, können sie nach dem Best-in-Class-Ansatz berücksichtigt werden. Er honoriert und unterstützt damit auch den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaftsweise. Investmenttechnisch vermeidet so ein Best-in-Class-Ansatz eine allzu einseitige Branchenneigung und ermöglicht eine bessere Risikostreuung im Portfolio.

Nach übereinstimmender Meinung der meisten Fondsmanager können Ausschlüsse und insbesondere ESG-Integration nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum besseren Management von ESG-bezogenen Risiken für die Wertentwicklung des Portfolios leisten. Sie können auch bessere Renditechancen für Anleger eröffnen (mehr dazu: „ESG – aus Kür wird Pflicht“)

ESG-Themenfonds können gezielt auf Themen setzen, denen eine weiter zunehmende Bedeutung zugetraut wird: z. B. sauberes Wasser, Abfallvermeidung und -verwertung, klimaneutrale Energie oder auch Mobilitätskonzepte der Zukunft. Hier können sich besondere Renditechancen für Anleger eröffnen, allerdings leisten Themenfonds einen geringeren Beitrag zur Risikostreuung.

Impact-Strategien in Reinform nehmen eine Sonderstellung ein. Sie stellen die außerfinanziellen Ziele einer Geldanlage in den Vordergrund. Anleger wollen etwas bewirken und gewichten dafür unter Umständen auch die Optimierung ihrer persönlichen Rendite aus ihrer Geldanlage geringer. Impact Investing wird sehr häufig mit einer „Active Ownership“ oder dem „Engagement“ des Fondsmanagements einhergehen (wie es sich auch bei Strategien mit ESG-Integration finden lässt): Hier nimmt der Fondsmanager als Investor über die Ausübung von Stimmrechten oder den direkten Dialog mit dem Management von Unternehmen Einfluss, um Veränderungen zu mehr Nachhaltigkeit anzustoßen oder voranzutreiben.

Fonds unterscheiden: Nachhaltigkeitssiegel und Ratings

Zur besseren Orientierung für Sie und Ihre Kunden was die „Nachhaltigkeitsqualität“ konkreter einzelner Anlageprodukte angeht, gibt es zwei Arten der Kennzeichnung von Investmentfonds: Siegel und Ratings. Beide können Hinweise darauf geben, wie nachhaltig ein Produkt ist. Sie unterscheiden sich jedoch untereinander bezüglich der Aussteller und des Schwerpunktes. Ein Siegel wird meist auf Initiative eines Fondsmanagers vergeben. Er bewirbt sich mit seinem Fonds auf ein Siegel und erhält dieses nur, wenn der Fonds der Prüfung der jeweiligen Organisation standhält. Ratings hingegen können positiv wie negativ ausfallen und werden auf Initiative einer Rating-Organisation verliehen. 

Prominentes Beispiel für ein Rating auf Fondsebene ist das ESG-Rating für Investmentfonds von Morningstar. Bei den Siegeln herrscht europaweit Vielfalt. Vergeben werden sie von gemeinnützigen Organstationen oder öffentlichen Stellen. Beispiele sind das französische Label ISR das skandinavische Nordic Swan Ecolabel oder das „Umweltzeichen“, mit dem das österreichische Umweltministerium alle möglichen Produkte, darunter auch Finanzprodukte, auszeichnet. Zunehmend häufig geben Siegel von Branchenorganisationen Anlegern hierzulande Orientierung wie das LuxFLAG-Siegel für europäische Fonds oder das deutsche FNG-Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen.

ESG: Häufig verwendete Nachhaltigkeitssiegel für Anleger in Deutschland (Grafik auch als Download verfügbar)

Quelle: FFB, Darstellung nur zur Illustration

Alle Siegel bieten Anlegern die Sicherheit einer sorgfältigen Prüfung und stellen somit ein ESG-Qualitätsmerkmal für die Produkte dar. Besondere Kompetenz können Berater beweisen, wenn sie sich einmal die Zeit nehmen, die Vergaberichtlinien wichtiger Siegel zu studieren (nutzen Sie dazu die Links, die wir oben für Sie bereitgestellt haben). Denn da können Unterschiede im Detail liegen, die gerade bei jüngeren und klimainteressierten Kundengruppen nachgefragt werden. Bereits in den Grundvoraussetzungen für den Erhalt eines Siegels kann es zu Abweichungen kommen. In der Regel werden bestimmte Unternehmensgruppen aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen. Dazu gehören häufig Hersteller von Waffen, Tabak oder Atomenergie. Letzteres ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr das Verständnis von Nachhaltigkeit auch kulturell geprägt ist. In Frankreich zählt die Atomenergie zu den klimaneutralen sauberen Energien. In Deutschland ist sie in aller Regel ausgeschlossen.

Solche Ausschlüsse sind insgesamt problematisch. Die meisten Unternehmen haben nämlich kein homogenes Geschäftsmodell, sondern beziehen Umsätze aus ganz verschiedenen Quellen. Jedes Unternehmen auszuschließen, das möglicherweise kritisch gesehene Geschäftsfelder unterhält, lässt wenige Investitionsmöglichkeiten übrig und „straft“ Unternehmen, die möglicherweise auf einem positiven Entwicklungspfad sind und Kapital für den Konzernumbau benötigen. Energiefirmen zum Beispiel haben zuweilen eine Öl- und gleichzeitig eine Solarsparte. Die Siegel-Organisationen haben dieses Problem erkannt und definieren deshalb oft Grenzwerte für die umstrittenen Geschäftsbereiche. Um die Kriterien eines Siegels zu erfüllen, könnte eine Organisation etwa fordern, dass die im Portfolio enthaltenen Firmen höchstens fünf Prozent ihrer Umsätze aus Geschäftsbereichen erzielen, die kritisch gesehen werden.

Auch Organisationen, die Nachhaltigkeitssiegel vergeben, stützen sich übrigens auf die Expertise Dritter, wenn es darum geht, welche Unternehmen in ein nachhaltiges Portfolio gehören. Manche nutzen etwa Daten internationaler Menschenrechts- oder Antikorruptions-Organisationen, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu bewerten, wenn es um die sozialen Aspekte und Corporate Governance geht.

Fazit: Nachhaltige Investments sind ein Feld, in dem viele Anleger auf die Expertise eines erfahrenen Beraters angewiesen sind. Das macht Nachhaltigkeit zu einem zentralen Beratungsthema, bei dem sich erfahrene Berater auszeichnen können. Jüngere Anleger werden hier zunehmend kritische Fragen stellen – spätestens, wenn die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen zur Pflicht wird und das Thema im Beratungsgespräch gesetzt ist.

Die FFB bietet aktuell 111 ESG-Fonds an – 68 davon Aktienfonds, Mischfonds, Rentenfonds, Dachfonds, Strategiefonds sowie 43 ETFs.

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