Wenn die Zeiten unsicherer werden, beweisen „Langeweiler-Aktien“ wie Infrastrukturtitel ihre Berechtigung in Anlegerportfolios. Denn sie stehen prototypisch für geringe Zyklusabhängigkeit, langfristig planbare Erträge und Preissetzungsmacht.

Unübersichtliche Wirtschaftsentwicklung voraus? Der Ausblick auf 2022 ist von vielen Unsicherheiten geprägt: Erweist sich die Inflation als strukturell und wird sie zu unserer alltäglichen Begleiterin? Würden mögliche Zinsschritte der Zentralbanken die Wirtschaft abwürgen? Oder droht der Konjunkturentwicklung sogar ein empfindlicher Dämpfer, weil Corona und Maßnahmen zu Eindämmung auch weiterhin Lieferketten, Nachfrage oder das gesamte Wirtschaftsleben beeinflussen? Es gibt viele Themen, die Anleger verunsichern, weil sie vermuten lassen, dass die Kursentwicklung bei Aktien in den kommenden Jahren nicht einfach die Euphorie von 2021 fortschreiben wird. Und sie fragen sich: Was kann ich tun, um innerhalb des Aktienportfolios Risiken weiter zu diversifizieren und langfristig stabile Akzente zu setzen?

Langfristigkeit im Extrem: Infrastruktur-Verträge mit Laufzeiten bis 99 Jahre

Infrastrukturtitel haben einige Eigenschaften, die Antworten auf solche Anlegerfragen ermöglichen. Etwa die extreme Langfristigkeit von Infrastrukturinvestments. Mit langen Nutzungsdauern und langlaufenden Verträgen bis zu einem Jahrhundert1 blicken sie weit über die Höhen und Tiefen des aktuellen Wirtschaftszyklus hinaus. Gerade physische Basisinfrastruktur wie Straßen, Brücken oder Bahnstrecken aber auch Basisinfrastruktur in Energie und Datenübertragung sind unverzichtbar und werfen daher auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen weitgehend berechenbare Erträge für Betreiber und Aktionäre ab.

Bei Inflation gefragt: Preissetzungsmacht

Die Unverzichtbarkeit von Infrastruktur hat auch einen weiteren Nebeneffekt. Häufig haben Infrastrukturanbieter eine ihrem Geschäftsmodell inhärente Preissetzungsmacht: Wer Strom von Nord nach Süd leiten will, kann nicht mal eben auf ein anderes Netz ausweichen, wer auf Daten und Konnektivität angewiesen ist, muss eine Netzinfrastruktur dafür nutzen und wird auch höhere Preise in Kauf nehmen.

Bedeutung für Klimawandel und Dekarbonisierung

Die Anstrengungen zur Eindämmung des Klimawandels und zur Dekarbonisierung der Wirtschaft sind ebenfalls mit gigantischen Infrastrukturprojekten verbunden. Beispiel hierzulande: Um die Windenergie aus dem Norden in Deutschlands Industrie- und Wirtschaftsregionen zu bringen, sind die Nord-Süd-Stromautobahnen ein wesentlicher Knackpunkt. A-Nord/Ultranet im Westen, SuedLink in der Mitte und SuedOstLink im Osten der Republik sollten eigentlich bis spätestens 2026 Öko-Windstrom dahin transportieren, wo er gebraucht wird.2 Mit weniger Widerständen hat die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu kämpfen. Die schreitet nicht nur in Deutschland und Europa voran – global sehen Prognosen wachsende Umsatzpotenziale für Anbieter.

Prognose: Marktvolumen von Ladesystemen für E-Autos bis 2028  (Grafik als Download verfügbar)

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Quelle: Statista/ Inkwood Research, August 2021

Treiber für Fortschritt und Innovation

Straße, Schiene, (Strom-) Netze – in diesen klassischen Dreiklang der Infrastruktur mischt sich zunehmend die digitale Dateninfrastruktur als der Treiber für Wachstum und Innovation weltweit. Internet of Things, autonome Mobilitätslösungen oder Anwendungen für künstliche Intelligenz – viele der großen Wachstumstrends haben eine gemeinsame Voraussetzung: Verbesserte Konnektivität und einen Ausbau der Dateninfrastruktur. So sehen Experten beispielweise China auf dem Weg zur technologischen Marktführerschaft, weil in kaum einer anderen Weltregion der Ausbau von 5G-Netzen für die mobile Datennutzung vergleichbar forciert wird.

Im Fokus der Politik weltweit

Die Politik hat Infrastruktur ganz oben auf der Agenda. US-Präsident Biden hat inzwischen die Zustimmung des Kongresses für sein gigantisches Infrastrukturprogramm. Über eine Billion Dollar sollen insgesamt in den nächsten Jahren in die US-amerikanische Infrastruktur fließen.3 Zum Vergleich: Das ist mehr als Deutschland an kompletten Ausgaben des Bundes in zwei Jahren tätigt.4

China hat schon lange im Zuge seiner langfristigen Wirtschaftsplanung die Infrastruktur im Blick. Für – teils kontroverse – Aufmerksamkeit sorgen die „neue Seidenstraße“ mit chinesischen Infrastrukturinvestitionen, die bis nach Europa reichen, aber auch der schon angesprochene Ausbau der mobilen Dateninfrastruktur (5G).

Und auch Deutschland hat einiges vor. Auf Seite16 des Koalitionsvertrages der künftigen Ampel-Regierung lässt sich die Zielrichtung ablesen: „Unser Ziel ist  die  flächendeckende Versorgung  mit  Glasfaser  (fiber-to-the-home,  FTTH)  und  dem  neuesten Mobilfunkstandard. Der eigenwirtschaftliche Ausbau hat Vorrang.“

Infrastruktur ins Portfolio bringen

Berater können die Diversifikation durch weitgehend zyklusunabhängige Infrastrukturinvestments auf unterschiedliche Weisen in die Portfolios ihrer Kunden einbringen. Aktiv gemanagte Sektor- bzw. Themenfonds für Infrastruktur oder Konnektivität stehen in großer Auswahl unterschiedlicher Anbieter zur Verfügung. Bei aktiv gemanagten global anlegenden Aktienfonds oder Vermögensverwaltungsfonds kann das Fondsmanagement den Anteil der vergleichsweise konservativeren Titel erhöhen. Infrastruktur-ETFs ermöglichen ebenfalls ein gezieltes Investment. Berater haben also eine gute Auswahl an Fondslösungen zur Hand, wenn sie ihren Kunden ein langfristig ausgerichtetes und stabilisierendes Investment als Diversifikation nahebringen möchten.

Quellen:

1handelsblatt.com, 1.10.2021.
2tagesschau.de, 27.05.2021
3tagesschau.de, 6.11.2021
4Bundesministerium der Finanzen, Bundesausgaben 2020: 441,8 Mrd. €, Vorläufiger Abschluss des Bundeshaushaltes 2020, Januar 2021

Große Infografik: Infrastruktur im Energiemarkt

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