Die Corona-Krise ist eine Krise ohne Vorbild. Weltwirtschaft und Finanzmärkte sortieren sich neu – und viele (Risiko-)Modelle offenbaren ihre Grenzen. Da hilft nur, genau auf die Fundamentaldaten einzelner Unternehmen zu schauen. Lesedauer 1 – 2 Min.

BIP-Einbruch um 10,2 Prozent für die Eurozone, 7,8 Prozent für Deutschland und 8 Prozent für die USA – das hat es schon seit den Weltkriegen nicht mehr gegeben. Doch genau das sind die Wachstumsdaten, die der Internationale Währungsfonds in seinem aktuellen Ausblick für dieses Jahr prognostiziert.1 Und die Schätzungen anderer Institutionen wie der EZB oder der US-Notenbank fallen nicht viel anders aus. Auch die „hard facts“ sind mehr als bitter: Im April schrumpfte die Industrieproduktion in der EU um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr2, die Zahl der Arbeitslosen in den USA kletterte innerhalb kurzer Zeit von knapp 6 auf in der Spitze 23 Millionen.3

An den Börsen ging es ebenfalls rasant nach unten – zunächst. So verlor der DAX zwischen Mitte Februar und Mitte März rund 40 Prozent seines Werts. Doch fast ebenso schnell schoss er wieder nach oben. Schon im Juni notierte Deutschlands Leitindex nur noch wenige Prozentpunkte unter dem Vor-Corona-Stand. Der US-Technologieindex Nasdaq 100 eilt sogar wieder von Rekordhoch zu Rekordhoch.

Malen die Börsen die Zukunft viel zu rosig?

Da reibt sich so mancher die Augen und fragt sich: Hat die Finanzwirtschaft den Kontakt zur Realwirtschaft vollends verloren? Ja und nein. Denn an der Börse geht es um die Zukunft. Die aktuelle Lage der Wirtschaft ist zwar schwierig und wird von den Folgen des lockdown beeinträchtigt, doch die Prognosen für das nächste Jahr sehen schon wieder ganz anders aus.

Überwiegend erwartet wird eine klare Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität, wenn die Welt das Virus inigermaßen im Griff hat und die beispiellosen Konjunktur- und geldpolitische Maßnahmen weltweit ihre Wirkung voll entfalten können. So rechnet der IWF für 2021 mit einem BIP-Plus von 5,4 Prozent für Deutschland und 4,5 Prozent für die USA. „Der Tiefpunkt dürfte mittlerweile hinter uns liegen, und es geht wieder aufwärts“, meinte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schon im Juni.4 In China, dem zuerst von Corona betroffenen Land, haben Zahlen wie der Einkaufsmanagerindex längst das Vorkrisenniveau wieder erreicht.5

Kein Zurück zum gestern

Schon bald wieder „Business as usual” also? Da ist Vorsicht angebracht. Denn bei aller Zukunftsorientierung der Börse: Gerade weil diese schnell und emotional reagiert, kommt es auch oft zu Übertreibungen – nach unten und nach oben.

Viele Unternehmen stehen weiter vor massiven Liquiditätsproblemen. Banken tun sich mit der Kreditversorgung schwer, da sie kaum noch verdienen. Lieferketten sind zusammengebrochen, die Nachfrage ist massiv geschrumpft und erholt sich in vielen Fällen nur langsam, wenn überhaupt. In einigen Branchen, vor allem dem Tourismus und der Freizeitindustrie, wird es wohl auf längere Sicht keine Rückkehr zur Normalität vor der Corona-Krise geben. Unternehmen dürften zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten kommen, die Zahl der Insolvenzen wird steigen. Gerade kleinere, junge Unternehmen ohne ausreichende Liquiditätsreserven könnten ins Straucheln geraten.

Auch die Macht der Notenbanken und Regierungen hat Grenzen. Bislang ersetzen die Zentralbanken mit ihren Anleihekäufen die fehlende Nachfrage. Ob das auf Dauer gelingt, ist ungewiss. Nicht zuletzt: Die beispiellosen Konjunkturprogramme weltweit lassen die Schuldenlast der Staaten massiv steigen. Irgendwann kommt aber der Zahltag, dann könnten Steuern steigen und Unternehmen belasten.

Eine Erholung der Unternehmensgewinne auf breiter Front ist eher unwahrscheinlich. Zu den Profiteuren dürften viele Unternehmen aus der Technologie-, Biotech- und Pharmabranche gehören, „Stay-at-Home“-Aktien wie Streaming-Anbieter und Lebensmittellieferanten, „Work-from-Home“-Aktien wie Videokonferenzanbieter und digitale Zahlungsdienstleister. Zu den Verlierern zählen könnten viele Adressen aus der Tourismusbranche, Airlines, Flughafen- und Hotelbetreiber, Ölproduzenten, eventuell auch Banken. Doch selbst innerhalb der Branchen werden die Unternehmen unterschiedlich betroffen sein oder profitieren.

Man darf erwarten, dass sich die Unternehmenslandschaft deutlich verändern wird. Die Weltwirtschaft von morgen wird anders aussehen als die vor der Corona-Krise. Und dies wird ganz sicher auch Auswirkungen auf viele der im Asset Management bislang eingesetzten Risikomodelle haben.

Nicht blind auf Modelle verlassen

Ohnehin gilt: Wer glaubt, dass sich am Kapitalmarkt die Weisheit der Massen widerspiegelt, sollte bedenken, dass sich die Märkte in den vergangenen Jahren strukturell deutlich verändert haben. Durch den dynamisch wachsenden Anteil passiver Produkte und automatisierter, Algorithmus-basierter Strategien sind fundamentale Unternehmensanalysen zunehmend in den Hintergrund geraten und ist die Preisbildung am Markt nicht mehr so präzise und effizient. Zugleich ist eine große Zahl an mathematischen Risikomodellen entwickelt worden und im Asset Management zum Einsatz gekommen. Die Logik dahinter ist nicht immer transparent oder verständlich. Finanzmodelle können einen Beitrag zum Risikomanagement leisten. Aber sich bei der Risikobewertung und Entscheidungsfindung zu stark auf sie zu verlassen, kann gefährlich sein (das mussten selbst Notenbanker wie Alan Greenspan in der Finanzkrise 2007/2008 eingestehen).

Renaissance der Fundamentalanalyse und aktives Management

Wenn also Modelle zunehmend versagen oder an ihre Grenzen stoßen, in der Unternehmenswelt die Bedingungen plötzlich ganz andere sind, bislang unbekannte Risiken bewältigt werden müssen und im Hinblick auf die aktuelle Krise und deren Auswirkungen auf den Finanzmarkt noch kein „bewährtes“ Modell existiert – was dann tun?

Die beste Empfehlung lautet: Rückbesinnung auf die konzentrierte fundamentale Unternehmensanalyse und auf dieser Basis aktives Management! Für eine erfolgreiche Geldanlage zählt heute mehr als jemals zuvor der Informationsvorsprung, der sich aus qualifizierter Unternehmensanalyse gewinnen lässt und im aktiven Management konsequent umgesetzt wird.

Der „neue Blick“ beim Investieren nach Corona ist also vor allem ein Blick auf Altbewährtes: Auf das einzelne Unternehmen schauen, präzise analysieren und vor allem differenzieren.

Quellen:

1 IMF World Economic Outlook, Juni 2020.
2 Eurostat, 03.07.2020.
3 US-Bureau of Labor Statistics, von Februar bis April 2020.
4 FAZ, 21.06.2020.
5 Einkaufsmanagerindex (EMI) China in der Industrie Januar bis Mai 2020.

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