Angesichts der rasanten Kursentwicklung einzelner COVID-19-Impfstoffhersteller fragen sich Anleger und Berater vielleicht, ob es sich noch lohnt, in die Pharma- und Biotechbranche zu investieren. Was es zu beachten gilt, wenn man sich für die Branche interessiert.

Als in der ersten Novemberwoche Biontech und Pfizer verkündeten, dass ihr COVID-19-Impfstoff einen mehr als neunzigprozentigen Schutz bieten dürfte, ging ein Aufatmen durch die Welt. Die Börsen setzten zu einer Rallye an. Der Kurs von Biontech sprang in die Höhe und hat sich seit Jahresanfang etwa verdreifacht. Das Phänomen ist kein Einzelfall und kann damit als ein typisches Beispiel unter vielen gelten, das zur Illustration von Marktreaktionen auf Erfolgsmeldungen dienen kann. Ähnlich sieht es etwa nämlich auch beim US-Wettbewerber Moderna aus. Auch bei diesem Beispiel für eine solchen Entwicklung regte sich die Börse, als der kurz darauf mit der Meldung einer noch höheren Wirksamkeit an die Öffentlichkeit ging.1 Anleger und ihre Berater fragen bei einer solchen Nachrichtenlage: Lohnt es sich noch, auf Biotech-Aktien zu setzen? Und ist eine Verlautbarung eines Testerfolgs in Phase 3 auch schon eine Erfolgsgarantie für das Impfprodukt?

Endgültig verteilt sind die Pfründe jedenfalls noch nicht. Neben Biontech/Pfizer und Moderna befinden sich derzeit noch weitere neun Kandidaten in Phase 3 der Impfstoffentwicklung, der letzten vor dem Zulassungsprozess (Phase 4).² Im Rennen um den ersten marktfähigen Impfstoff befindet sich neben Biontec/Pfizer und Moderna beispielsweise unter anderen noch der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca. Der setzt, anders als die Konkurrenten, nicht auf die neue – und teurere – RNA-Technologie, sondern auf die erprobte Vektorviren-Impfstoff-Methode.³

Kein „the winner takes it all“

Mittlerweile scheint wenigstens klar, dass es nicht nur einen Sieger im Rennen um den Impfstoff geben wird. Mehrere Vakzine werden zum Einsatz kommen: wegen des hohen Bedarfs, aber auch wegen unterschiedlicher Vor- und Nachteile. Etwa steht der hohen Wirksamkeit des Impfstoffs von Biontech/Pfizer dessen schwierige Lagerbarkeit gegenüber: Er muss extrem kalt gelagert werden, Biontech geht von minus 80 Grad aus. 

Nicht nur, dass mehrere Unternehmen zum Zug kommen könnten, dabei sein könnten auch solche, die derzeit noch zurückliegen. Dazu gehört auch beispielsweise Curevac aus Tübingen, an dem der deutsche Staat beteiligt ist. Der Curevac-Impfstoff hätte den Vorteil, dass er Unternehmensangaben zufolge bei Kühlschranktemperaturen transportiert und eingelagert werden kann.

Biotech-Branche ist kein Selbstläufer

Angesichts der großen Zahl von Playern ist es nicht leicht, die potenziellen Gewinner zu identifizieren. Das ist selbst für Experten auf dem Gebiet oder spezialisierte Fondsmanager und Analysten eine herausfordernde Aufgabe. Andererseits nutzt es nichts, das „Auswahlrisiko“ umgehen zu wollen und undifferenziert auf die ganze Branche zu setzen. Das war zumindest in der Vergangenheit oft kein Erfolgsmodell. Schon vor COVID-19 wurde Biotech oft genug als Zukunftsbranche ausgerufen. Schließlich spricht einiges dafür: die demographische Entwicklung mit immer mehr Älteren etwa und der wachsende Wohlstand in vielen Schwellenländern mit immer mehr Menschen, die Zugang zu medizinischer Versorgung haben (mehr über den Megatrend Demografie).

Aber die Erfahrung lehrt: Gelohnt hat sich das Investment in der Breite der Branche längst nicht immer – selbst 2020 nicht, obwohl in Pandemiezeiten Biotechnologie und Pharma doch eine Schlüsselrolle zugeschrieben wird. So liegt der Branchenindex MSCI World Pharmaceuticals, Biotechnology and Life Sciences, der große und mittelgroße Unternehmen aus der Branche aus 23 Ländern weltweit abbildet, per Ende Oktober sogar leicht im Minus und steht damit schlechter da als der marktbreite MSCI World. Auch auf längere Sicht konnte sich der Index kaum oder gar nicht vom großen Bruder absetzen, mit annualisierten Renditen von 7,7, 5,4 und 11,5 Prozent versus 6,6, 8,7 und 9,3 Prozent in drei, fünf und zehn Jahren.4  Bei dem nur US-Biotech-Unternehmen abbildenden Nasdaq Biotech ist das Bild noch klarer: Der kam bis Ende Oktober dieses Jahres zwar auf ein Plus von 8,2 Prozent, der Nasdaq 100 allerdings auf 26,6 Prozent.5

