Immer wieder werden neue Anlagetrends ausgerufen. Viele angeblich mit Potenzial auf weit überdurchschnittliche Renditen. Die Aussicht auf schnelles Geld lockt manchen Anleger. Doch die Wahrheit ist oft ernüchternd: Grafiken, mit denen Sie Ihren Kunden die Augen öffnen.

Erinnern Sie sich? Vor 10 bis 15 Jahren waren die BRICS das ganz heiße Thema – also Brasilien, Russland, Indien, China und (ab 2010) Südafrika. Die Story war durchaus überzeugend: Von den Industrieländern sei in Sachen Wachstum nicht mehr viel zu erwarten. Hohe Wachstumsraten würden künftig hingegen die Schwellenländer liefern, die mit großen Schritten, sprich Wachstumssprüngen, auf die entwickelten Industrieländer aufschließen wollen und werden. Das bedeute große Chancen dieser Regionen am Aktienmarkt. 

Wie es weiterging? Im Fall von China und Indien haben sich die Verheißungen im Hinblick auf die Entwicklung der Aktienmärkte wohl erfüllt – zumindest teilweise. Russland und vor allem Brasilien und Südafrika schlitterten hingegen von einer Krise in die nächste. Für Anleger hat sich dieser verheißungsvolle Trend unter dem Strich jedenfalls nicht ausgezahlt. Blickt man auf die vergangenen zehn Jahre, kamen sie mit BRICS-Investments gemessen am MSCI BRICS-Index nur auf 3,9 Prozent im Jahr. Mit dem Weltindex MSCI ACWI IMI war es mit 9,7 Prozent im Jahr hingegen mehr als das Doppelte1

Die BRICS-Mode sah schnell alt aus: Weltindex hängt BRICS ab (Grafik als Download verfügbar)
MSCI ACWI IMI versus MSCI BRIC (2011 bis 2020)

In Indizes kann nicht investiert werden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen. Wertentwicklung über fünf Jahre (MSCI BRIC (USD)/MSCI ACWI (USD)): 31.12.2015 – 30.12.2016 (+12,4%/+9,0%), 30.12.2016 – 29.12.2017 (+42,0%/+24,6%), 29.12.2017 – 31.12.2018 (-13,2%/-9,6%), 31.12.2018 – 31.12.2019 (+23,1%/+27,0%), 31.12.2019 – 31.12.2020 (+17,9%/+16,8%).

Quelle: Refinitiv Datastream, Januar 2021; Betrachtungszeitraum 31.12.2010 bis 31.12.2020

Next-11: Auch zweite Reihe liefert nicht

Mit den „Next-11“ ging es Anlegern nicht besser: Der Begriff, ebenfalls geprägt von Jim O'Neill, dem damaligen Chefvolkswirt von Goldman Sachs, meint die „Nachfolgestaaten der BRICS“: Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Philippinen, Südkorea, Türkei und Vietnam. Auch in diesen Ländern lief die Entwicklung weit auseinander. Goldman Sachs selbst gab Ende letzten Jahres das Konzept auf und verschmolz die unter den Namen BRIC (ohne Südafrika) oder Next-11 laufenden Fonds mit breiter aufgestellten Emerging Markets-Fonds. Kunden seien damit besser bedient als mit einer Strategie, die auf einem Länderkürzel basiere, hieß es.2 Keine überraschende Einsicht, aber immerhin ein spätes Eingeständnis. Und ganz sicher ein klarer Hinweis für Anleger – Vorsicht bei kurzlebigen Trends und Moden im Anlagemarkt!

Neuer Markt: Vom Traum zum Albtraum 

Mit Pauken und Trompeten war hierzulande schon der Dot.com-Trend untergegangen und hatte dabei viel Vertrauen in die Aktienmärkte generell zerstört: Der neue Markt als Segment für Wachstumswerte aus den Bereichen Internet, Telekommunikation und Medien hatte zuvor einen Hype sonders Gleichen erlebt. Der Marktindex Nemax, im April 1997 bei 500 Punkten gestartet, stieg innerhalb von drei Jahren auf knapp 8.600 Punkte. Dann folgte die kalte Dusche: In nur 31 Monaten büßte der Index über 96 Prozent seines Wertes ein.3 Der damals hochgelobte Telekommunikationssektor mit Werten wie Deutsche Telekom und Vodafone kommt seit dem Jahr 2000 gerechnet sogar auf eine Minusrendite (s. Grafik 2). 

