Damien Buchet, CIO bei Principal Finisterre, hält die klassische Unterteilung von Schwellenländeranleihen in drei Teilklassen für künstlich – sinnvoller sei es, sie als Kombination unterschiedlicher Performance-Treiber zu verstehen.

Schwellenländeranleihen werden häufig als eine einheitliche, benchmarkorientierte Anlageklasse betrachtet, die über die Nachbildung breiter Indizes erschlossen wird. Diese Sichtweise birgt jedoch die Gefahr, eine Anlageklasse zu vereinheitlichen, deren Risiko- und Renditetreiber weitaus vielfältiger sind.

Langfristig betrachtet war der wichtigste Renditetreiber innerhalb dieser Anlageklasse das laufende Einkommen. Die Kuponerträge haben den größten Teil der kumulierten Wertentwicklung ausgemacht, während Kursgewinne tendenziell volatil waren und häufig zu ihrem langfristigen Mittelwert zurückkehrten.

Dieses Verständnis der Anlageklasse bildet die Grundlage des Finisterre-Ansatzes. Wir betrachten Schwellenländeranleihen als ein breites Anlageuniversum, in dem unterschiedliche Instrumente und Länderrisiken verschiedene Funktionen innerhalb des Renditerahmens erfüllen.

Einkommen, Momentum und Alpha

Wir definieren die Performance anhand von drei unterschiedlichen Renditetreibern, die je nach Portfolioziel miteinander kombiniert werden können.

Der erste Treiber ist das laufende Einkommen. Dies ist die strukturell wichtigste Renditekomponente der Anlageklasse und basiert auf Anlagen mit höheren Carry-Erträgen, die über die Zeit einen stetigen Beitrag leisten. Solche Positionen weisen in der Regel kürzere Laufzeiten auf und werden eher aufgrund der Verlässlichkeit ihrer Cashflows als aufgrund ihrer Sensitivität gegenüber Marktentwicklungen ausgewählt.

Trotz der Volatilität bei Zinsen, Währungen und Kreditspreads haben Schwellenländeranleihen in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine jährliche Einkommensrendite von rund 6 bis 6,5 % in US-Dollar erzielt. Dies galt in etwa gleichermaßen für Hartwährungs- wie auch für Lokalwährungsmärkte.

Der zweite Treiber ist Momentum. Diese Anlagen sind liquider und reagieren stärker auf Veränderungen der globalen Rahmenbedingungen, darunter Zinsbewegungen, Wechselkursentwicklungen und die allgemeine Risikostimmung. Sie passen sich in der Regel schneller an veränderte makroökonomische Erwartungen an und können insbesondere in Phasen des Übergangs oder der Neubewertung von Vermögenswerten zusätzliche Renditen generieren.

Der dritte Treiber ist Alpha. Dabei handelt es sich um idiosynkratische Chancen, die vor allem von länder- oder emittentenspezifischen Faktoren und weniger von allgemeinen Marktbewegungen bestimmt werden. Sie beruhen auf differenzierter Research-Arbeit und können Renditen erzielen, die weitgehend unabhängig von Marktzyklen sind.

Ergänzt werden diese drei Treiber durch eine vierte Dimension: Flexibilität. Der ungebundene Charakter unseres Ansatzes ermöglicht es, Portfolios dynamisch zwischen den unterschiedlichen Renditetreibern zu steuern und bei einem weniger attraktiven Chancen-Set die Allokation in liquide Mittel oder liquiditätsnahe Instrumente zu erhöhen. Gemeinsam mit der rechtzeitigen Allokation in Momentum-orientierte Anlagen kann dies im Wesentlichen als Fähigkeit zum „Beta-Timing“ verstanden werden.

Diese Renditetreiber sind keine klar voneinander abgegrenzten Kategorien, sondern unterschiedliche Ausdrucksformen von Rendite innerhalb desselben Chancenuniversums. Die Aufgabe besteht darin, abhängig vom jeweiligen Anlageziel die passende Kombination zu bestimmen.

Aus dieser Perspektive verlieren die traditionellen Unterscheidungen zwischen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Lokalwährungsanleihen an Bedeutung. Wichtiger ist die Rolle, die jede Position innerhalb des Portfolios und über verschiedene Phasen des Marktzyklus hinweg erfüllt. Zwei Instrumente aus demselben Land können völlig unterschiedliche Funktionen im Portfolio übernehmen – sei es zur Generierung von Einkommen, zur Umsetzung einer makroökonomischen Einschätzung oder zur Nutzung einer spezifischen Fehlbewertung.