Nur Kopf an Kopf: MSCI World Pharma, Bio & LifeScience versus MSCI World (Grafik als Download verfügbar)

Bruttorendite annualisiert in %. In Indizes kann nicht investiert werden. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Diese können sowohl höher als auch niedriger ausfallen.
Quelle: msci.com, 30.10.2020

Aktive Wette im Rahmen breit aufgestellter Portfolios

Wer Anlegern die Chance auf attraktive Renditen aus einem Investment in Biotech- und/oder Pharmawerte eröffnen will, wird sich also eher bei aktiv gemanagten Branchenfonds umsehen. Aktive Fondsmanager haben den Freiraum, die aus ihrer Sicht interessantesten Unternehmenschampions auszuwählen, von denen sie sich eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik erwarten. Mit solchen Fonds können Anleger – etwa als Satelliteninvestment in einem breit diversifizierten Portfolio – bewusst aktive Wetten eingehen. Erfahrene Fondsmanager haben dabei auch die Möglichkeit, die besonders ausgeprägte Volatilität des spezifischen Marktsegments für bessere Anlageergebnisse zu nutzen. Der Grund für die im Vergleich zu anderen Branchen oder gar breiten Märkten deutlich erhöhte Schwankungsintensität: Nur wenige Präparate schaffen den steinigen Weg bis zur Marktreife. Enttäuschende Studienergebnisse oder gar Todesfälle während der Testphase lassen Kurse regelmäßig einbrechen. Auch der Einfluss der Politik auf die Preisgestaltung ist immer wieder Thema. Nicht zuletzt ist die Branche geprägt von vielen Übernahmen und Fusionen, die zumindest für private Anleger schwer bis gar nicht abzusehen sind.

Für Anleger und ihre Berater heißt das: Ein Investment in Pharma, Biotech oder Life Sciences ist kein Selbstläufer – selbst in Zeiten, in denen die Menschheit den Leistungen und Angeboten gerade dieser Industrie so viel Aufmerksamkeit widmet. Ein Investment in die Branche ist eine Wette, die äußerst attraktiv sein kann. Denn Fonds können bei einer rückblickend richtigen Titelauswahl extrem hohe Renditen winken. Und auch jenseits der COVID-19-Impfstoffe steckt in Biotech viel Potenzial. So könnte die neue RNA-Technologie auch die Therapie von Krebs- und Stoffwechselerkrankungen revolutionieren. Biotech wird aus diesem Grund oft auch als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts beschrieben.

Allerdings gibt es keine Garantie, dass die Wette auf ein bestimmtes Unternehmen aufgeht. Daher erfordern diese Investments ständige Aufmerksamkeit von Anlegern und ihren Beratern sowie im Zweifel die Bereitschaft, flexibel zu reagieren. Die FFB hat derzeit rund 100 Fonds mit dem Schwerpunkt „Pharmazie und Biotech“ im Angebot. An Auswahlmöglichkeiten, die es gezielt zu nutzen gilt, fehlt es nicht. Berater, die ihre Kunden auf dem Weg in ein möglicherweise hochattraktives Satelliteninvestment begleiten wollen, bietet sich also die Möglichkeit sich auszuzeichnen.

Wenn Anleger nicht bereit sind, mit einem Teil ihres Kapitals eine interessante Wette einzugehen, dürfte dieser spezifische Branchenschwerpunkt kaum die richtige Entscheidung sein. Ebenso, wenn für Berater der Aufwand einer engmaschigen kontinuierlichen Beobachtung und Anpassung des Anlegerportfolios zu groß wäre. In diesen Fällen dürften Anleger mit marktbreiten, aber aktiv und benchmark-unabhängig gemanagten Fonds besser fahren: Bei diesen können Fondsmanager je nach Marktlage entscheiden, ob Aktien ganz unterschiedlicher Branchen noch Potenzial haben – oder der Zug längst abgefahren ist.

1 Datastream, 17.11.2020. In Indizes kann nicht investiert werden. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Diese können sowohl höher als auch niedriger ausfallen.

2 zeit.de, 17.11.2020

3 Alle gennannten Unternehmensnamen dienen nur der Illustration. Eine Nennung sellt weder eine Empfehlung zum Kauf noch zum Verkauf von Wertpapieren dar.

4 msci.com, 30.10.2020. In Indizes kann nicht investiert werden. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Diese können sowohl höher als auch niedriger ausfallen.

5 Datastream, 17.11.2020. In Indizes kann nicht investiert werden. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Ergebnisse. Diese können sowohl höher als auch niedriger ausfallen.

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