Lange Zeit schienen Wachstumsstars wie Apple, Amazon oder Tesla Aktien traditioneller Wirtschaftszweige weit hinter sich zu lassen – wie ein Tesla einen Traktor. Doch seit Jahresbeginn stellt selbst der Dax die einstigen Kursraketen in den Schatten. Nur eine Momentaufnahme?
FAANG, GAFAM, Big Five, Tech Giants – für die US-Technologieriesen gibt es allerhand Abkürzungen und Namen. Google, Facebook, Amazon, Apple und Microsoft stehen für die New Economy: digital und (meist) plattformbasiert. Und „Big“ und „Giants“ sind sie in jedem Fall. Denn sie haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt, was Umsatz und (meist) Gewinne angeht, aber auch an der Börse. Längst schon sind sie von der Marktkapitalisierung her die größten Unternehmen der Welt. Im S&P 500 machen sie mehr als ein Fünftel aus.1 Und ihre Chefs bzw. Gründer wie Jeff Bezos, Elon Musk, Bill Gates und Mark Zuckerberg belegen auf der Liste der reichsten Menschen weltweit die Toppositionen.2
Doch in diesem Jahr ist der Reichtum von Bezos, Musk & Co kaum mehr gewachsen. Jedenfalls der Teil, der in Aktien der Unternehmen steckt. Denn die Kurse einiger Big Techs – etwa Apple oder Amazon – treten seit Jahresanfang auf der Stelle. Der Kurs der Tesla-Aktie hat sogar kräftig Federn gelassen. Insgesamt kam etwa die US-Technologiebörse Nasdaq von Jahresanfang bis Anfang Juni nur auf ein Plus von 8 Prozent. Der „Langeweiler“ DAX, dem oft das Old-Economy-Image anhaftet, erreichte mit 14 Prozent hingegen fast das Doppelte.3
DAX hängt Nasdaq 100 ab

Quelle: Refinitiv Datastream, Zeitraum 01.01.2021 bis 22.06.2021, rebasiert zum 01.01.2021
New Economy: Mehr als nur temporärer Rückenwind?
Die Sektorrotation hatte schon Ende 2020 eingesetzt: weg von den 2020 so beliebten Tech-, Pharma- und digitalen Konsumgüterkonzernen und hin zu Ausrüstungs-, Versorgungs- und Dienstleistungsanbietern, den Zyklikern. Im DAX gehören übrigens 2021 echte Old Economy-Werte wie die Autobauer, die Post und die Banken zu den Top-Performern.3 Ist die New Economy also schon wieder old? Oder ist das alles nur eine Momentaufnahme?
Dafür, dass die Tech-Giganten letztes Jahr starken Rückenwind hatten, gibt es einige Gründe: Unter dem Lockdown haben sie nicht gelitten, ganz im Gegenteil bescherte er den digitalen und Online-Geschäftsmodellen eine Sonderkonjunktur. Viele Sektoren, die in europäischen Indizes dominieren, hatten hingegen ordentlich zu knabbern: allen voran die Fluggesellschaften und Touristikunternehmen, aber auch die Autobauer, die Banken, dazu Energie-, und Ölkonzerne.
Bester Mix: Old und New Economy
Jetzt hat ein breiter Erholungstrend eingesetzt, der die vermeintlichen „Underdogs“ aus dem Jahr 2020 wieder nach vorne gebracht hat. Old oder New Economy? Wer sich das jetzt fragt, sollte bedenken:
- Dass es eine Sektorrotation gibt und nach einer Phase des Tech- und Pharmabooms andere Branchen haussieren, ist intuitiv verständlich. Das richtige Timing von Zyklikern und defensiven Titeln ist aber alles andere als leicht. Anfang und Ende solcher Wechsel zur richtigen Zeit zu erkennen und auszunutzen – ein schwieriges Unterfangen.
- Strukturelle Veränderungen wirken aber auch nach Bewältigung der Krise fort, etwa die Digitalisierung, das veränderte Konsumverhalten oder der Trend zu Elektromobilität. Auch die sichtbar gewordenen Anfälligkeiten – etwa im Bankenbereich oder im Ölsektor – bleiben.
- Auf Dauer bestimmen fundamentale Faktoren wie Ertragsstärke und Gewinnerwartungen die Aktienkurse. Entscheidend ist also, ob die New Economy auch am Puls der Zeit bleibt. Und ob sie ihre lukrativen Einkommensquellen behält: Immerhin sind inzwischen Google, Amazon, Apple und Facebook auf der Prüfliste der Kartellbehörden.4 Andererseits kämpft die Old Economy um nachhaltige Geschäftsmodelle (siehe als Beispiel die Umstellungsinvestitionen der Autoindustrie).
Für Anleger und ihre Berater heißt das: Sie müssen sich bei der Titelauswahl jetzt wieder stärker auf eine aktive Auswahl und bewusste Risikodiversifikation stützen. Und auf die Qualität von Geschäftsmodellen, die Belastbarkeit von Bilanzen und die Nachhaltigkeit von Erträgen schauen. Also auch möglichst breit diversifiziert investieren und Klumpenrisiken im Portfolio vermeiden. Und damit Chancen finden – egal ob in der New oder Old Economy.
Quellen:
1 Refinitiv Datastream, 22.06.2021, Apple, Microsoft, Amazon, Facebook, Tesla, Alphabet.
2 Handelsblatt, 19.05.2021.
3 Refinitiv Datastream, 07.06.2021.
4 sueddeutsche.de, 21.06.2021
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