Skip Header

ESG-Regulierung überblicken

Nachhaltiges Investieren wird der neue Standard der Fondsanlage. Die Regulierungsinitiativen der EU bieten dazu den verbindlichen Orientierungsrahmen – eine Übersicht zum Stand der wichtigsten Entwicklungen aus Sicht der Anlageberatung.

Der EU-Aktionsplan für die Finanzierung nachhaltigen Wachstums soll den Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsordnung unterstützen. Der Plan nimmt dabei die gesamte Prozesskette der Kapitalanlage in den Blick: vom Unternehmen, in das investiert wird, bis hin zum Anleger. Und er entwickelt ein umfassendes System für mehr Transparenz bezüglich der ESG-Risiken und deren Steuerung.

ESG-Regulierung in der Prozesskette Kapitalanlage
Wichtige Elemente aus Anleger- und Beratersicht

Schematische Darstellung zur Illustration – ohne Anspruch auf Vollständigkeit

" Transparenz schaffen für einen besseren Zugang zum Kapitalmarkt für Unternehmen, die nachhaltiger wirtschaften. Das ist eine Idee, die durch ihre Klarheit in der Absicht besticht, im Detail jedoch komplex und aufwendig in der Realisierung ist."

Peter Nonner, Geschäftsführer FFB

Taxonomie: auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel

Eine einheitliche Taxonomie aufzustellen, erweist sich als besonders schwierig. Obwohl die EU-Kommission sich zunächst auf den „Green Deal“ mit seinen dringlichen Klimazielen konzentriert und die Dimensionen „S“ und „G“ derzeit noch komplett außen vorlässt, ist der Zeitplan unter Druck geraten.

Da es innerhalb der EU strittige Meinungen zu Energiegewinnung aus Atomkraft und Erdgas gibt, wurden diese nun zunächst aus der EU-Taxonomie ausgeklammert. So kam im April 2021 ein Kompromissvorschlag auf den Tisch, der nun diskutiert wird. Der Fahrplan für das, was eigentlich Herzstück der Regulierung wäre, ist ambitioniert – aber die Taxonomie ist spät dran.

Fahrplan für die Anwendung der Taxonomie: 
für Klimaziele: ab 1.1.2022
für andere Umweltziele: ab 1.1.2023
für andere ESG-Ziele: danach

Koordination: Kernherausforderung für Gesetzgeber und Marktteilnehmer

Offenlegung (SFDR): Erste Schritte getan

In Sinne der Offenlegungsverordnung haben Fondsanbieter ihre Fondsprodukte in eine von drei Kategorien eingeordnet. Sie werden nach den Artikeln dieser Verordnung als „Artikel-6-Fonds“, Artikel-8-Fonds“ und „Artikel-9-Fonds“ bezeichnet.

Eine weitere Stufe der Verordnung (Level 2) sieht vor, dass Fondsgesellschaften regelmäßig über die tatsächlichen ESG-Eigenschaften ihrer Fondsportfolios berichten. Dieser weitere Schritt zu mehr Transparenz für Anleger ist für Mitte 2022 geplant. Über die Ausgestaltung ist allerdings noch nicht final entschieden. Auch hier spielt der noch nicht abgeschlossene Prozess der Taxonomie-Entwicklung hinein.

Mehr zu den Chancen für die Beratung aus der Offenlegungsverordnung erfahren Sie hier.

Standards, Benchmarks & Labels: Ecolabel der EU für Fonds

Die Offenlegung nach SFDR kann bei der Orientierung über den Nachhaltigkeitsanspruch von Fondsprodukten helfen. Darüber hinaus entwickeln Expertenkommissionen der EU Nachhaltigkeits-Benchmarks für Anlageprodukte. Und auch ein geplantes Ecolabel für Fonds könnte für Orientierung sorgen. Doch auch hier ist das letzte Wort nicht gesprochen. Ein erster Entwurf für Kriterien wurde überarbeitet, weil nur ganze drei von damals schon über 100 Nachhaltigkeitsfonds die Kriterien für die Vergabe des Labels erfüllt hätten.

Aktuell wird der im März 2021 vorgelegte „Technische Report“ des Joint Research Center (JCR) diskutiert, das im Auftrag der EU-Kommission Vorschläge erarbeiten soll. Der aktuelle Vorschlag reduziert zwar die Anforderungen an den „grünen Portfolioanteil“. „Dennoch sind die Schwellenwerte für den grünen Portfolioanteil nach wie vor sehr ambitioniert und werden wenig Diversifikationsmöglichkeiten zulassen", so ein Sprecher des deutschen Branchenverbands BVI. Ob damit das Label einen guten Beitrag zum Aufbau eines im Sinne der Anlegerziele sinnvoll diversifizierten Portfolios leisten kann, ist also ungewiss. Unklar ist auch, wann es angewendet werden kann.

Ergänzung von MiFID II – worauf kann sich die Anlageberatung verlassen?

Als wichtigster Termin für die Anlageberatung stand der 1. Januar 2021 auf dem Programm. Seitdem sollen nach einer Ergänzung zu MiFID II Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlegern im Beratungsgespräch abgefragt, dokumentiert und beim Vorschlag geeigneter Anlagelösungen für den Kunden berücksichtigt werden. Wie das genau geschehen soll, ist allerdings – trotz des längst überschrittenen Termins – immer noch offen.

Die nun seit Ende April 2021 vorliegenden finalen Vorschläge werden gerade diskutiert. Durch die Aspekte, die ein Berater nach derzeitigem Stand abfragen soll, werden die Nachhaltigkeitspräferenzen der Anleger sehr eng eingegrenzt. So eng, dass sich mit der vorliegenden Produktklassifikation nach der SFDR allein kaum nachweisen lässt, ob eine Anlagelösung für die erhobenen Präferenzen geeignet ist.

