Knapp 15 Millionen Riester-Verträge sind noch im Umlauf. Gut zwei Drittel davon halten Versicherungsgesellschaften. Wann lohnt ein Wechsel in das stärker investmentorientierte Altersvorsorgedepot? Und wie geht ein solcher Wechsel vonstatten?
Mit dem Altersvorsorgereformgesetz kommt ab dem 1. Januar 2027 ein Systemwechsel in der geförderten Altersvorsorge auf uns zu. Erstmals können Riester-Sparer ihr Guthaben in ein kapitalmarktbasiertes Altersvorsorgedepot übertragen.
Für viele Kundinnen und Kunden stellt sich damit eine entscheidende Frage: „Soll ich meinen bestehenden Riester-Vertrag fortführen, oder lohnt sich ein Wechsel?“
Für die unabhängige Finanzberatung ist das damit eine große Chance für konkrete Gesprächsanlässe. Denn viele Sparende werden ihre bisherige Altersvorsorge sicherlich neu bewerten und benötigen daher umso mehr Orientierung.
Ein großer Bestand wird neu bewertet
Laut Bundesarbeitsministerium existierten Ende 2025 14,68 Millionen Riester-Verträge in der Ansparphase. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren. Ein erheblicher Teil ist nicht mehr aktiv: Rund ein Fünftel bis knapp ein Viertel der Verträge gilt als „ruhend“ und wird nicht mehr bespart.
Rund zwei Drittel (9,75 Millionen) dieser Verträge liegen derzeit noch bei Versicherern. Nur rund drei Millionen Riester-Verträge sind fondsbasiert.1 Ende 2025 kamen diese auf einen Gesamtdepotwert von knapp 40 Milliarden Euro.2
Riester-Verträge im Bestand sind rückläufig
Entwicklung der Zahl der Riester-Verträge (Stand: 27.04.2026)
Quelle: Bundesarbeitsministerium
Diese Grafik zeigt den Bestand der kumulierten Anzahl der abgeschlossenen Riester-Verträge zum Jahresende 2025 – knapp 14,7 Millionen. Die Riester-Rente ist eine privat finanzierte Rente in Deutschland, die der Staat durch Zulagen und durch die Möglichkeit des Sonderausgabenabzugs fördert.
Fakt ist: Diese Verträge werden auch künftig bestehen bleiben. Mit dem Altersvorsorgedepot entsteht nun die Möglichkeit, vorhandene Lösungen zu überprüfen und gegebenenfalls neu auszurichten.
Für Beraterinnen und Berater eröffnet sich dadurch ein Markt: Viele Kundinnen und Kunden haben sich über Jahre kaum mit ihrem Riester-Vertrag beschäftigt. Das könnte sich nun ändern.
Aus einem Produkt wird ein Beratungsthema
Die eigentliche Chance liegt nicht im Produktwechsel. Sie liegt vielmehr darin, dass Kundinnen und Kunden ihre Altersvorsorge insgesamt hinterfragen.
Das heißt: Sobald ein bestehender Riester-Vertrag bei Ihnen auf den Prüfstand kommt, kann daraus ein breiteres Gespräch werden:
- Passt die aktuelle Vorsorgestrategie noch zur Lebenssituation?
- Wie hoch ist die zu erwartende Versorgungslücke?
- Welche Rolle spielen Kapitalmarktanlagen künftig?
- Sind bestehende Verträge noch sinnvoll aufeinander abgestimmt?
Genau hier können unabhängige Beraterinnen und Berater ihre Stärke und Expertise ausspielen. Es geht nicht allein um einen einzelnen Vertrag – es geht um die gesamte Vorsorgesituation.“
Welche Möglichkeiten haben Riester-Kunden im neuen Altersvorsorgedepot?
Im Grunde stehen Riester-Kunden vier Optionen offen:
- Option 1: Der bestehende Riester-Vertrag, der Bestandsschutz genießt, wird mit der bestehenden Riester-Förderung weitergeführt.
- Option 2: Der bestehende Riester wird in das neue Förderregime überführt und künftig nach dessen Regelungen weitergeführt.
- Option 3: Der bestehende Riester-Vertrag wird weitergeführt und zusätzlich ein neuer Vertrag für das Altersvorsorgedepot abgeschlossen. Beide Verträge sind Teil des neuen Fördersystems.
- Option 4: Der bestehende Riester-Vertrag wird förderungsunschädlich in ein Altersvorsorgedepot überführt und künftig nach den dort geltenden Förderregelungen geführt.
Welche Lösung geeignet ist, hängt von den persönlichen Rahmenbedingungen Ihrer Kundinnen und Kunden ab: Alter, Vermögen, Anlagehorizont, Risikobereitschaft und bestehende Vorsorgebausteine spielen eine Rolle. Je nach gesetzlicher Ausgestaltung könnten sich Riester-Sparer die Frage stellen, ob die bestehende Lösung unverändert fortgeführt, ergänzt oder angepasst werden sollte.
Downloads
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- Für mehr Hintergrundwissen haben wir für Sie weiterführende Inhalte zum Thema Riester aufbereitet
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- 1x Mailingvorlage (PDF)
- Familien, Selbstständige oder Interessenten eines möglichen Riester-Wechsels: In den folgenden Beiträgen dieser Serie werden wir diese noch intensiver beleuchten und Ihnen Material für das Kundengespräch zur Verfügung stellen.
