Nach den Zinsentscheidungen von Fed und EZB im Juni: Währungen können auch Chancen bieten. Einfaches Weghedgen von Währungsrisiken könnte Renditen verschenken.

Anlegerinnen und Anleger sind gewohnt, Investments in anderen Währungsräumen außerhalb der Eurozone auch mitunter kritisch unter dem Gesichtspunkt eines zusätzlichen Risikos (= Währungsrisiko) zu betrachten. Doch in Zeiten, in denen die EZB anderen Zentralbanken – und vor allem der Fed – im Zinssenkungszyklus voranläuft, können sich auch durch die Wechselkursentwicklung zusätzliche Renditechancen auftun.

Einen Hinweis auf eine mögliche Richtung hat bereits die Wechselkursentwicklung nach der Senkung der Leitzinsen in der Eurozone am 6.Juni 2024 gegeben (siehe Grafik).

Wechselkurs: EUR vs. USD nach Juni-Zinsschritt der EZB (Grafik auch zum Download verfügbar)

Wechselkurs: EUR vs. USD nach Juni-Zinsschritt der EZB

Entwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen. 
Deutsche Bundesbank, 10.06.2024. Darstellung FFB.

Wechselkursrisiken und Wechselkurschancen

Um sich die Risiken vor Augen zu führen, die mit einem Fremdwährungsrisiko verbunden sind, genügt es, den Blick nur ein wenig über die Eurozone hinaus zu richten: Die Türkei konnte in den letzten Jahren, gemessen an der Entwicklung des türkischen Leitindex ISE 100 mit den 100 größten an der Börse in Istanbul notierten Unternehmen als Eldorado für Aktienanlegerinnen und -anleger gelten. Zumindest wenn sie starke Nerven mitbrachten und die politischen wie auch ökonomischen Risiken tolerieren konnten.

Renditen von fast 200% konnten in den letzten Kalenderjahren winken – doch das nur auf Basis einer Betrachtung in türkischer Lira (der Währung, in der die Titel an der Börse in Istanbul notiert sind). Blickt man auf sein Investment in Euro, kann die Sache schon anders aussehen. So etwa 2023, in dem die Kurse türkische Aktien zwar um beachtliche 35,6% zulegten.1 Zugleich wütete in der Türkei aber die Inflation und die türkische Lira wertete gegenüber dem Euro im Kalenderjahr 2023 um mehr als 60% ab2 – am Ende also ein Verlustgeschäft für alle, die ihre Investments in Euro bewerten.

Aber: Umgekehrt bestehen immer auch Chancen auf Mehrrenditen, wenn der Euro gegenüber der Währung, in der investiert wird, abwertet. Denn dann würde man beim Verkauf eines Wertpapiers – unter der Annahme, dass es keine negative Kursentwicklung des Wertpapiers gab – in Euro einen höheren Preis erzielen. Und die Erfahrung zeigt: Selbst zwischen großen Währungsblöcken wie Euro und US-Dollar kann es zu erheblichen Verschiebungen kommen. Beispielweise 2022, als die Fed wesentlich entschlossener mit Leitzinserhöhungen voranschritt. Der Euro sank dabei zweitweise sogar unter die Dollar-Parität (ein Euro hat den Wert eines Dollars).

2022: FED-Zinserhöhungstempo setzt Euro unter Druck (Grafik auch zum Download verfügbar)

2022: FED-Zinserhöhungstempo setzt Euro unter Druck

Entwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen. 
Wechselkurs EUR/USD: Deutsche Bunde sbank, 10.06.2024. Darstellung FFB.

Währungschancen nutzen: Es kommt auf die Fondstranche an

Wer Währungschancen gezielt nutzen möchte, muss bei Auswahl der Währungstranche seines Fonds- oder ETF-Investments Umsicht walten lassen. Beispiel: Ein Investment in US-Aktien kann bei fallendem Euro gegenüber dem Dollar zusätzliche Chancen bieten. Deutlich wird das in der Grafik unten im Vergleich der Euro-Tranche mit der Wertentwicklung der USD-Tranche (die der ursprünglichen Währung der investierten Titel entspricht).

Im Zeitkorridor der besonders ausgeprägten Euro-Abwertung bis etwa Frühherbst 2022 konnte sich die Wertentwicklung der Euro-Tranche deutlich von der der USD-Tranche absetzen (siehe markierten Bereich der Grafik). Wichtig für Anlegende hierzulande: Die Betrachtung der USD-Tranche dient nur der Illustration des Währungseffekts. Wer eine USD-Tranche in sein Euro-Depot kauft, wird am Ende immer bei der Bewertung in Euro ankommen. Es zählt lediglich die Differenz zwischen der Währung des Ausgangsinvestments (hier USD) und der Währung, in der das Depot bewertet wird (hier Euro). Nur wer eine Tranche mit Euro-Absicherung wählt, kann (mit Abschlägen durch die Absicherungskosten) in etwa die Wertentwicklung des Ursprungsinvestments für sich reproduzieren.

Im Vergleich: Wertentwicklung unterschiedlicher Währungstranchen (Grafik auch zum Download verfügbar)

Im Vergleich: Wertentwicklung unterschiedlicher Währungstranchen

Entwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen.
Exemplarisches ETF-Investment in US-Aktien (S&P 500) zum Vergleich der Währungstranchen. Ohne Kosten. Entwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen. Quelle: FFB, 07.06.2024

Fazit

Selbst zwischen den Hauptwährungen können bei ungewisser Leitzinsentwicklung Währungschancen entstehen. Und nicht wenige Kommentare spekulieren auf eine mögliche weitere Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar – infolge der erwarteten divergenten zinspolitischen Entscheidungen der Zentralbanken aber auch zunehmenden politischen Unsicherheiten nach der Europawahl.3 Wer diese Überlegung für sein Portfolio taktisch gezielt einsetzen möchte, sollte auf Tranchen von ETFs oder Publikumsfonds ohne Absicherung gegenüber dem Euro setzen, um vom erhofften Effekt zu profitieren.

Wichtig ist dabei, die Einflussgrößen für (antizipierte) Zinsentscheidungen der Zentralbanken im Blick zu behalten. Denn die Frage, für welche Währungsräume die Zinsen in welcher Reihenfolge fallen (oder steigen) ist der wichtigste Einflussfaktor auf das Währungsgefüge. Das hat sich bereits in den ersten Tagen nach der EZB-Zinsentscheidung gezeigt. Ein unerwartetes Sinken der US-Inflation und damit Mutmaßungen über den Zinskurs der Fed hatten schon wieder zu einer vorübergehenden Stärkung des Euro geführt.4 Zu den entscheidenden Einflussgrößen gehören neben der Inflation, der Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum (mehr dazu). 

Quellen:
1 ise.org
2 Deutsche Bundesbank
3 „Dollar’s Rise Toward 2024 High Aided by CPI, Fed Speculation“, Bloomberg, 11.06.2024
4 „So reagiert der Eurokurs auf den Fed-Zinsentscheid“, finanzen.net, 12.06.2024

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