Die Diskussion um diese Frage geht weiter. Vielfach wird von Branchenkennern hierzulande das sogenannte „Verbändekonzept“ als potenziell richtungsweisender Ansatz hervorgehoben. Es wurde zum Jahresbeginn 2021 vom Fondsverband BVI, dem Deutsche Derivate Verband (DDV) und dem Bankendachverband Deutsche Kreditwirtschaft (DK) vorgestellt und ist stärker operativ orientiert. Es bezieht sich auf Daten, wie sie schon heute von den Fondsanbietern für die Definition des Zielmarkts den Vertrieben elektronisch zur Verfügung gestellt werden und setzt dabei auf eine Erweiterung der vorhandenen Datenfelder.

Vorschlag Zielmarktklassifikation (sog. „Verbändekonzept“)

Als nachhaltig sollen nach diesem Konzept nur solche Finanzprodukte gelten, bei denen ein "E" oder "I" eingetragen ist. Zusätzlich zur Offenlegungsverordnung (SFDR) für Fonds sieht das Verbändekonzept für "E"-Produkte deutlich weitergehende quantitative Mindestausschlüsse vor. Damit kann es Fonds geben, die ein Anbieter gemäß Offenlegungsverordnung als nachhaltig eingestuft hat (“Artikel-8-Fonds“), die wegen fehlender Ausschlusskriterien im Zielmarktkonzept der deutschen Verbände aber nur ein "B" für "Basic" erhalten. Wenn sich ein Kompromiss zwischen den Anforderungen des „Technischen Reports“ des JCR und der SFDR-Klassifizierung im Sinne des Verbändekonzepts durchsetzt, dürften Produkte, die nur eine B-Kennzeichnung erhalten und die Kriterien für E oder I nicht erfüllen, nicht als nachhaltig in das Portfolio eines Kunden eingehen. 

Vorausschauende Positionierung: Chancen für die Beratung

Nachhaltigkeit ist kein Modethema. Es ist eng verbunden mit der Welt, in der wir künftig leben wollen und inzwischen fest im Wertekanon der Gesellschaft verankert. Daher wird es eine Anlageberatung, die ESG nicht berücksichtigt, perspektivisch nicht mehr geben, und Investmentansätze von Fondsanbietern werden zunehmend daran gemessen werden, wie sie Nachhaltigkeit und insbesondere die Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Klimafreundlichkeit und Kreislaufwirtschaft begleiten und unterstützen. Schon im Jahr 2020 hat die BaFin deshalb ein „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ entwickelt. Es soll Unternehmen, die unter Aufsicht der BaFin stehen, eine erste Orientierung zu „Good Practices“ in Bezug auf Nachhaltigkeit geben und ist daher lesenswert. Allerdings kann es schon aufgrund des Veröffentlichungszeitpunktes keine Hinweis auf die konkrete Ausgestaltung der Regulierung gehen.

Für Berater bedeutet die Ernsthaftigkeit und Vorhersehbarkeit, mit der sich Regulierung und Aufsicht bewegen, vor allen eines: Im Vorteil ist, wer rechtzeitig Nachhaltigkeitsaspekte in seiner Beratung berücksichtigt, und zwar schon, bevor die Ergänzung zu MiFID II dies zum Pflichtthema macht. Wir unterstützen Sie dabei und halten Sie immer aktuell informiert über die weitere Entwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen.

Folgenden Aspekte sind ebenfalls wichtig

2. Offenlegungsverordnung einordnen

Was bedeuten die Artikel 6, 8 und 9 für die Beratungspraxis? Erfahren Sie, was die SFDR schon heute leistet, wie sie weiter ausgebaut wird – und wo sie dennoch vermutlich zu kurz greift.

3. Anlageberatung auf Nachhaltigkeit ausrichten

Wer als Berater auf Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage achtet, kann die Widerstandskraft der Portfolios seiner Kunden stärken, die Rendite verbessern und Risiken reduzieren.

Weitere Artikel zum Thema

ESG-Fonds: belastbare Brückenlösung?

Artikel 8 und 9 der SFDR greifen in puncto Nachhaltigkeit zu kurz – und doch …


FFB

FFB

FIL Fondsbank

ESG-Fondsratings: Ein Methodenüberblick

ESG-Fondsratings gelten als wichtige Orientierung.


FFB

FFB

FIL Fondsbank

Nachhaltigkeit geht in Rente

Nachhaltig anlegen – da geht es längst nicht mehr nur um Aktien.


FFB

FFB

FIL Fondsbank

Wichtige Informationen

Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Marketing-Information. Die FIL Fondsbank GmbH (FFB) veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlung/Anlageberatung. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Erträge. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Alle geäußerten Meinungen sind, falls keine anderen Quellen genannt werden, die der FFB. Diese Informationen dürfen - mit Ausnahme der zum Download bereitgestellten Dokumente und Grafiken - ohne vorherige Erlaubnis weder reproduziert noch veröffentlicht werden. Fidelity, Fidelity International steht für FIL Limited (FIL) und ihre jeweiligen Tochtergesellschaften. Fidelity, Fidelity International, das FFB Logo und das F Symbol sind Marken von FIL Limited und werden mit deren Zustimmung verwendet. Möchten Sie in Zukunft keine weiteren Werbemitteilungen von uns erhalten, bitten wir Sie um Ihre schriftliche Mitteilung an den Herausgeber dieser Unterlage. Herausgeber: FIL Fondsbank GmbH, Postfach 11 06 63, 60041 Frankfurt am Main. Stand: 06.2021

MK12716