- Für Ihre Kunden steht eine eigene Seite zum Altersvorsorgedepot bereit. Dort werden die Hintergründe, die neuen Produkte und Fördermöglichkeiten erläutert als auch weiterführende Artikel angeboten. Zeitnah wird dort auch ein umfassender Rechner zu finden sein, den Sie ebenfalls nutzen können.
- Inspiration für Beratungsansätze und weiterführende Informationen finden Sie ebenfalls in unseren aktuellen Beiträgen für Kunden: Vorsorgewissen.
Wie die Assekuranz argumentiert
Natürlich wird die Assekuranz das Feld nicht kampflos räumen und freiwillig ihre Bestände abgeben wollen. Große Versicherer wie die Allianz mit ihren rund 1,5 Millionen Riester-Kunden sprechen diese bereits aktiv an und rechnen ihnen mit Hilfe sogenannter „Förderindikationsrechner“ vor, mit welcher Option sie am besten fahren.3 Andere Gesellschaften wie die Ergo oder die HUK-Coburg agieren ähnlich und informieren auf thematisch passenden Webseiten.
Die Hauptargumente der Versicherer lauten dabei meist: einfacher Verbleib in einem bestehenden Vertrag (siehe „Option 1“ zuvor) oder Überführung des alten Riesters in die neue Förderung (Option 2) sowie die Absicherung in einer lebenslangen Leibrente, die nicht mit dem 85. Lebensjahr endet.
Wie läuft ein Wechsel ab?
Ist es der Beraterin oder dem Berater also gelungen, ihre Kundschaft in einem bestehenden Riester-Vertrag von einem Wechsel in Fonds und/oder ETFs zu überzeugen, läuft dieser nicht automatisch ab. Dazu ist erst ein aktiver Antrag des Kunden notwendig.
Die Beratung für einen möglichen Wechsel ist anspruchsvoll, und die Entscheidung dazu sollte von der jeweiligen Lebenssituation des Kunden abhängen. Pauschale Aussagen („Depot ist immer günstiger“) greifen auf jeden Fall zu kurz.
Besonders wichtig in diesem Zusammenhang: Für eine belastbare Empfehlung benötigen Berater vollständige Vermögens- und Vertragsdaten. Ohne diese Daten bleibt die Beratung lückenhaft.
Welche Empfehlungen ergeben sich also für die unabhängige Beratung?
Ohne Daten keine belastbare Empfehlung
Daten zuerst, Produkt danach: Der Wechsel ist ein Beratungsanlass mit Dokumentationspflicht. Eine Empfehlung muss belegbar sein – auch Jahre später. Berater sollten daher frühzeitig sicherstellen, dass sie alle relevanten Vertrags- und Vermögensdaten strukturiert erfassen.
Wechselpotenzial identifizieren: Besonders interessant sind bestehende Riester-Verträge mit hohen Effektivkosten, ruhend gestellte Verträge, Kunden mit langen Restlaufzeiten sowie jüngere Sparer, die von einer langen Dauer am Kapitalmarkt stärker profitieren.
Kapitalmarktkompetenz sichtbar machen: Das Depot ist ein investmentbasiertes Produkt. Kunden benötigen Orientierung bei Fonds, ETFs, bei Themen wie Risiko und Rendite. Hier können unabhängige Finanzberater und -beraterinnen mit solch fachlichem Hintergrund ihre Stärken ausspielen.
Ganzheitliche Vorsorgeplanung anbieten: Das Altersvorsorgedepot ist nur ein Baustein. Berater können, sofern es zur Situation des Anlegenden passt, ergänzend Leistungen wie VL-Sparen, Juniordepots, Modellportfolios und freie Depots in eine umfassende Strategie integrieren.
Wechsel als Gesprächsanlass nutzen: Millionen Riester-Sparer müssen sich neu orientieren. Das schafft natürliche Gesprächsanlässe – sowohl im Bestand als auch bei Neukunden.
Fazit: Eine große Chance für die unabhängige Beratung
Das Altersvorsorgedepot bringt wieder Bewegung in einen Markt, der eingerostet war. Und Riester wird zum Türöffner für neue Beratung.
Für unabhängige Finanzberaterinnen und -berater wie Sie ist das die Gelegenheit, Ihre Kapitalmarktkompetenz sichtbar zu machen, Riester-Kunden durch einen komplexen Entscheidungsprozess zu führen und langfristige Mandate zu stärken.
Im Mittelpunkt sollte dabei weniger die Frage stehen, ob ein Wechsel aus dem alten Riester grundsätzlich sinnvoll ist. Entscheidend ist vielmehr, welche Lösung zur individuellen Situation der Kundschaft passt. Genau hier liegt die Chance, Ihre Beratungskompetenz sichtbar zu machen, und die Chancen des neuen Altersvorsorgedepots voll auszuschöpfen.
Vertiefende Informationen zu „Riester im Wandel“ finden Sie in unserem gleichnamigen Artikel, weitere Auskünfte zum Altersvorsorgedepot gibt es auf dieser Website: Mehr Vermögen fürs Alter. Weniger Rentenlücke.
Fußnoten:
1 Quelle: Bundesarbeitsministerium: Entwicklung der Zahl der Riester-Verträge (Stand: 27.04.2026)
2 Quelle: Das Investment.com, 04/08/2026: Fondsombudsstelle: Streitthemen Kostenklauseln und Riester
3 Quelle: Fonds professionell.de, 22/07/2026: Allianz tritt bei Altersvorsorgedepot aufs Gas
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