ESG-Investmentansätze entwickeln sich zum Mainstream. Höchste Zeit für eine Analyse, um zu verstehen, woher das Nachhaltigkeits-Alpha wirklich stammt. Lesedauer 2 – 3 Min.

Die Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung sind mittlerweile aus dem Management von Portfolios der meisten Anlageklassen nicht mehr wegzudenken. Tatsächlich wachsen die nach ESG-Ansätzen verwalteten Anlagevolumina rasant. In Europa wird bereits fast jeder zweite Euro in nachhaltigen Investments angelegt. Aus gutem Grund, denn ESG-Ansätze liefern Anlegern nach Angaben der UN-Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren einen deutlichen Mehrwert über die Wertentwicklung traditioneller Ansätze, die ESG-Kriterien nicht berücksichtigen, hinaus. Fakt ist: Nachhaltigkeit lohnt sich für jedes Anlageportfolio. Darum ist es umso interessanter, zu analysieren, welche Erfolgsfaktoren (Key Performance Indicators – KPIs) dafür verantwortlich sind, die entscheidenden Performancebeiträge, also das „Alpha“ von nachhaltigen Aktienanlagen, zu liefern.

Kontroversen sind Geldvernichter

Eine Schlüsselrolle spielt die Vermeidung von Verlusten, die aus kontroversem Verhalten von Unternehmen herrühren. Nach Analysen von Bank America Merrill Lynch wurde seit 2014 durch ESG-Kontroversen allein von Unternehmen aus dem S&P500 Index ein Wert von 550 Milliarden Dollar vernichtet. Dies belegt eindrucksvoll, dass Verlustrisiken in Portfolios begrenzt werden können, wenn kontroverse Unternehmen bzw. Sektoren von vornherein identifiziert und gemieden werden. Dreh- und Angelpunkt im Nachhaltigkeitsmanagement sind außerdem die verfügbaren Daten zu den E-, S- und G-Kriterien, und zwar betrifft das in erster Linie deren Qualität. Je tiefer und transparenter ESG-Daten sind, desto besser lässt sich beurteilen, wie nachhaltig Unternehmen oder Staaten in Bezug auf Ökologie, Soziales und Governance tatsächlich sind.

„E“ dominiert das Datenuniversum

Ein Blick auf die ESG-Scores von großen Datenanbietern zeigt, dass die Komponente Umwelt, also das „E“, den größten relativen Performancebeitrag liefert. Bedenkt man, dass MSCI, Sustainalytics und Thomson Reuters bereits seit 2007 umweltbezogene Daten erfassen, verwundert dies nicht. Doch ist der Performanceanteil nicht überall gleich groß. Während bei MSCI Umweltfaktoren zwar die treibende Kraft neben Sozial- und Governance-Kriterien sind, spielt der Faktor E bei Sustainalytics die absolute Hauptrolle. Ganz anders wiederum bei Thomson Reuters: Dort ist das Gesamtergebnis, also das durchschnittliche Alpha der Komponenten E, S und G, der Haupttreiber der relativen Performance, während Einzelindikatoren eher unerheblich sind. Neben der Gewichtung der ESG-Kriterien gibt es auch in puncto Erhebungszeiträume bzw. Datentransparenz und -tiefe große Unterschiede. Der Teufel steckt also im Detail. Produktanbieter sollten die Heterogenität der verfügbaren Daten berücksichtigen und möglichst nicht nur auf einen Datenlieferanten setzen.

Eigenes ESG-Research macht den Unterschied

Anbieter nachhaltiger Anlagen sollten auch über ein eigenes ESG-Daten-Research verfügen, um die Schwächen externer Datenquellen zu kompensieren – nicht nur in Bezug auf Umwelt, sondern auch in Bezug auf Soziales und Governance. Beispiel Banken: Die Einhaltung von Regulierungsvorschriften, zum Beispiel bei der Geldwäsche, ist wichtig, um Reputationsrisiken für den Investor zu vermeiden. Kritisch ist zudem das Thema Korruption, vor allem in Branchen wie Flugzeugbau, Energiewirtschaft und Infrastruktur. Aber auch die Governancestrukturen in Unternehmen können problematisch sein, wie der Dieselskandal gezeigt hat, bei dem wichtige Kontrollinstanzen in einigen deutschen Automobilkonzernen nicht funktioniert haben.

Wie wichtig eine eigene qualitative ESG-Beurteilung neben dem Screening von Marktdaten ist, zeigt auch der folgende Sachverhalt: Wenn alle Investoren den gleichen ESG-Ansatz fahren und im Wesentlichen die gleichen Indikatoren nutzen, um ESG-Risiken und -Chancen einzuschätzen, steigt zwangsläufig das Interesse an denjenigen Aktien, die die beste Wertentwicklung erzielen. Dies führt zu einem gewissen Nachfragetrend, der sich immer weiter verstärkt. Als Konsequenz schneiden Aktien, die durch das allgemeine ESG-Raster fallen, automatisch schlecht ab. Das muss jedoch nicht bedeuten, solche Unternehmen komplett vom eigenen Investitionsradar zu streichen. Ebenso sind kleinere Unternehmen häufig interessante Investments mit guten ESG-Werten. Da kleinere Titel aber meist nicht in den großen Datenbanken abgebildet werden, sondern nur hoch kapitalisierte Large Caps, erschließen sich aktiven Fondsmanagern die lukrativeren Alternativen – nicht nur unter fundamentalen, sondern vor allem auch unter ESG-Gesichtspunkten.

Anlageprodukte:

DPAM INVEST B Equities Europe Sustainable (BE0940002729 / BE0940001713)

Degroof Petercam AM (DPAM) ist eine in den Beneluxländern führende unabhängige Asset Management-Gesellschaft mit langjähriger Marktreputation in Long Only-Anlagekonzepten sowie spezialisierten Asset Management-Lösungen.

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