Vom Konzept zur Portfoliokonstruktion

Diese neuartige Betrachtung von Schwellenländeranleihen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Portfoliozusammenstellung. Anstatt mit Benchmark-Gewichtungen oder traditionellen Unterteilungen der Anlageklasse zu beginnen, startet der Prozess mit der gewünschten Balance zwischen Einkommen, Momentum und Alpha. Auf dieser Grundlage wird das Portfolio aufgebaut.

In diesem Kontext wird das Universum der Schwellenländeranleihen zu einem Instrumentarium, mit dem sich sehr unterschiedliche Risiko-Rendite-Profile konstruieren lassen.

Am einen Ende des Spektrums stehen Anleger, die ihr Risiko-Rendite-Profil durch einen opportunistischeren Total-Return-Ansatz optimieren möchten, wie er in der Strategie Finisterre Unconstrained Emerging Markets Fixed Income umgesetzt wird. Am anderen Ende stehen einkommensorientierte Ansätze, die darauf abzielen, den Carry-Ertrag im Verhältnis zur Volatilität zu maximieren, wie dies bei den Strategien Finisterre Emerging Markets Debt Euro Income und EMD High Income der Fall ist.

Auch Diversifikation wird in diesem Ansatz anders definiert. Es geht nicht lediglich darum, Engagements über verschiedene Teilanlageklassen und Länder zu verteilen. Vielmehr steht die Kombination unterschiedlicher Renditetreiber innerhalb und über Länder hinweg im Vordergrund, um die Abhängigkeit von einzelnen Performancequellen zu verringern.

Die Allokationen werden fortlaufend an veränderte Marktbedingungen angepasst. Dabei konzentrieren wir uns auf jene Bereiche, in denen unsere Überzeugung am stärksten ist, anstatt zu jeder Zeit zu jedem Marktsegment eine Meinung haben zu müssen.

Das Ergebnis sind Portfolios, die strukturell flexibler sind, gleichzeitig jedoch auf klaren Überzeugungen und einem konsistenten Ziel basieren: Renditen durch Carry, selektive Positionierung und researchgetriebene Chancen zu erzielen, anstatt sich auf die allgemeine Marktentwicklung zu verlassen.

Genau darin besteht der Finisterre-Ansatz für Schwellenländeranleihen: nicht in einer einzigen Sichtweise auf die Anlageklasse, sondern in der Kombination verschiedener Renditetreiber, um unterschiedliche Anlageergebnisse zu erzielen.

Letztlich sind es diese Kombinationen von Renditetreibern, die die Ergebnisse bestimmen, die wir für unsere Anleger erzielen, und nicht die zufälligen Schwankungen von Schwellenländeranleihe-Indizes. Aus dieser Perspektive betrachtet können Schwellenländeranleihen potenziell berechenbarere Renditen liefern und sich als verlässlicher Diversifikator, Einkommensgenerator und Performance-Verstärker innerhalb eines globalen Portfolios etablieren.

Principal Global Investors ist die Vermögensverwaltungseinheit der 1879 gegründeten und börsennotierten Principal Financial Group mit Hauptsitz in Des Moines, Iowa. Zum 31. Dezember 2025 verwaltet die US amerikanische Gesellschaft ein Anlagevolumen von 593,8 Mrd. USD. Unser Fokus liegt auf der Betreuung von Pensionskassen, Versorgungseinrichtungen und weiteren institutionellen Anlegern. Als Multi-Investmenthaus ist Principal so strukturiert, dass spezialisierte Investment-Teams eigenständige Anlagestrategien entwickeln und umsetzen. Dadurch verbinden wir die Vorteile einer globalen Plattform mit der Expertise hochspezialisierter Asset Management Einheiten.

Strategien für Ihre Kundenportfolios:

Der Werkzeugkasten für Risiken bei Schwellenländeranleihen

Für Damien Buchet, Chief Investment Officer bei Principal Finisterre, sind Sc…


Principal Asset Management

Principal Asset Management

Experten-Gastbeitrag

Die unterschätzte Vielfalt der Schwellenländeranleihen

Schwellenländeranleihen werden oft als einheitliche Anlageklasse wahrgenommen…


Principal Asset Management

Principal Asset Management

Experten-Gastbeitrag

Fixed-Income-Strategien: Streuung als Chance | Principal

Während an den Märkten eine negative Grundstimmung vorherrscht, erläutert Mic…


Principal Asset Management

Principal Asset Management

Experten-Gastbeitrag