Aus dem Telekommunikationswunder wurde nichts (Grafik als Download verfügbar)
MSCI Europe Communication Services versus MSCI Europe 

In Indizes kann nicht investiert werden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für künftige Entwicklungen. Wertentwicklung über fünf Jahre (MSCI Europe Communication Services – Preisindex (EUR)/ MSCI Europe – Preisindex (EUR): 31.12.2015 – 30.12.2016 (-16,5%/-0,5%), 30.12.2016 – 29.12.2017 (-2,3%/+7,3%), 29.12.2017 – 31.12.2018 (-13,7%/-13,1%), 31.12.2018 – 31.12.2019 (+0,7%/+22,2%), 31.12.2019 – 31.12.2020 (-16,1%/-5,4%).

Quelle: Refinitiv Datastream, Januar 2021. Betrachtungszeitraum 31.12.2000 bis 31.12.2020

Heute sind Robotics, Cloud, KI, Big Data oder E-Mobility mit Wasserstoff- und Brennstoffzellenproduzenten ganz groß in Mode, ebenso Pharma und Biotech, Cannabis und Cyber Security. Und ja, einige Unternehmen dieser Branchen dürften in Zukunft tatsächlich stärker wachsen als der Markt. Allerdings schlägt die Begeisterung für bestimmte Branchen oder ein oder mehrere Länder oft zu hohe Wellen. Abgesehen davon, dass sich die hohen Wachstumserwartungen mitunter nicht erfüllen, führt eine übertriebene Begeisterung für ein Trendthema auch häufig zu einem nicht genügend scharfen Blick auf die jeweilige Unternehmenslandschaft in diesen Trendmärkten. Gerade technologische Entwicklungen sind oft mit großen Unsicherheiten verbunden. Welche Technologie kommt letztlich zum Durchbruch, welche Unternehmen setzen sich durch? Das sind meist offene, aber für Anleger immens wichtige Fragen, die sich nicht einfach mit dem generellen und undifferenzierten Verweis auf einen Trend beantworten lassen.

Nischen allenfalls als Beimischung

Berater und Anleger sollten daher lieber Vorsicht walten lassen und nicht gleich auf jedes neue Thema und jede Anlagemode aufspringen. Besser ist die breite Diversifikation. Jedes spezifische und fokussierte Branchen- oder Länderinvestment birgt zunächst grundsätzlich höhere Risiken als die Anlage in einen regional oder auch branchenmäßig breit streuenden Fonds bzw. ein diversifiziertes Fondsportfolio. Bei aktiv gemanagten Fonds, bei denen das Fondsmanagement sich nicht primär an der Index-Benchmark orientiert, kann der Anleger zudem davon ausgehen, dass nur aufgrund eingehender Analysen und Recherchen entschieden wird, ob und wann einzelne Unternehmen in das Portfolio aufgenommen werden, die möglicherweise von einem Trend profitieren. Das ist dann eine fundierte Entscheidung und nicht einfach unreflektierte Trendfolge.

Während kurzlebige und regional oder sektoral eng begrenzte Trends in Anlegerportfolios oft mehr Schaden als Nutzen anrichten, kann die Sache für Anleger bei Megatrends durchaus anders aussehen: bei der Digitalisierung etwa oder dem demografischen Wandel. Oder beim Trend zu umweltfreundlicherem, klimaschonendem Wirtschaften. Solche Megatrends betreffen nicht nur eine Branche oder einzelne Länder, sondern gelten global und branchenübergreifend. Und sie haben die Kraft und Dynamik, die Welt, in der wir leben, wirtschaften und investieren, grundlegend und unumkehrbar zu verändern. Als Beimischung auf diese großen Trends zu setzen, kann in einem gut diversifizierten Portfolio durchaus zusätzliche Chancen eröffnen. 

Quellen:
1msci.com, per 31.12.2020.
2Fonds Professionell 02.11.2020.
3Datastream, 27.01.2021.

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